Sind Handelsabkommen böse?

Michael Scherling am 28. September 2017

All­ge­mein akzep­tiert ist, dass Han­del zwi­schen Staa­ten sinn­voll ist, weil jedes Land ande­re Pro­duk­te bes­ser her­stel­len kann.

Deutsch­land wird nie so guten Rot­wein pro­du­zie­ren kön­nen wie Spa­ni­en.

Der Wohl­stand aller Betei­lig­ten sinkt, wenn Deutsch­land Zöl­le auf spa­ni­schen Wein ein­führt oder Spa­ni­en die Ein­fuhr von deut­schen Autos behin­dert.

Han­dels­ab­kom­men zur Klä­rung sol­cher Fra­gen sind also grund­sätz­li­ch sinn­voll.

Für ein klei­nes Land wie Öster­reich ist Export zusätz­li­ch lebens­wich­tig. Wer soll­te in Öster­reich den gan­zen Stahl der VOEST ver­brau­chen? Bei Abschot­tung unse­res Lan­des wür­den 10.000 VOEST-Arbeits­plät­ze sofort weg­fal­len. Als klei­ner Staat sind wir also der Haupt­pro­fi­teur von Glo­ba­li­sie­rung und Han­dels­ab­kom­men.

Nach­dem der Wis­sens­stand der Öster­rei­cher gering und die Skep­sis bei sol­chen Abkom­men groß ist, kön­nen Poli­ti­ker Unwahr­hei­ten ver­brei­ten und gewin­nen damit Wäh­ler­stim­men:

Seit 2 Jah­ren wird gegen pri­va­te Schieds­ge­rich­te gewet­tert. In der Rea­li­tät ist aber bekannt, dass unse­re Fir­men fast alle Pro­zes­se gegen ein­hei­mi­sche Fir­men in den USA, Russ­land, Chi­na etc. ver­lie­ren, weil dor­ti­ge Rich­ter „patrio­ti­sch“ han­deln.

War­um sol­len sich eine öster­rei­chi­sche und eine US-Fir­ma nicht dar­auf eini­gen kön­nen, ein pri­va­tes Schieds­ge­richt zu ver­ein­ba­ren?

Selbst bei den bösen „Chlor­hüh­nern“ aus den USA ist sehr frag­li­ch, ob unse­re hor­mon­be­han­del­ten Hüh­ner wirk­li­ch bes­ser oder gesün­der sind.

Trotz­dem wür­den sich sicher­li­ch von popu­lis­ti­schen Poli­ti­kern ange­heiz­te 70% aller Öster­rei­cher gegen Han­dels­ab­kom­men aus­spre­chen und damit eine gro­ße Dumm­heit bege­hen.

Fazit: Han­dels­ab­kom­men sind zu kom­plex um Gegen­stand der hei­mi­schen poli­ti­schen Debat­te zu sein. Nur die Euro­päi­sche Uni­on hat die Kom­pe­tenz und Ver­hand­lungs­macht, um sol­che Abkom­men in hoher Qua­li­tät zu schlie­ßen. Wir soll­ten sie dabei in Ruhe las­sen.

Entwicklungshilfe aus ökonomischer Sicht

Michael Scherling am 3. August 2017

Vor 40 Jah­ren waren die ers­ten scho­ckie­ren­den Bil­der von hun­gern­den afri­ka­ni­schen Kin­dern im Fern­se­hen zu sehen. Euro­pa reagier­te mit Lebens­mit­tel­hil­fe, die zwar die Not kurz­fris­tig lin­der­te, aber auch dazu führ­te, dass der Anreiz sich selbst zu ver­sor­gen, sank.

Seit etwa 20 Jah­ren wird des­halb ver­mehrt ver­sucht, durch Wis­sens­trans­fer, Maschi­nen, Infra­struk­tur, neue Brun­nen zur Was­ser­ver­sor­gung etc. zu hel­fen.

Lei­der wird das grund­le­gen­de Pro­blem immer noch nicht ange­spro­chen:

In vie­len Län­dern (z.B. im Niger) haben Män­ner mit jeder ihrer Frau­en sie­ben Kin­der. Frau­en wer­den zu Gebär­ma­schi­nen degra­diert, Män­ner füh­len sich erst dann männ­li­ch, wenn sie mehr als 10 Kin­der gezeugt haben. So lan­ge die­ser Wahn­sinn nicht gestoppt wird, ist jede ande­re Art von Ent­wick­lungs­hil­fe öko­no­mi­sch völ­lig sinn­los!

