Wird Gold im Jahr 2016 glänzen?

Michael Scherling am 6. January 2016

Men­schen ten­die­ren dazu, Trends der Ver­gan­gen­heit in die Zukunft fort­zu­schrei­ben. So glaub­ten vie­le nach einem Anstieg des Gold­prei­ses von 500 auf  1.900 Dol­lar pro Unze von 2006 bis 2011 an eine wei­te­re Stei­ge­rung auf 10.000 Dol­lar in weni­gen Jah­ren.

Gen­au das Gegen­teil pas­sier­te: weil zu vie­le Leu­te mit­spe­ku­liert hat­ten und kei­ne neue Nach­fra­ge mehr vor­han­den war, sank der Preis auf unter 1.100 Dol­lar. Eini­ge Käu­fer hat­ten sich von fal­sch dar­ge­stell­ten Zusam­men­hän­gen blen­den las­sen. So schützt Gold etwa wie schon 2011 und 2013 in die­sem Blog beschrie­ben, kei­nes­wegs vor Infla­ti­on.

Den­no­ch sind die Aus­sich­ten für 2016 nicht so schlecht:

Kaum jemand glaubt an stei­gen­de Gold­no­tie­run­gen. Anti­zy­kli­sche Inves­to­ren wis­sen dass das ein Hin­weis auf höhe­re Kur­se ist.

Noch viel wich­ti­ger ist aber Fol­gen­des:

Am stärks­ten ist der Gold­preis vom “Real­zins” abhän­gig. Ein Bei­spiel: Wenn der Spar­buch­zins 4% beträgt und die Infla­ti­on 2%, dann ist der Real­zins 2%. In einem sol­chen Sze­na­rio gibt es kaum Grün­de für Edel­me­tall­käu­fe, da die­se kei­nen lau­fen­den Ertrag brin­gen, das Spar­buch hin­ge­gen schon.

Hat man eine Idee, wie sich die­ser rea­le Zins ent­wi­ckelt, kann man auch eine Ten­denz beim Gold­preis erah­nen, weil gilt: höhe­rer Real­zins = tie­fe­rer Gold­preis und umge­kehrt.

Die aktu­el­le Situa­ti­on stellt sich etwa so dar: In den USA glau­ben alle an einen höhe­ren Real­zins, weil die Zen­tral­bank die Zin­sen erhöht und die Infla­ti­on nied­rig ange­nom­men wird. Bei­de Annah­men hal­te ich für fal­sch und damit auch die Idee fal­len­der Edel­me­tall­no­tie­run­gen.

Die Lage der ame­ri­ka­ni­schen Indus­trie ist nicht gut und auch son­st zeich­net sich ein Kon­junk­tur­ab­schwung ab. Am stärks­ten wach­sen noch die Dienst­leis­tun­gen und dabei die Anwalts­ho­no­ra­re. Ein nach­hal­ti­ges Wirt­schafts­wachs­tum zeich­net sich aber nicht dadurch aus, dass wir uns gegen­sei­tig immer mehr ver­kla­gen…

Fazit: Die US-Zen­tral­bank wird die Zin­sen weit weni­ger erhö­hen kön­nen als ange­nom­men wird, weil höhe­re Zin­sen die Wirt­schaft zu stark brem­sen wür­den.

Zur Infla­ti­on: die­se ist vor allem wegen des gesun­ke­nen Ölprei­ses so tief. Pro­zen­tu­ell kann die­ser aber gar nicht so stark wei­ter fal­len. Sta­bi­li­siert er sich nur, steigt die Teue­rungs­ra­te auto­ma­ti­sch.

Somit wird es aus mei­ner Sicht kei­nen stei­gen­den Real­zins geben — die stei­gen­de Infla­ti­on wird den nur wenig höhe­ren Zins­er­trag eli­mi­nie­ren. Dadurch wer­den Gol­din­vest­ments lukra­ti­ver.

Fazit: Glau­ben Sie kei­ner Gold­pro­gno­se, auch mei­ner nicht. Eine Vor­her­sag­bar­keit ist grund­sätz­li­ch nicht gege­ben. Den­no­ch ist es sinn­voll, die Zusam­men­hän­ge zu ken­nen, um sich nicht von Gerüch­ten und Medi­en­schlag­zei­len in die Irre füh­ren zu las­sen.

 

Bleibt der Ölpreis so tief?

