Vollgeld oder Fake-Geld?

Michael Scherling am 12. June 2017

Über 100.000 Schwei­zer Bür­ger sind so unzu­frie­den mit dem aktu­el­len Geld-Sys­tem, dass sie vor Kur­zem die “Voll­geld-Initia­ti­ve” in der Schweiz unter­schrie­ben. Das obwohl der Fran­ken ja als die sicher­s­te Wäh­rung der Welt gilt. Ist unser Euro also sowie­so nur „Fake-Geld“?

Im Wesent­li­chen geht es bei der Dis­kus­si­on dar­um, wie Geld ver­mehrt wird.

Man könn­te anneh­men, dass Ban­ken im Rah­men einer Kre­dit­ver­ga­be nur die Spar-Ein­la­gen ihrer Kun­den ver­lei­hen. Tun sie aber nicht! Sie schaf­fen auf Knopf­druck neu­es Geld, indem sie es dem Kun­den­kon­to gut­schrei­ben. Eine belie­bi­ge Ver­meh­rung ist also mög­li­ch!

Auch die Zen­tral­ban­ken bestä­ti­gen die­se Sicht. Unse­re Ban­ken haben also enor­men Ein­fluss auf die Men­ge des ver­füg­ba­ren Gel­d­es. Die Ver­tre­ter der „Öster­rei­chi­schen Schu­le der Natio­nal­öko­no­mie“ ver­wie­sen schon vor 100 Jah­ren dar­auf, dass die­ser Zusam­men­hang der Haupt­aus­lö­ser für Finanz­kri­sen ist. Ohne die fast unkon­trol­lier­te Kre­dit­ver­ga­be wäre eine Immo­bi­li­en­preis­bla­se in USA und Spa­ni­en erst gar nicht ent­stan­den und damit die Ursa­che für die Finanz­kri­se 2008 (gen­au wie 1929) ver­schwun­den.

Eine sinn­vol­le Idee müss­te also sein, dass Ban­ken 100% der Kre­di­te als Spar-Ein­la­gen hal­ten müs­sen (=Voll­geld).

Aber: Kre­dit­in­sti­tu­te haben eine enorm wich­ti­ge Funk­ti­on: sie ver­ge­ben lang­fris­ti­ge Geld­er (z.B. Haus­kre­di­te) und neh­men als Ein­la­ge kurz­fris­ti­ge Geld­er an (Spar­bü­cher, Kon­ten). Die­se „Fris­ten­trans­for­ma­ti­on“ ist die wich­tigs­te volks­wirt­schaft­li­che Funk­ti­on der Ban­ken.

In einem Voll­geld­sys­tem müss­ten vie­le Spar­bü­cher auf 20 Jah­re gebun­den wer­den, um einen Haus­kre­dit ver­ge­ben zu kön­nen. Das ist in der Pra­xis unmög­li­ch.

Fazit: vie­le Din­ge sind nicht per­fekt, aber solan­ge kei­ne Ide­al-Lösung in Sicht ist, ist es ist wohl bes­ser, das bestehen­de Geld-Sys­tem bes­ser zu machen, als eine radi­ka­le Ver­än­de­rung mit vie­len Risi­ken und Nach­tei­len in Kauf zu neh­men.

Ein wirklicher Experte

Michael Scherling am 17. June 2016

Ges­tern hat­te ich die für einen Öko­no­men wie mich wun­der­ba­re Gele­gen­heit auf einen wirk­li­chen Exper­ten in Sachen Geld zu tref­fen:

Dr. Phil­ipp Hil­de­brand — er war Prä­si­dent der Schwei­zer Natio­nal­bank bis 2012

Sei­ne Sicht der Din­ge ist auch des­halb so inter­es­sant, weil er nun sehr viel offe­ner spre­chen kann als in sei­ner alten Posi­ti­on. Er hat die Schweiz durch die Finanz­kri­se 2008 gesteu­ert und war für die Ein­füh­rung des Min­dest­kur­ses von 1,2 Fran­ken zum Euro ver­ant­wort­li­ch.

Hier eini­ge sei­ner Aus­sa­gen:

  • Ohne Ein­grei­fen der Zen­tral­ban­ken wäre die Finanz­kri­se um ein Viel­fa­ches schlim­mer aus­ge­fal­len. Ich ver­mu­te, dass kaum eine Bank über­lebt hät­te und auch die Sicher­heit von Spar­bü­chern gefähr­det gewe­sen wäre. Er mein­te, dass die Men­schen unend­li­ch dank­bar wären, wenn sie wüss­ten was ohne die Aktio­nen der Noten­ban­ken pas­sie­ren hät­te kön­nen.
  • In den USA gin­gen zwar rund 140 klei­ne Ban­ken in Kon­kurs, alle gro­ße Ban­ken wur­den aber zwangs­wei­se reka­pi­ta­li­siert und ste­hen der­zeit schon wie­der auf sehr star­ken Bei­nen. In Euro­pa trau­ten sich die Poli­ti­ker nicht, sol­che Men­gen an Geld bereit zu stel­len. Aus die­sem Grund ist der Ban­ken­sek­tor immer noch nicht saniert und kann nicht aus­rei­chend Kre­di­te an die Unter­neh­men ver­ge­ben. Das brem­se die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung mas­siv.
  • Span­nen­des zum The­ma Refor­men: Das spa­ni­sche Arbeits­recht stamm­te aus der Zeit der Dik­ta­tur Fran­kos (der es von Mus­so­li­ni über­nom­men hat­te). Es war für die hohe Arbeits­lo­sig­keit ver­ant­wort­li­ch, weil es unmög­li­ch war, jeman­den zu ent­las­sen. Die Fol­ge davon: es wur­de gleich gar nie­mand ein­ge­stellt. Nur weil Spa­ni­en durch die Finanz­kri­se zah­lungs­un­fä­hig wur­de und die EU-Part­ner und der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds es ver­lang­ten, kam es zu einer Reform. Seit­her sinkt die Arbeits­lo­sig­keit ohne Unter­bre­chung. Wie schon Albert Ein­stein sag­te: “Es ist die Kri­se selbst, die den Fort­schritt bringt”
  • Dr. Hil­de­brand warnt davor, Ver­gan­gen­heits­ent­wick­lun­gen in die Zukunft zu extra­po­lie­ren. Nur weil es meh­re­re Jah­re mit wenig Wachs­tum und Null­zin­sen gege­ben hat, müss­te das nicht immer so wei­ter­ge­hen. Spe­zi­ell in den USA sieht er 2017/2018 höhe­res Wachs­tum, höhe­re Infla­ti­on und auch höhe­re Zin­sen. Auf mei­ne Fra­ge, wie es in Euro­pa mög­li­ch sein soll, bei einer sta­gnie­ren­den Bevöl­ke­rung Wachs­tum zu erzeu­gen, mein­te er dass eine stär­ke­re Ein­be­zie­hung von Älte­ren und Frau­en die Erwerbs­be­völ­ke­rung stei­gern könn­te. Refor­men und Inves­ti­tio­nen in Bil­dung ver­stärk­ten die­sen Effekt. Flücht­lin­ge wür­den dabei auf vie­le Jah­re nicht hel­fen.
  • Schreck­li­ch schaut es aus sei­ner Sicht in Frank­reich aus, das demo­gra­fi­sch eigent­li­ch die bes­te Situa­ti­on hät­te (höchs­te Gebur­ten­ra­te). Hier war die Kri­se nicht schlimm genug, um im Sin­ne Ein­steins zu sinn­vol­len Refor­men zu füh­ren. Seit 10 Jah­ren wur­den kei­ne neu­en Arbeits­plät­ze mehr geschaf­fen, weil der über­bor­den­de Staats­sek­tor die Indus­trie fast aus­ge­löscht hat. Und mehr Staats­be­diens­te­te füh­ren nicht zu mehr Wachs­tum oder mehr Wohl­stand, son­dern nur zu mehr Schul­den.
  • Zum Schluss noch ein erfreu­li­cher Punkt: Dr. Hil­de­brand sieht die Kon­junk­tur in Euro­pa auf dem rich­ti­gen Weg und erkennt selbst in Ita­li­en und Frank­reich einen Anstieg der Reform­be­reit­schaft.

Wenn Schulden zu Luft werden

Michael Scherling am 21. April 2016

Ich has­se Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. 9 von 10 erwei­sen sich als fal­sch und eine wird durch rei­nen Zufall wahr.

Heu­te möch­te ich aber sel­ber eine Pro­gno­se in die Welt set­zen, die von Vie­len als Ver­schwö­rungs­theo­rie abge­tan wer­den wird.

Bekannt ist ja, dass vie­le Staa­ten den “Point of no return” bei der Schul­den­trag­fä­hig­keit über­schrit­ten haben. Kein Öko­nom welt­weit kann erklä­ren, wie die Staats­schul­den jemals zurück­ge­zahlt wer­den sol­len. Die altern­den und teil­wei­se schrump­fen­den Bevöl­ke­run­gen von Län­dern wie Japan, Ita­li­en oder Grie­chen­land kön­nen nie­mals genug Wirt­schafts­wachs­tum gene­rie­ren, um die rie­si­gen Alt­las­ten zu til­gen.

Der Ver­su­ch der Zen­tral­ban­ken, künst­li­ch Infla­ti­on zu schaf­fen und damit die Schul­den­last zu ver­rin­gern, wird zwar lang­fris­tig zum Erfolg füh­ren (ich wer­de mich bemü­hen, Sie recht­zei­tig vor kom­men­der Geld­ent­wer­tung zu war­nen!), aber auf kur­ze Sicht hat das über­haupt nicht funk­tio­niert.