Im Gegen­teil: Ent­wick­lungs­hil­fe­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­set­zen die 7 Kin­der pro Frau in die Lage, selbst wie­der 7 Kin­der zu zeu­gen. Indem man einem Kind hilft, wer­den 7 neue hun­gern­de, lei­den­de Kin­der ohne Chan­ce im Leben gebo­ren.

Die UNO erwar­tet, dass in 30 Jah­ren 2,4 Mil­li­ar­den Men­schen in Afri­ka leben wer­den und 4 Mil­li­ar­den 50 Jah­re spä­ter! Allei­ne in Nige­ria wer­den 2017 mehr Kin­der gebo­ren als in der gan­zen EU.

Eine Ver­vier­fa­chung der Bevöl­ke­rung in nur 3 Gene­ra­tio­nen muss zu Krieg, Hun­ger, Elend und Aus­wan­de­rung füh­ren!

Lei­der gilt es immer noch als “poli­ti­sch unkor­rekt”, die­ses Grund­übel anzu­spre­chen.

Was sind öko­no­mi­sch ver­nünf­ti­ge Lösun­gen:

  1. Vor­aus­schau­en­de Bevöl­ke­rungs­po­li­tik: Chi­na ist ein posi­ti­ves Bei­spiel: Ohne vor­aus­schau­en­de Bevöl­ke­rungs­po­li­tik wür­den wohl 500 Mil­lio­nen Men­schen mehr in die­sem Land leben. Nai­vi­tät muss man den­je­ni­gen unter­stel­len, die mei­nen, dass Chi­na dann immer noch so (rela­tiv) fried­li­ch wäre. Die Stu­di­en zur “You­th Bul­ge” von Gun­n­ar Hein­sohn bele­gen das his­to­ri­sch. In Län­dern mit hohem Anteil an 15 – 25-jäh­ri­gen Män­nern kam es in der Ver­gan­gen­heit immer zu Krieg oder Bür­ger­krieg (auch die bei­den Welt­krie­ge las­sen sich so erklä­ren).
  2. Bil­dung: je gebil­de­ter vor allem die Frau­en sind, desto höher ist die Chan­ce, dass sie nicht nur recht­lo­se, wil­len­lo­se Gebär­ma­schi­nen wer­den.

Fazit: Die west­li­che Welt geht das The­ma Ent­wick­lungs­hil­fe mit erstaun­li­cher Nai­vi­tät an und wird so lan­ge schei­tern, so lan­ge die Wur­zel des Pro­blems der unkon­trol­lier­ten Bevöl­ke­rungs­ver­meh­rung nicht ange­packt wird!

Vollgeld oder Fake-Geld?

Michael Scherling am 12. June 2017

Über 100.000 Schwei­zer Bür­ger sind so unzu­frie­den mit dem aktu­el­len Geld-Sys­tem, dass sie vor Kur­zem die “Voll­geld-Initia­ti­ve” in der Schweiz unter­schrie­ben. Das obwohl der Fran­ken ja als die sicher­s­te Wäh­rung der Welt gilt. Ist unser Euro also sowie­so nur „Fake-Geld“?

Im Wesent­li­chen geht es bei der Dis­kus­si­on dar­um, wie Geld ver­mehrt wird.

Man könn­te anneh­men, dass Ban­ken im Rah­men einer Kre­dit­ver­ga­be nur die Spar-Ein­la­gen ihrer Kun­den ver­lei­hen. Tun sie aber nicht! Sie schaf­fen auf Knopf­druck neu­es Geld, indem sie es dem Kun­den­kon­to gut­schrei­ben. Eine belie­bi­ge Ver­meh­rung ist also mög­li­ch!

Auch die Zen­tral­ban­ken bestä­ti­gen die­se Sicht. Unse­re Ban­ken haben also enor­men Ein­fluss auf die Men­ge des ver­füg­ba­ren Gel­d­es. Die Ver­tre­ter der „Öster­rei­chi­schen Schu­le der Natio­nal­öko­no­mie“ ver­wie­sen schon vor 100 Jah­ren dar­auf, dass die­ser Zusam­men­hang der Haupt­aus­lö­ser für Finanz­kri­sen ist. Ohne die fast unkon­trol­lier­te Kre­dit­ver­ga­be wäre eine Immo­bi­li­en­preis­bla­se in USA und Spa­ni­en erst gar nicht ent­stan­den und damit die Ursa­che für die Finanz­kri­se 2008 (gen­au wie 1929) ver­schwun­den.

Eine sinn­vol­le Idee müss­te also sein, dass Ban­ken 100% der Kre­di­te als Spar-Ein­la­gen hal­ten müs­sen (=Voll­geld).