Michael Scherling am 20. February 2015

Kaum jemand hat­te 2014 gedacht, dass der Ölpreis so stark fällt. Vie­le rech­nen aktu­ell damit, dass der Rück­gang nur vor­über­ge­hend ist. Aus ana­ly­ti­scher Sicht schaut es aber nicht so aus.

Im Wesent­li­chen war das “schwar­ze Gold” nur des­halb ein so knap­pes Gut, weil Chi­na den Ver­brauch jedes Jahr deut­li­ch erhöh­te. Durch die Umori­en­tie­rung der Chi­ne­sen auf weni­ger Bau- und Infra­struk­tur­maß­nah­men und ver­stärk­te För­de­rung des inlän­di­schen Kon­sums sin­ken die Zuwachs­ra­ten. Auch in Zukunft wird Chi­na weni­ger stark wach­sen und damit eben­so der Ölver­brauch.

Zusätz­li­ch ver­braucht Euro­pa immer gerin­ge­re Men­gen an Öl, da die Wirt­schaft kaum wächst und Ener­gie­spar­maß­nah­men wir­ken.

Aber nicht nur die Nach­fra­ge steigt weni­ger stark, auch das Ange­bot ist weni­ger knapp als noch vor weni­gen Jah­ren. Durch neue För­der­me­tho­den in den USA sind die Ame­ri­ka­ner in kür­zes­ter Zeit zum größ­ten Ölpro­du­zen­ten der Welt gewor­den.

Die Sau­dis hät­ten ger­ne höhe­re Prei­se und hof­fen, dass vie­le Pro­du­zen­ten in Nord­ame­ri­ka durch die tie­fen Ölno­tie­run­gen in Kon­kurs gehen. Damit könn­ten die Notie­run­gen für Öl wie­der stei­gen.

Selbst­ver­ständ­li­ch wer­den eini­ge För­de­rer in die Plei­te getrie­ben und ein­zel­ne Bohr­lö­cher geschlos­sen.

Aber: Schät­zun­gen aus der Bran­che sagen, dass bei Prei­sen von 50 – 70 Dol­lar die US-Schie­fe­röl­in­dus­trie immer noch pro­fi­ta­bel arbei­ten kann. Sobald die­se Gren­ze über­schrit­ten wird, kön­nen sehr schnell neue Bohr­lö­cher akti­viert wer­den. Dadurch steigt das Ange­bot und der Preis fällt wie­der.

Fazit: Aus der­zei­ti­ger Sicht wer­den wir noch lan­ge so güns­tig wie jetzt tan­ken. Spe­zi­ell Euro­pa und Asi­en als gro­ße Net­to­im­por­teu­re von Öl wer­den öko­no­mi­sch davon pro­fi­tie­ren!

 

Kommt jetzt doch die Rezession?

Michael Scherling am 5. November 2014

Kaum hat­ten wir uns an eine Art von wirt­schaft­li­cher “Nor­ma­li­sie­rung” im ers­ten Halb­jahr die­ses Jah­res gewöhnt, sind die Medi­en-Schlag­zei­len schon wie­der voll von Befürch­tun­gen zu Rezes­si­on, Defla­ti­on und Kri­sen ganz gene­rell.

Was ist davon zu hal­ten?

Nun, wahr ist natür­li­ch dass in vie­len Berei­chen nichts wei­ter­ge­gan­gen ist: Die fran­zö­si­schen Poli­ti­ker häu­fen wei­ter Schul­den an und refor­mie­ren nicht, die deut­schen freu­en sich, dass die Ren­te mit 63 (statt 67) bei den kurz­sich­ti­gen Wäh­lern so gut ankommt (obwohl bereits Fach­kräf­te feh­len und die Deut­schen die schlech­tes­ten demo­gra­fi­schen Vor­aus­set­zun­gen Euro­pas haben)  und in Öster­reich wur­de wie­der ein­mal fest­ge­stellt dass ein Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem mit 22 unter­schied­li­chen Vari­an­ten ide­al ist (die Herr­schaf­ten soll­te ein­mal jemand fra­gen ob sie bei Neu­ein­füh­rung einer Sozi­al­ver­si­che­rung auch 22 For­men schaf­fen wür­den).

Eini­ge öko­no­mi­sche Daten zeu­gen zusätz­li­ch von einer rück­läu­fi­gen Dyna­mik (Ein­kaufs­ma­na­ger­index etc.). Man­che Bör­sen haben 10 – 15% ver­lo­ren (der Gross­teil ist aller­dings schon wie­der auf­ge­holt).

Über­se­hen wird dabei Fol­gen­des:

1. Medi­en leben von Nega­tiv­schlag­zei­len (Nega­ti­ves wird ja von unse­rem Hirn 3 mal so stark wahr­ge­nom­men wie Posi­ti­ves). Über­trei­bun­gen sind also sys­tem­be­dingt.

2. Der Ölpreis ist um rund 25% gesun­ken

3. Die Zin­sen sind wei­ter rekord­tief

Span­nend ist die his­to­ri­sche Betrach­tung der letz­ten bei­den Punk­te: Rezes­sio­nen wur­den in der Ver­gan­gen­heit so gut wie immer ent­we­der von stei­gen­den Zin­sen (zur Infla­ti­ons­be­kämp­fung von den Zen­tral­ban­ken gewollt) oder durch stark stei­gen­de Ölpreise/Rohstoffpreise aus­ge­löst (2008: Ölpreis 140$ im Ver­gleich zu 80$ der­zeit).

Wir haben im Moment eine Kom­bi­na­ti­on von Nied­rigst-Zin­sen und sehr tie­fen Roh­stoff­prei­sen. Die­se Kon­stel­la­ti­on macht einen wirk­li­chen Wirt­schafts­ein­bruch fast unmög­li­ch.

Fazit: Genie­ßen Sie den Herbst und fürch­ten Sie sich nicht vor einer Rezes­si­on!

 

 

Gold!

Michael Scherling am 26. July 2013

Nach­dem ich den Arti­kel zum The­ma Gold im Febru­ar 2011 ver­öf­fent­licht hat­te (http://www.deroekonom.at/2011/02/wie-lange-steigt-der-goldpreis-noch/), wur­de ich von Fans des gel­ben Metalls viel­fach kri­ti­siert.

Bei einem Vor­trag kurz dar­auf erklär­te ich anhand einer Folie mit der Ent­wick­lung des Gold­prei­ses der letz­ten 100 Jah­re, dass Gold defi­ni­tiv kein Infla­ti­ons­schutz ist (25 Jah­re lang Preis­ver­fall bei gleich­zei­tig hoher Infla­ti­on!). Damit erzeug­te ich bei meh­re­ren Teil­neh­mern der­art star­ke kogni­ti­ve Dis­so­nan­zen, dass sie ver­such­ten, den Rest des Vor­tra­ges zu stö­ren. Im Publi­kum waren nur Aka­de­mi­ker…

Seit Sep­tem­ber 2011 ist der Preis nun von 1.900 auf ein Tief von 1.200 (Juni) gefal­len, also fast minus 40%.

Was ist nun wirk­li­ch los mit dem glän­zen­den Edel­me­tall?

Klar ist, dass der Gold­preis nur wegen der welt­weit akti­ven Spe­ku­lan­ten bis auf 1.900 gestie­gen ist. Die gro­ßen Käu­fer von Gold waren Invest­ment­ban­ken und Hedge Funds. Gera­de die Men­schen, die ihre Wert­pa­pie­re im Glau­ben ver­kauft hat­ten, der “bösen Finanz­in­dus­trie” zu ent­kom­men, wur­den somit selbst akti­ve Teil­neh­mer einer rie­si­gen Spe­ku­la­ti­ons­bla­se.

Es gibt näm­li­ch 2 Arten von Gold­käu­fern:

1. Lang­fristan­le­ger: dar­un­ter fal­len nicht nur vie­le pri­va­te Gold-Fans, son­dern auch eini­ge wich­ti­ge Zen­tral­ban­ken wie etwa die aus Chi­na.

2. Spe­ku­lan­ten: nicht nur die Invest­ment­ban­ken und die ande­ren übli­chen Ver­däch­ti­gen sind hier zu erwäh­nen, son­dern vie­le ande­re (auch Pri­vat­an­le­ger), die auf immer stei­gen­de Prei­se gehofft und viel Geld in Wert­pa­pie­re mit phy­si­sch hin­ter­leg­tem Gold inves­tiert hat­ten.

Die zwei­te Grup­pe hat nun (zum Teil panik­ar­tig) Bestän­de ver­kauft und so den Preis nach unten getrie­ben. Der Grund dafür ist nicht, dass alle Kri­sen vor­bei sind, son­dern gen­au der, den ich 2011 beschrie­ben hat­te: die Anlei­he­zin­sen sind gestie­gen und die Infla­ti­on zurück­ge­gan­gen. Dadurch loh­nen sich ande­re (im Gegen­satz zu Gold zins­brin­gen­de) Anla­gen wie­der etwas mehr (stei­gen­der Real­zins).