Aber: Kre­dit­in­sti­tu­te haben eine enorm wich­ti­ge Funk­ti­on: sie ver­ge­ben lang­fris­ti­ge Geld­er (z.B. Haus­kre­di­te) und neh­men als Ein­la­ge kurz­fris­ti­ge Geld­er an (Spar­bü­cher, Kon­ten). Die­se „Fris­ten­trans­for­ma­ti­on“ ist die wich­tigs­te volks­wirt­schaft­li­che Funk­ti­on der Ban­ken.

In einem Voll­geld­sys­tem müss­ten vie­le Spar­bü­cher auf 20 Jah­re gebun­den wer­den, um einen Haus­kre­dit ver­ge­ben zu kön­nen. Das ist in der Pra­xis unmög­li­ch.

Fazit: vie­le Din­ge sind nicht per­fekt, aber solan­ge kei­ne Ide­al-Lösung in Sicht ist, ist es ist wohl bes­ser, das bestehen­de Geld-Sys­tem bes­ser zu machen, als eine radi­ka­le Ver­än­de­rung mit vie­len Risi­ken und Nach­tei­len in Kauf zu neh­men.

Wir dummen Österreicher

Michael Scherling am 16. May 2017

In Öster­reich ist eines der bes­ten Unter­neh­men der Welt zu Hau­se: die VOESTALPINE. Sie ist tech­no­lo­gi­scher Welt­markt­füh­rer im Stahl­be­reich, beschäf­tigt 50.000 Men­schen und schafft stän­dig neue Arbeits­plät­ze (Poli­ti­ker kön­nen nur mit neu­en Schul­den Arbeits­plät­ze kurz­fris­tig schaf­fen, Fir­men auch nach­hal­tig!).

Das Unter­neh­men schafft es, die durch Digi­ta­li­sie­rung und voll­au­to­ma­ti­sche Pro­duk­ti­ons­wei­se weg­fal­len­den Jobs durch inter­ne Wei­ter­bil­dung zu erhal­ten. Vie­le Mil­lio­nen wer­den jähr­li­ch an Steu­ern bezahlt, was uns allen zu Gute kommt.

Gefähr­det ist die VOEST maxi­mal durch immer neue büro­kra­ti­sche Auf­la­gen und Umwelt­ge­set­ze. Dabei ist die Fir­ma bereits der umwelt­ver­träg­lichs­te Stahl­her­stel­ler welt­weit. Hilft es wirk­li­ch wenn das Unter­neh­men aus Öster­reich ver­trie­ben und die Pro­duk­ti­on mit 5-fachem Schad­stoff­aus­stoß in Indien auf­ge­baut wird?

Noch span­nen­der ist die Geschich­te des Unter­neh­mens: Es stammt aus der “Ver­staat­lich­ten Indus­trie” und wäre durch Miss­ma­nage­ment vor 30 Jah­ren in Kon­kurs gegan­gen, wenn es nicht pri­va­ti­siert wor­den wäre. Immer, wenn poli­ti­sche Günst­lin­ge oder Gewerk­schafts­bon­zen in einer Unter­neh­mens­füh­rung sit­zen, gehen Fir­men plei­te. Der “Kon­sum” ist noch ein gutes Bei­spiel dafür.

Ver­tre­ter der “Gemein­woh­löko­no­mie”, die sogar schon in Schul­bü­chern zu fin­den sind, haben bis heu­te nicht ver­stan­den, dass Ver­staat­li­chung und Ein­mi­schung in die Unter­neh­mens­füh­rung zu Arbeits­lo­sig­keit und Wohl­stands­ver­lust füh­ren.

Die Voest­al­pi­ne betei­ligt die Mit­ar­bei­ter auch am Unter­neh­men. Ein guter Teil gehört inzwi­schen den Ange­stell­ten. Die pro­fi­tie­ren dop­pelt: Einer­seits an der Stei­ge­rung des Unter­neh­mens­wer­tes und ande­rer­seits von den jähr­li­chen Divi­den­den, die mit rund 3% jähr­li­ch Spar­bü­cher deut­li­ch über­tref­fen.

War­um betei­li­gen wir Öster­rei­cher uns nicht an unse­ren groß­ar­ti­gen Unter­neh­men? 50% des öster­rei­chi­schen und deut­schen Akti­en­markts gehört US-ame­ri­ka­ni­schen Inves­to­ren. Die holen sich unse­re Wert­schöp­fung wäh­rend wir über unse­re Spar­bü­cher den Ban­ken Geld geben, die dann z.B. jah­re­lang US-Hypo­the­ken­pa­pie­re kauf­ten, die teil­wei­se wert­los wur­den.

Wir Öster­rei­cher haben dann nicht nur kei­ne Zin­sen bekom­men, son­dern muss­ten auch noch unse­re Ban­ken mit Mil­li­ar­den­be­trä­gen ret­ten. Wir sind schon ziem­li­ch dumm, oder?

Natür­li­ch ist es nicht sinn­voll, sich nur an öster­rei­chi­schen Unter­neh­men zu betei­li­gen. Jedes Land hat tol­le Fir­men wie die Voest. Gute Mana­ger eines welt­wei­ten Akti­en­fonds hel­fen Ihnen, sich an der Wert­schöp­fung der gesam­ten Welt zu betei­li­gen.

Fazit: Inves­tie­ren Sie Ihre län­ger­fris­tig ange­leg­ten Geld­er nicht in Spar­bü­cher oder Staats­an­lei­hen, son­dern pro­fi­tie­ren Sie von wun­der­ba­ren Unter­neh­men, die Arbeits­plät­ze schaf­fen und nach­hal­ti­ge Wert­stei­ge­rung erzie­len.

Böse Globalisierung?

Michael Scherling am 27. March 2017

Carl Bildt, ehe­ma­li­ger Pre­mier­mi­nis­ter von Schwe­den schrieb vor kur­zem dass bei sei­ner Geburt erst 2,5 Mrd. Men­schen leb­ten und vie­le auch damals glaub­ten, dass unser Pla­net die­se Mas­sen nicht ernäh­ren könn­te und Zusam­men­brü­che bevor­stün­den.

Tat­säch­li­ch ist der Anteil der Armen unter den inzwi­schen 7,5 Mrd. Men­schen stark zurück­ge­gan­gen und vie­le Län­der (vor allem in Asi­en) konn­ten den Lebens­stan­dard enorm stei­gern.

Die Lebens­er­war­tung stieg von 48 auf 71 Jah­re, das Pro-Kopf-Ein­kom­men um 500%. Seit 1990 wur­de die Kin­der­sterb­lich­keit hal­biert und statt 47% der Bewoh­ner von Ent­wick­lungs­län­dern leben nur noch 14% in extre­mer Armut.

Wie kam es dazu:

  1. Fort­schrit­te in Wis­sen­schaft und Tech­no­lo­gie
  2. Wirt­schaft­li­cher Aus­tau­sch über Han­del und Inves­ti­tio­nen in einer libe­ra­len Welt­ord­nung = Glo­ba­li­sie­rung

An vie­len Orten die­ser Welt wur­den und wer­den Fabri­ken geschlos­sen und Mit­ar­bei­ter ent­las­sen. Die Stahl­wer­ke in den USA und die Koh­le­mi­nen in Deutsch­land beschäf­ti­gen weni­ger Arbei­ter als frü­her. Der Grund dafür soll die Glo­ba­li­sie­rung sein. Nicht erkannt wird dabei, dass tech­no­lo­gi­sche Fort­schrit­te in höhe­rem Aus­maß ver­ant­wort­li­ch sind.

Genauso ver­lo­ren vor 100 Jah­ren fast alle Kut­scher ihre Arbeit. In der Auto­in­dus­trie sind heu­te aller­dings 100­mal so vie­le Men­schen beschäf­tigt.

Carl Bildt schreibt: „Für die meis­ten Men­schen war das Leben vor der Glo­ba­li­sie­rung arm, hart und kurz.“ Popu­lis­ten ver­herr­li­chen die­se Zei­ten den­no­ch ohne ihren Wäh­lern zu erklä­ren, dass es einem arbeits­lo­sen US-Stahl­ar­bei­ter nicht hilft, wenn afri­ka­ni­sche und asia­ti­sche Län­der mit Zöl­len belegt wer­den. Im Gegen­teil erhö­hen sich dadurch die Prei­se. Dar­un­ter lei­det gera­de der arme Teil der Wäh­ler, der sich als Glo­ba­li­sie­rungs­ver­lie­rer wahr­nimmt.

Was wir brau­chen ist:

  1. Ehr­li­che Poli­ti­ker, die den Men­schen die Zusam­men­hän­ge erklä­ren
  2. Inten­si­ve Aus- und Wei­ter­bil­dung

Auch in Zukunft wer­den Bran­chen ver­schwin­den und Men­schen ihre Arbeit ver­lie­ren. In den letz­ten 200 Jah­ren wur­den aber in neu ent­ste­hen­den Bran­chen immer viel­fach mehr Arbeits­kräf­te benö­tigt als davor. Die Län­der mit dem höchs­ten Bil­dungs­ni­veau pro­fi­tie­ren davon am meis­ten.