Der ein­fa­che ökon­im­sche Zusam­men­hang: Bei flo­rie­ren­der Wirt­schaft wer­den die Zin­sen erhöht, um nicht einen durch Nied­rig­zin­sen ver­ur­sach­ten Kre­dit­boom aus­zu­lö­sen. Die Aus­sich­ten auf stär­ke­res Wirt­schafts­wachs­tum in den USA (sie­he Arti­kel vom Juni) haben die Erwar­tun­gen auf höhe­re Spar­buch­zin­sen ver­stärkt und Gold unin­ter­es­san­ter gemacht.

Wie wird es nun wei­ter­ge­hen?

Nie­mand weiß gen­au, wo der Gold­preis sein Tief fin­den wird oder ob er es schon gefun­den hat. Auf Sicht von meh­re­ren Jah­ren sind die Aus­sich­ten aber nach die­ser Sta­bi­li­sie­rungs­pha­se nicht so schlecht.

Eini­ge Argu­men­te für stei­gen­de Notie­run­gen bestehen wei­ter:

1. Die ers­te Grup­pe der Lang­fristan­le­ger kauft wei­ter­hin Gold und freut sich über nied­ri­ge Prei­se.

2. Das meis­te Edel­me­tall ist nun nicht mehr in “zitt­ri­gen Hän­den” der Spe­ku­lan­ten, son­dern in Tre­so­ren der wirk­li­chen Gold-Fans, die grund­sätz­li­ch nicht ver­kau­fen, so lan­ge sie genug zu Essen haben.

3. Die Schul­den­kri­se ist noch lan­ge nicht vor­bei: Japan wird noch implo­die­ren und sowohl USA als auch Euro­pa müs­sen über vie­le Jah­re Schul­den abbau­en, was immer wie­der für Unru­he sor­gen wird.

Fazit: Über­ra­schung: ich hal­te es für sinn­voll, zum aktu­el­les Preis etwa 5% des Ver­mö­gens in Gold zu inves­tie­ren. Es gibt aller­dings auch 2 tol­le deut­sche Ver­mö­gens­ver­wal­ter, die Gold­be­stän­de hal­ten, gleich­zei­tig aber für eine brei­te Streu­ung und mehr Sicher­heit sor­gen und schnel­ler auf neue Ereig­nis­se reagie­ren kön­nen. Wer einen guten Bera­ter zu die­sem The­ma sucht, ich ken­ne meh­re­re — bit­te kur­ze Mail an michael.scherling@deroekonom.at

 

Die bösen Spekulanten?

Michael Scherling am 1. February 2013

Seit der Finanz­kri­se sind nicht mehr nur links­ra­di­ka­le Grup­pen son­dern eine brei­te Mehr­heit der Bevöl­ke­rung nicht gut auf Spe­ku­lan­ten zu spre­chen. Ist das gerecht­fer­tigt?

Zunächst gehen wir am bes­ten einen Schritt zurück: Tref­fen sich ein Bau­er und ein Bäcker. Kein Witz, son­dern der Beginn der Erklä­rung des Ent­ste­hens von “Spe­ku­la­ti­on”. Den Land­wirt kos­tet die Pro­duk­ti­on von 10 Ton­nen Getrei­de z.B. 10.000 Euro (Was­ser, Dün­ger­mit­tel, Saat­gut etc.). Die Prei­se, die er bei der Ern­te erzie­len kann, schwan­ken aber. Wenn er Pech hat, bekommt er nur 9.000 Euro, im Glücks­fall 15.000 Euro. Der Bau­er fin­det das nicht lus­tig, weil er ja sei­ne Fami­lie ernäh­ren möch­te und sta­bi­le Ein­nah­men braucht. Ihm wäre gehol­fen, wenn ihm jemand fix 12.000 Euro zahlt.

Der Bäcker mag auch kei­ne Schwan­kun­gen beim Getrei­de­preis, weil sich die Kun­den beschwe­ren wenn er die Sem­mel­prei­se des­halb erhöht.

Also tref­fen sich die bei­den und ver­ein­ba­ren schon ein hal­bes Jahr vor der Ern­te einen Fix­preis von 12.000 Euro. Alle sind glück­li­ch. Damit sicher­ge­stellt wer­den kann, daß jeder Bau­er immer einen Bäcker fin­det, gibt es Bör­sen, an denen Wei­zen-Futures gehan­delt wer­den. Das hat nichts mit Spe­ku­la­ti­on zu tun, son­dern mehr mit Absi­che­rung.

Natür­li­ch kann man die­se Futures und ähn­li­che Finanz­in­stru­men­te auch han­deln, ohne Bau­er zu sein. Ist man des­halb böse?

Grund­sätz­li­ch nein, denn je mehr Händ­ler es gibt, desto bes­ser und viel­fäl­ti­ger sind die Mög­lich­kei­ten für Bau­er und Bäcker. Wenn aller­dings Nah­rungs­mit­tel­prei­se durch die Markt­teil­neh­mer künst­li­ch in die Höhe getrie­ben wür­den, wäre das für vie­le Men­schen eine Kata­stro­phe und müss­te ver­hin­dert wer­den. Dies­be­züg­li­che wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en kom­men aber zu kei­nem ein­deu­ti­gen Ergeb­nis, ein nega­ti­ver Effekt ist nicht klar beweis­bar.

Ein Ver­bot von Spe­ku­la­ti­on ist in einer glo­ba­li­sier­ten Welt aber ohne­hin nicht mög­li­ch und hät­te auch min­des­tens so vie­le nega­ti­ve Effek­te wie posi­ti­ve.

Trotz­dem gilt für Pri­vat­an­le­ger: Hän­de weg von Roh­stoff­an­la­gen. Ers­tens weil die Fol­gen nicht klar sind und zwei­tens weil Roh­stoff­an­la­gen his­to­ri­sch nur den glei­chen Ertrag wie Staats­an­lei­hen brin­gen, aber viel mehr schwan­ken und damit viel ris­kan­ter sind.

Fazit: Wer behaup­tet, dass Spe­ku­la­ti­on böse ist, hat den Hin­ter­grund nicht ver­stan­den. Trotz­dem soll­ten Sie kein Geld in Roh­stoff­an­la­gen inves­tie­ren.

Der Ölpreis!

Michael Scherling am 11. April 2012

Der Anstieg des Ölpreises ist nicht zu übersehen: Nicht nur an den Tankstellen werden wir täglich verschreckt, auch die Medien greifen sehr gerne dieses “Schockthema” auf, das immer für Schlagzeilen gut ist und damit Geld bringt.

Tat­säch­li­ch machen die Aus­ga­ben für Ben­zin und Die­sel aber nur weni­ge Pro­zent­punk­te an den Gesamt­aus­ga­ben der Öster­rei­cher aus. Wenn man die Pend­ler aus­nimmt, wird die­ses The­ma aus die­ser Sicht also eher über­schätzt.

Also Entwarnung? Leider nein.

Schon die bei­den Ölkri­sen vor rund 30 Jah­ren haben gezeigt, daß stark stei­gen­de Prei­se die Wirt­schaft in eine Rezes­si­on stür­zen kön­nen. War­um? Zuer­st lei­det das Trans­port­ge­wer­be, dann auch alle ande­ren Fir­men, die die gestie­ge­nen Prei­se nicht in Form von höhe­ren Pro­dukt­prei­sen wei­ter­ge­ben kön­nen (z.B. wegen lang­fris­ti­ger Ver­trä­ge oder weil die Kon­kur­renz­si­tua­ti­on kei­ne Erhö­hung zulässt). In der Fol­ge kommt es zu Kon­kur­sen und Ent­las­sun­gen. Damit steigt die Arbeits­lo­sen­ra­te, die Bevöl­ke­rung kann wie­der­um weni­ger kon­su­mie­ren, was die Wirt­schaft wei­ter bremst und in eine Rezes­si­on stür­zen kann.

Glück­li­cher­wei­se hat sich seit­her die “Ener­gie­in­ten­si­tät” stark redu­ziert. Stei­gen­de Ölprei­se wir­ken sich bei wei­tem nicht mehr so hef­tig aus. In fra­gi­len öko­no­mi­schen Situa­tio­nen wie der­zeit kön­nen die Aus­wir­kun­gen den­no­ch fatal sein:

Die hohen Ölprei­se waren nicht Ursa­che, aber Mit-Aus­lö­ser der Finanz­kri­se von 2008. Auch 2010 und 2011 spitz­ten sich die Kri­sen zu, als die Notie­run­gen Höchst­stän­de erreich­ten. War­um? Wenn die Kon­su­men­ten wegen hoher Kre­dit­ra­ten und sta­gnie­ren­der Löh­ne knapp bei Kas­se sind, bringt ein stark stei­gen­der Ölpreis das Fass zum Über­lau­fen.