Fazit: Ein Zurück­dre­hen der Glo­ba­li­sie­rung macht uns alle ärmer und scha­det vor allem den benach­tei­lig­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pen.

Dauerhafte Stagnation?

Michael Scherling am 2. February 2017

In der Welt der Öko­no­men wird seit eini­ger Zeit dis­ku­tiert, ob es eine soge­nann­te “Seku­lä­re Sta­gna­ti­on” gibt. Gemeint ist dau­er­haf­tes Null­wachs­tum, das fol­gen­de Ursa­chen hat:

+ Es wird zu wenig inves­tiert, weil es kaum loh­nen­de Pro­jek­te gibt. Die wesent­li­chen Erfin­dun­gen sind gemacht (Auto, Com­pu­ter etc.) und neue brin­gen wenig Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs

+ Popu­lis­ti­sche Poli­ti­ker brem­sen die Wirt­schaft (rech­te Ideo­lo­gen wie Trump mit Han­dels­bar­rie­ren und lin­ke Ideo­lo­gen wie Hugo Cha­vez mit Ver­staat­li­chung)

+ Sta­gnie­ren­de Erwerbs­be­völ­ke­rung in den west­li­chen Staa­ten. Deutsch­land bräuch­te 500.000 Zuwan­de­rer jähr­li­ch, um die Zahl der Erwerbs­tä­ti­gen nur kon­stant zu hal­ten.

Aller­dings gab es auch vor eini­gen Jahr­zehn­ten gen­au die glei­che Dis­kus­si­on und nie­mand kann behaup­ten, dass es in den letz­ten 50 oder 100 Jah­ren kei­ne rele­van­ten Neue­run­gen und Wohl­stands­stei­ge­run­gen gege­ben hat.

Bes­se­re Trans­port­mit­tel, moder­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on und schnel­le­re und bes­se­re Pro­duk­ti­ons­wei­sen haben die Mensch­heit vor­an­ge­bracht. Was könn­te uns in den nächs­ten Jahr­zehn­ten wei­ter­brin­gen?

Zwei Berei­chen sind her­vor­zu­he­ben: Digi­ta­li­sie­rung und Robo­tik. Bei­des stei­gert das Wirt­schafts­wachs­tum, wobei ers­te­res kaum mess­bar ist und im Brut­to­in­lands­pro­dukt nicht auf­scheint. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Wenn Sie kos­ten­lo­se Zei­tungs­in­hal­te am Com­pu­ter lesen statt eine Zei­tung zu kau­fen, sinkt das BIP sogar. Ihr Nut­zen steigt aber.

Durch effi­zi­en­te Sharing-Eco­no­my kön­nen Autos, Maschi­nen, Woh­nun­gen usw. von mehr Men­schen als bis­her ver­wen­det wer­den. Auch hier sinkt das BIP, weil nicht jeder sich alles selbst kau­fen muss. Der Wohl­stand für die Betrof­fe­nen steigt aber.

Wis­sens­er­werb und Wei­ter­bil­dung sind zen­tral für die moder­ne Wirt­schaft, wer­den aber eben­falls kaum bei der Mes­sung von Wachs­tum berück­sich­tigt.

Fazit: Glau­ben Sie kei­nen Sta­gna­ti­ons­pro­phe­ten. Nur weil wir Wachs­tum und Wohl­stands­stei­ge­run­gen nicht mes­sen kön­nen, heißt das noch lan­ge nicht, dass es die­se nicht gibt!

Mein ökonomischer Wunsch ans Christkind

Michael Scherling am 23. December 2016

Dürf­te ich einen Wunsch ans Christ­kind äußern, wür­de ich es heu­er bit­ten, die Euro­päi­sche Zen­tral­bank zu beein­flus­sen, damit sie die Nega­tiv­zin­sen auf­gibt.

Die meis­ten von Ihnen mer­ken höchs­tens als Kre­dit­neh­mer dass die kurz­fris­ti­gen Zin­sen (Euri­bor) im Minus sind. Gehö­ren Sie zu die­ser Grup­pe, haben Sie sich sicher­li­ch schon aus­rei­chend gefreut.

Lei­der hat die­se Poli­tik schlim­me Neben­wir­kun­gen:

  1. Spa­rer lei­den: mein Bedau­ern hält sich aber in Gren­zen, da ers­tens auch die Infla­ti­on tief ist und zwei­tens Spar­buch und Kon­to ohne­hin nur für das Par­ken von Geld sinn­voll sind. Ab 3 – 5 Jah­ren Anla­ge­dau­er soll­ten ande­re Ver­an­la­gun­gen gewählt wer­den.
  2. Es droht Alters­ar­mut: die meis­ten Öster­rei­cher haben ohne­hin gro­ße Pen­si­ons­lü­cken. Die klas­si­sche Form der Vor­sor­ge mit anlei­he­ba­sier­ten Lebens­ver­si­che­run­gen lohnt sich kaum noch. Weni­ge kön­nen sich so hohe Spar­ra­ten leis­ten, um bei Tief­zin­sen genug anzu­spa­ren.
  3. Lang­fris­tig sind Ver­si­che­rungs­kon­kur­se mög­li­ch: In den letz­ten Jahr­zehn­ten wur­den Garan­tie­zins­ver­spre­chun­gen bei Lebens­ver­si­che­run­gen in der Höhe von bis zu 4% gege­ben. Die­se sind heu­te aber nicht mehr zu erzie­len.
  4. Aus mei­ner Sicht der schlimms­te Punkt: Ban­ken gera­ten in Schief­la­ge! War­um habe ich mit den bösen Ban­ken Mit­leid? Ganz ein­fach: ohne Ban­ken funk­tio­niert die Wirt­schaft nicht, es gibt Sta­gna­ti­on und Arbeits­lo­sig­keit. In den USA wur­den die Ban­ken bes­ser saniert (oder in Kon­kurs geschickt) und die Zin­sen sind posi­tiv. Dadurch konn­ten sich die Ver­ei­nig­ten Staa­ten viel bes­ser von der Finanz­kri­se erho­len.

Zur Erklä­rung: Ban­ken wer­den sinn­vol­ler­wei­se gezwun­gen mehr Eigen­ka­pi­tal zu hal­ten, um kri­sen­re­sis­ten­ter zu wer­den. Die Erträ­ge lei­den dadurch, was aber abso­lut in Ord­nung ist.

Aber: durch die Nega­tiv­zins­po­li­tik der Euro­päi­schen Zen­tral­bank müs­sen die Kre­dit­häu­ser tat­säch­li­ch Zin­sen bezah­len wenn sie Geld bei der EZB par­ken. Sie kön­nen aber nur sehr schwer von Pri­vat­kun­den Zin­sen von deren Gut­ha­ben auf Spar­bü­chern und Kon­ten ver­lan­gen.

Die Ein­nah­men schrump­fen also noch ein­mal deut­li­ch. Damit lei­det die Fähig­keit, Kre­di­te gera­de an Klein- und Mit­tel­be­trie­be, die die Basis unse­rer Wirt­schaft sind, zu ver­ge­ben.

Fazit: Bit­te lie­be Zen­tral­bank, erhö­re mein Christ­kind und erhö­he die Zin­sen zumin­dest auf 0%!

 

 

Populismus und Ökonomie

Michael Scherling am 9. November 2016

Die Welt gehört seit heu­te end­gül­tig den Popu­lis­ten. Schon der Aus­stieg Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU war nur durch geziel­te Falsch­mel­dun­gen der EU-Geg­ner und der Medi­en mög­li­ch, eben­so die heu­ti­ge Wahl eines Stamm­tisch-Pro­le­ten zum US-Prä­si­den­ten. Des­sen Wäh­ler glau­ben z.B. mehr­heit­li­ch nicht, dass Oba­ma in den USA gebo­ren ist. Die Macht der Bou­le­vard-Medi­en ist enorm. Wer sie beein­flus­sen kann, gewinnt offen­sicht­li­ch alle Wahl­ent­schei­dun­gen. Das wis­sen auch Orban in Ungarn und Erdo­gan in der Tür­kei.

Was bedeu­tet das nun öko­no­mi­sch?

Gera­de hat die Welt begon­nen, sich von der Finanz­kri­se 2008 und der Euro­kri­se 2011 zu erho­len: die Arbeits­lo­sen­ra­ten sind kräf­tig gesun­ken, das Wirt­schafts­wachs­tum ist fast auf Vor­kri­sen­ni­veau, die Löh­ne begin­nen zu stei­gen und die öko­no­mi­schen Stim­mungs­in­di­ka­to­ren waren bis ges­tern sehr gut.