Zusätz­li­ch hän­gen gan­ze Staa­ten vom schwar­zen Gold ab: In den Ach­zi­ger­jah­ren wur­de halb Latein­ame­ri­ka zah­lungs­un­fä­hig und 1998 Russ­land, als ein Fass Öl nur 10$ kos­te­te. Nun ist es umge­kehrt: die ölim­por­tie­ren­den Län­der gehen in Kon­kurs, der Scho­ck in der Leis­tungs­bi­lanz führt zu Schul­den- und Ban­ken­kri­sen.

Ab wann müssen wir uns aktuell Sorgen machen?

Ein wei­te­rer Anstieg um rund 10% dürf­te die Schmerz­gren­ze über­schrei­ten und eini­ge Staa­ten in Bedräng­nis brin­gen.

Was könn­te der Aus­lö­ser sein? Nach­dem in USA, Japan und Euro­pa der Ver­brauch sinkt, ist zusätz­li­che Nach­fra­ge ver­mut­li­ch auf kur­ze Frist nicht der Grund. Pro­ble­ma­ti­sch ist aber die Ange­bots­sei­te, vor allem durch den Iran-Kon­flikt.

Span­nend wird jeden­fall zu sehen, wie mäch­tig ein US-Prä­si­dent wirk­li­ch ist: Oba­ma weiss daß sei­ne Wie­der­wahl auch vom Ölpreis abhängt, er wird daher alles in Bewe­gung set­zen, um die Prei­se bis Herbst sin­ken zu las­sen. Ein Angriff Isra­els auf den Iran scheint in die­sem Zusam­men­hang unwahr­schein­li­ch.

Fazit: Steigt der Ölpreis noch­mal 10%, lei­det die Welt­wirt­schaft und die Euro­kri­se könn­te sich wie­der ver­schär­fen. Die aktu­ell nied­ri­ge Nach­fra­ge spricht aber nicht dafür.

Der August-Crash

Michael Scherling am 29. August 2011

Von Sommerflaute kann in diesem Jahr in ökonomischer Hinsicht nicht die Rede sein. Was hat sich getan?
  1. Bör­sen­ein­bruch: Vie­le Bör­sen (wie auch die deut­sche und öster­rei­chi­sche) sind um 20 – 25% ein­ge­bro­chen, was wirk­li­ch erstaun­li­ch ist: wenn Sie in den Super­markt gehen, wer­den Sie kaum Arti­kel fin­den, die bil­li­ger sind als vor 10 Jah­ren. Die welt­weit füh­ren­den Unter­neh­men aus Deutsch­land hin­ge­gen sind um 30% bil­li­ger als 2001 oder auch als 2007. Zusätz­li­ch sind die Gewin­ne die­ser Fir­men inzwi­schen viel höher als damals und die Aus­sich­ten wun­der­bar, weil gen­au das her­ge­stellt wird, was die auf­stre­ben­den Län­der die­ser Welt brau­chen.
    Lus­tig ist auch das Inves­to­ren­ver­hal­ten bei Immo­bi­li­en: Für Woh­nun­gen wer­den 20% mehr bezahlt als vor kur­zer Zeit. Ande­re Immo­bi­li­en­ver­an­la­gun­gen hin­ge­gen fin­den sogar mit 30% Abschlag zum Immo­bi­li­en­wert kaum Käu­fer. Das gilt auch für Wohn­im­mo­bi­li­en-Invest­ments, die sogar weni­ger ris­kant sind als Ein­zel­woh­nun­gen, weil das Risi­ko auf vie­le Objek­te gestreut ist.
  2. Wäh­rungs­tur­bu­len­zen: Spe­zi­ell der Schwei­zer Fran­ken erreich­te als “siche­rer Hafen” neue Rekord­stän­de. An die­ser Stel­le ein spe­zi­el­ler Dank an die Finanz­markt­auf­sicht: Bei einem Kurs von 1,67 wur­den Fremd­wäh­rungs­fi­nan­zie­run­gen zuge­las­sen. Aktu­ell könn­te man um mehr als 40% güns­ti­ger ein­stei­gen, was die FMA uns aber ver­bie­tet. Tol­le Leis­tung, bra­vo.
    Ein klei­ner Trost für Fremd­wäh­rungs­kre­dit­neh­mer: Ohne Finanzkrise/Staatsschuldenkrise wür­den Sie in Fran­ken rund 4 – 5% Zin­sen zah­len, also 3% p.a. mehr als jetzt. Geht das ins­ge­samt 10 Jah­re lang so wei­ter (3 Jah­re haben wir ja schon), erspa­ren Sie sich 30% des Kre­dits, die Sie den Kurs­ver­lus­ten gegen­rech­nen kön­nen. Wich­tig ist, daß Sie die Zins­er­spar­nis zur Sei­te legen und nicht “ver­kon­su­mie­ren”.
  3. Gold­preis­an­stieg: Bereits Anfang des Jah­res hat­te ich geschrie­ben, daß der Gold­preis erst fällt, wenn die Real­zin­sen stei­gen. Nach­dem die US-Zen­tral­bank jetzt kom­mu­ni­ziert hat, daß die Zin­sen für wei­te­re 2 Jah­re bei Null blei­ben, wird wohl auch der Gold­preis nicht so bald fal­len. Wie weit er noch steigt, wird nur von Spe­ku­lan­ten bestimmt. Als “Nicht-Spe­ku­lant” kann ich Ihnen also lei­der kei­ne Pro­gno­se bie­ten.
    Span­nend ist, daß Gold ja schon sehr stark gestie­gen ist, Gold­mi­nen­ak­ti­en hin­ge­gen nicht, obwohl sich bei­des jahr­zehn­te­lang aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den sehr ähn­li­ch ent­wi­ckelt hat. Die Unter­be­wer­tung der gold­pro­du­zie­ren­den Unter­neh­men liegt bei etwa 30%.