Das Umfeld wäre also aus­ge­zeich­net. Womit Men­schen aber am aller­we­nigs­ten umge­hen kön­nen, ist Unsi­cher­heit. Kei­ner weiß wie sich der Brex­it aus­wir­ken wird (des­halb habe ich kei­nen Arti­kel dar­über geschrie­ben — Pro­gno­sen sind völ­lig sinn­los) und nie­mand kann vor­aus­se­hen, wel­che Wahl­ver­spre­chen Trump tat­säch­li­ch umset­zen wird.

In unsi­che­ren Zei­ten inves­tie­ren Unter­neh­men aber ungern neu­es Geld und Kon­su­men­ten spa­ren lie­ber mehr als sie aus­ge­ben. Das bremst die begin­nen­de Erho­lung aus.

Klar scheint aber dass Zins­er­hö­hun­gen noch wei­ter in die Zukunft ver­scho­ben wer­den. Obwohl die Nach­tei­le der Null­zins­po­li­tik immer offen­sicht­li­cher wer­den, ist den Zen­tral­ban­ken eine Erhö­hung in so unsi­che­ren Zei­ten fast unmög­li­ch.

Fazit: eini­ge Mona­te bevor Hit­ler in Deutsch­land an die Macht kam, gab es bereits einen kräf­ti­gen Wirt­schafts­auf­schwung. Weil die­ser aber noch nicht bei den Men­schen ange­kom­men war, kam es zu einem Desas­ter. Auch der aktu­el­le Auf­schwung ist noch nicht bei der Bevöl­ke­rung ange­kom­men, wes­halb Popu­lis­ten die Gele­gen­heit bekom­men, neue Desas­ter anzu­rich­ten.

 

Arbeitslosigkeit

Michael Scherling am 26. September 2016

War­um hat Deutsch­land seit vie­len Jah­ren weni­ger Arbeits­lo­se als Frank­reich?

Einen der Grün­de hat der Öko­nom und Nobel­preis­trä­ger Jean Tiro­le in sei­nem neu­en Buch mit dem Titel „Éco­no­mie du Bien Com­mun” (oder „Wirt­schaft für das All­ge­mein­wohl”) beschrie­ben.

Frank­reichs his­to­ri­sch hohe Arbeits­lo­sen­quo­te ergibt sich nicht aus den ungüns­ti­gen Ein­flüs­sen der glo­ba­len Markt­wirt­schaft – eine weit­ver­brei­te­te und prak­ti­sche Erklä­rung von fran­zö­si­schen Poli­ti­kern –, son­dern eher aus der gesell­schaft­li­chen Ent­schei­dung, einen sehr star­ren Arbeits­markt zu eta­blie­ren. Mit dem Bewusst­sein wei­ter stei­gen­der Arbeits­lo­sen­zah­len beschloss die fran­zö­si­sche Regie­rung, fle­xi­ble befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge und vie­le sub­ven­tio­nier­te Jobs ein­zu­füh­ren, anstatt die extrem star­ren unbe­fris­te­ten Ver­trä­ge fle­xi­bler zu machen. Die Zah­len spre­chen für sich: 2013 waren 85% der neu­en Stel­len Jobs mit befris­te­ten Ver­trä­gen. Dar­über hin­aus bezo­gen sich 77% der gesam­ten Kün­di­gun­gen auf befris­te­te Ver­trä­ge.

In Wirk­lich­keit stellt ein befris­te­ter Ver­trag weder die Arbeit­neh­mer noch die Arbeit­ge­ber zufrie­den. Arbeit­neh­mer haben dadurch kaum Kün­di­gungs­schutz. Arbeit­ge­ber sind nicht dazu geneigt, einen befris­te­ten Ver­trag zu ver­län­gern, da er sich son­st nach fran­zö­si­schem Recht auto­ma­ti­sch in einen unbe­fris­te­ten Ver­trag ver­wan­delt. Des­halb plä­diert Tiro­le für die Ein­füh­rung von mehr Fle­xi­bi­li­tät bei unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen, um fran­zö­si­sche Unter­neh­men dazu zu bewe­gen, mehr Arbeit­neh­mer mit unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen ein­zu­stel­len und somit mit „bes­se­ren Jobs” und nicht mit unsi­che­ren, befris­te­ten Ver­trä­gen auf­zu­war­ten.

Das Arbeits­recht Frank­reichs umfasst mit allen Ergän­zun­gen inzwi­schen meh­re­re tau­send Sei­ten und ist von den Unter­neh­men kaum zu admi­nis­trie­ren. Ein Bei­spiel für die Skur­ri­li­tät der Vor­schrif­ten:

Vor Aus­spruch der Kün­di­gung muss der Arbeit­neh­mer zu einem Vor­ge­spräch ein­ge­la­den wer­den, in dem die­ser über die Absicht des Arbeit­ge­bers infor­miert wird, ihn zu kün­di­gen. In die­sem Vor­ge­spräch darf der Arbeit­ge­ber nicht den Ein­druck ver­mit­teln, den Ent­schluss zur Kün­di­gung bereits gefasst zu haben.