Fazit: Die mensch­li­che Psy­che ist def­in­tiv nicht dafür geeig­net, gewinn­brin­gen­de Ver­an­la­gun­gen zu wäh­len. Men­schen, die die­se Zusam­men­hän­ge ver­ste­hen, fin­den aktu­ell so gross­ar­ti­ge Anla­ge­mög­lich­kei­ten wie schon lan­ge nicht mehr. Ein paar Jah­re Geduld muss man aller­dings mit­brin­gen.

Wie lange steigt der Goldpreis noch?

Michael Scherling am 20. February 2011

Ausnahmsweise kommt die Antwort gleich zu Beginn, weil sie nur 8 Worte lang ist: So lange, bis der Realzins deutlich positiv ist!

Nach­dem die­ser Satz nicht selbst­er­klä­rend ist, hier die Details: Wenn in den USA und Euro­pa der Spar­buch­zins bei 1% liegt, die Infla­ti­ons­ra­te aber bei 2%, wird das Geld „real“ immer weni­ger wert. Die Suche nach Alter­na­ti­ven ist also sinn­voll.

Was Men­schen am wenigs­ten mögen, ist Unsi­cher­heit. Gen­au die ist aktu­ell so hoch wie sel­ten zuvor. Gold scheint daher den Men­schen als eine seit Jahr­tau­sen­den exis­tie­ren­de Anla­ge inter­es­sant zu sein, weil im Gegen­satz zu Immo­bi­li­en, Akti­en und Anlei­hen wenig Unsi­cher­heit damit ver­bun­den sei.

Wird die Unsi­cher­heit auf Jahr­zehn­te wei­ter bestehen? Um dar­auf eine Ant­wort zu fin­den, muss man die Kre­dit­kri­sen der letz­ten 100 Jah­re ana­ly­sie­ren: Im Schnitt dau­er­te eine Kre­dit­kri­se 7 Jah­re. Bei einen ange­nom­men Beginn im Jahr 2007 hät­ten wir also noch 3 Jah­re vor uns, in denen auch der Gold­preis wei­ter stei­gen könn­te.

Irgendwann geht jede Krise zu Ende, auch diese. Was passiert dann?

Die Zen­tral­ban­ken erhö­hen die Zin­sen auf ein Niveau über der Infla­ti­ons­ra­te. Fazit: Wir bekom­men z.B. 4% Spar­buch­zins bei z.B. 2% Infla­ti­on, also einen hohen rea­len Zins. Zusätz­li­ch nimmt die Unsi­cher­heit ab, weil die Kre­dit­kri­se ja vor­bei ist. War­um soll­te dann noch jemand Gold kau­fen?