Fazit: wenn man es Unter­neh­men schwer macht, Arbeits­kräf­te zu kün­di­gen, stel­len sie erst gar kei­ne ein. Das Arbeits­recht in Frank­reich (gen­au wie in Spa­ni­en und Ita­li­en) ist Mit­ver­ur­sa­cher der hohen Arbeits­ko­sig­keit.

Geldpolitik und Fiskalpolitik

Michael Scherling am 22. August 2016

War­um schrei­be ich über 2 Begrif­fe, die lang­wei­lig klin­gen und in Volks­wirt­schafts­bü­chern gut auf­ge­ho­ben sind?

Ganz ein­fach: Jeder von Ihnen ist von bei­den Berei­chen betrof­fen.

Mit Geld­po­li­tik ist vor allem die Geld­men­ge und die Höhe der Zin­sen gemeint. Ver­ant­wort­li­ch sind die Zen­tral­ban­ken, die vor 2008 nie­mand bemerkt hat, die aber seit damals als Ret­ter der west­li­chen Welt her­hal­ten müs­sen. Die Zin­sen wur­den auf Null gesenkt, Ban­ken­hilfs­pro­gram­me auf­ge­legt und Staats­an­lei­hen gekauft.

Das Fazit nach 8 Jah­ren fällt posi­tiv aus: ein Nega­tiv­kreis­lauf wie in den 1930ern wur­de ver­hin­dert. Nun ist die Geld­po­li­tik aber am Ende. Wei­te­re Zins­sen­kun­gen sind kaum mög­li­ch, weil die Bür­ger son­st ins Bar­geld flie­hen wür­den. Öster­rei­chi­sche oder deut­sche Staats­an­lei­hen mit posi­ti­vem Ertrag gibt es kaum noch zu kau­fen.

Im Fall einer erneu­ten schwe­ren Kri­se kön­nen dies­mal auch die Zen­tral­ban­ken nicht mehr hel­fen.

Was tun?

Eine Idee, die unter Öko­no­men und Poli­ti­kern viel dis­ku­tiert wird, ist die Fis­kal­po­li­tik. Damit ist der­zeit weni­ger die Besteue­rung gemeint (wegen der bereits enor­men Steu­er­last ist ein Zusat­z­er­trag kaum mög­li­ch), son­dern Mehr­aus­ga­ben durch den Staat.

Inves­ti­tio­nen in Bil­dung, For­schung, Unter­neh­mens­grün­dun­gen und Infra­struk­tur schaf­fen nicht nur kurz­fris­tig Arbeits­plät­ze und höhe­res Wirt­schafts­wachs­tum, son­dern stei­gern den Wohl­stand auch lang­fris­tig. Weil die­ser Wer­te­zu­wachs ja auch wie­der besteu­ert wird, finan­zie­ren sich die Staats­aus­ga­ben von selbst.

Die­se Idee ist nicht nur theo­re­ti­sch fun­diert, son­dern auch in der Pra­xis erprobt.

Lei­der schei­tern sol­che Vor­ha­ben meis­tens an popu­lis­ti­schen Poli­ti­kern, die ande­re Inter­es­sen haben. Japa­ni­sche Poli­ti­ker lie­ßen Brü­cken auf öko­no­mi­sch irrele­van­te Inseln bau­en, um Wäh­ler­stim­men zu gewin­nen. Öster­rei­chi­sche Volks­ver­tre­ter erhöh­ten die Pend­ler­pau­scha­len und errich­ten sinn­lo­se Tun­nel aus dem­sel­ben Grund. Öko­no­mi­schen Nut­zen bringt das natür­li­ch nicht. Die Staats­ver­schul­dung steigt ohne dau­er­haf­ten Wohl­stands­zu­wachs.

Fazit: Ver­mut­li­ch noch in die­sem Jahr könn­ten die fis­kal­po­li­ti­schen Aus­ga­ben inter­na­tio­nal stei­gen. Das soll­te zu höhe­rem Wachs­tum (und zu höhe­ren Akti­en­kur­sen) füh­ren. Ob die rich­ti­gen Inves­ti­tio­nen getä­tigt wer­den oder die Poli­ti­ker Wäh­ler­stim­men­op­ti­mie­rung betrei­ben, ist aller­dings noch unklar…