Was dage­gen spricht:

  • Gold notiert in Dol­lar, das Wäh­rungs­ri­si­ko ist also enorm
  • Gold wirft kei­nen Zins ab, son­dern ver­ur­sacht Kos­ten beim Ankauf und der Lage­rung
  • Der Gold­preis ist poli­ti­sch von Zen­tral­ban­ken beein­flusst und von Spe­ku­lan­ten getrie­ben
  • Gold ist kein ethi­sches Invest­ment: durch die Gif­te, die zum Her­aus­bren­nen aus dem Gestein nötig sind, wird die Umwelt im Umkreis der Minen auf Jah­re hin­aus ver­gif­tet. Nur damit das Edel­me­tall ohne pro­duk­ti­ve Ver­wen­dung in Safes her­um­liegt …

Fazit: Noch kön­nen Sie spe­ku­la­ti­ve Gewin­ne mit Gold machen, aber das Risi­ko wird immer höher oder wie der welt­be­kann­te Investor Geor­ge Soros sagt: “Gold ist die ulti­ma­ti­ve Spe­ku­la­ti­ons­bla­se, aber ich bin dabei!”

Ist es sinnvoll, in Rohstoffe zu investieren?

Michael Scherling am 15. January 2011

2007 waren die Zeitungsartikel voll von Empfehlungen für Rohstoffinvestments und seit Mitte 2010 wiederholt sich dieser Effekt. Wie immer berichten die Medien von den Investments, die am stärksten gestiegen (oder gefallen) sind.

Was sind die wesent­lichs­ten Argu­men­te für die­se Ver­an­la­gungs­art?

  1. Roh­stof­fe sind Sach­wer­te und schüt­zen vor Infla­ti­on
  2. Roh­stof­fe ent­wick­len sich nicht wie ande­re Anla­ge­klas­sen (Akti­en, Anlei­hen) und ver­bes­sern daher die Streu­ung
  3. Roh­stof­fe wer­den wei­ter im Preis stei­gen, weil die Welt­be­völ­ke­rung wächst und der Wohl­stands­ge­winn v.a. in Asi­en enor­me Men­gen an Roh­stof­fen benö­tigt

Tat­säch­li­ch ist die Lage so:

  • 5% der Erd­krus­te besteht aus Eisen, ein Man­gel ist nicht erkenn­bar. Durch neue Tech­no­lo­gi­en ist Gas in Unmen­gen ver­füg­bar, die USA sind inzwi­schen wie­der Selbst­ver­sor­ger. Gas und Erz sind aber durch­aus pro­mi­nent in Roh­stoff­in­di­ces ver­tre­ten.
  • Breit gestreu­te Akti­en­fonds inves­tie­ren ohne­hin bis zu 50% in Roh­stoff­ak­ti­en, eine noch stär­ke­re Gewich­tung ist nur für Spe­ku­lan­ten emp­feh­lens­wert.
  • Roh­stof­fe wer­fen kei­ne Zin­sen ab, im Gegen­teil: es ent­ste­hen erheb­li­che Spe­sen.
  • In den letz­ten 50 Jah­ren waren die Erträ­ge der Roh­stoff­in­vest­ments nur so hoch wie die von Anlei­hen, aber mit viel höhe­ren Schwan­kun­gen (also Risi­ko).
  • Wirk­li­ch erstaunt bin ich, wenn ich in Fach­me­di­en immer noch das Argu­ment der Streu­ung (2. oben) lese: Im Jahr 2008 sind Roh­stof­fe genauso stark gefal­len wie Akti­en, ein Schutz des Port­fo­li­os durch “Diver­si­fi­ka­ti­on” war nicht gege­ben.
  • Unter ethi­schen Gesichts­punk­ten haben OECD und Welt­bank eine gemein­sa­me Ansicht: Nicht die bösen Spe­ku­lan­ten sind schuld an über­schies­sen­den Nah­rungs­mit­tel­prei­sen. Sie spie­len sogar eine posi­ti­ve Rol­le, weil Erzeu­ger ihre Ware vor der Ern­te zu fixen Prei­sen ver­kau­fen möch­ten. Ohne Spe­ku­lan­ten (z.B. Hedge­fonds) geht das nicht.
  • Die Welt­bank sieht aller­dings uns Pri­vat­an­le­ger als die wirk­li­ch “Bösen” an, weil durch unse­re Invest­ments zu viel Geld in die engen Märk­te drängt. Dadurch stei­gen die Prei­se.
    Der Gedan­ke, daß auch nur ein Men­sch ver­hun­gern muss, weil ich Geld in Grund­nah­rungs­mit­tel inves­tie­re, ist mir uner­träg­li­ch.

Fazit: Es gibt vie­le tol­le Invest­ments, Roh­stoff­ver­an­la­gun­gen gehö­ren nicht dazu!