Nun gibt es die ers­ten Gerüch­te, wie man sich sehr ele­gant von Alt­las­ten zu befrei­en gedenkt. Vor­rei­ter ist wie immer Japan. Rela­tiv unbe­merkt von der Öffent­lich­keit kauft die Zen­tral­bank gleich vie­le Staats­an­lei­hen (=Staats­schul­den) auf wie die Regie­rung jähr­li­ch neue Anlei­hen aus­gibt. Die Zen­tral­bank finan­ziert also jetzt bereits die Aus­ga­ben des japa­ni­schen Staa­tes, die nicht durch Ein­nah­men gedeckt sind (5,5% der Wirt­schafts­leis­tung jähr­li­ch).

Der nächs­te Schritt ist aus mei­ner Sicht vor­pro­gram­miert: Schon jetzt ist rund ein Drit­tel der japa­ni­schen Staats­schul­den in Hän­den der Zen­tral­bank. Mög­li­cher­wei­se wird die­ser Teil bereits heu­er für wert­los erklärt (oder umge­wan­delt in Titel mit ewi­ger Lauf­zeit und Zins­satz Null). Ein ele­gan­ter Weg, sich von alten Ver­bind­lich­kei­ten zu tren­nen.

Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank folgt die­sem Vor­bild. Es ist also nicht abwe­gig, dass es auch in Euro­pa zu einer sol­chen Lösung kom­men wird.

Der klei­ne Nach­teil dabei: nie­mand kann Ihnen sagen, wel­che Fol­gen die­ser Schritt haben wird. Eine Ver­trau­ens­kri­se in unser Geld­sys­tem ist nicht aus­zu­schlie­ßen.

Eine kla­re Emp­feh­lung kann ich Ihnen aber geben: inves­tie­ren Sie in Real­wer­te, also Immo­bi­li­en, Akti­en und Gold. Lei­der sind Wohn­im­mo­bi­li­en nach dem 50%-Anstieg in Öster­reich schon zu teu­er, ande­re Seg­men­te wir­ken aber noch inter­es­sant.

Bezüg­li­ch Gold möch­te ich auf mei­nen Jän­ner-Arti­kel ver­wei­sen http://www.deroekonom.at/2016/01/wird-gold-im-jahr-2016-glaenzen/. Die ange­kün­dig­te Preis­stei­ge­rung ist bereits ein­ge­tre­ten.

Für 90% der Öster­rei­cher sind Akti­en nur Spe­ku­la­ti­ons­ob­jek­te. Die­se Sicht trifft nur zu, wenn man ein­zel­ne Titel kauft. Wer aber welt­weit breit gestreut inves­tiert, wird auch in den nächs­ten 10 Jah­ren gute Erträ­ge erwirt­schaf­ten. Denn: so lan­ge es Men­schen gibt, gibt es auch Unter­neh­men. Akti­en­fonds schwan­ken zwar, sind lang­fris­tig aber siche­rer als Spar­bü­cher und Staats­an­lei­hen. Das wird Ihnen die Gene­ra­ti­on der 1930er Jah­re bestä­ti­gen.

Fazit: span­nen­de Zeit kom­men auf uns zu. Berei­ten Sie sich vor!

 

Wieder einmal Panik

Michael Scherling am 11. February 2016

Vor 10 Mona­ten stand der Index der deut­schen Akti­en bei 12.000 Punk­ten, heu­te bei 8.800, also ein Ver­lust von 27%. In Bra­si­li­en, Chi­na bra­chen die Bör­sen noch viel mehr ein und sogar eini­ge Anlei­he­seg­men­te wie­sen zwei­stel­li­ge Minu­ser­trä­ge auf.

Ist es ange­bracht, pani­sch zu wer­den?

Beson­ders span­nend fin­de ich, dass sämt­li­che “Begrün­dun­gen” für die­se Ent­wick­lun­gen auch bei den Bör­se-Höchst­stän­den vor 10 Mona­ten schon bekannt waren:

  1. Chi­na: seit 2 Jah­ren weiß man, dass die chi­ne­si­sche Wirt­schaft von Indus­trie auf Dienst­leis­tun­gen umge­baut wird. Dass nun eini­ge Pro­du­zen­ten lei­den, weni­ger expor­tiert wird und die Wäh­rung fällt, ist ein ganz nor­ma­ler Pro­zess. Ein Wachs­tum von immer noch 4 – 5% ist das Viel­fa­che des US- und Euro­pa-Wachs­tums. Zusätz­li­ch pro­fi­tie­ren gera­de Chi­na und unser Kon­ti­nent von tie­fen Roh­stoff­prei­sen.
  2. Fau­le Kre­di­te: 13% not­lei­den­de Kre­di­te in Ita­li­en, 10% in Chi­na und strau­cheln­de Ban­ken sind kein schö­ner Zustand, aber auch das ist kei­nes­wegs neu. Die Zen­tral­ban­ken ken­nen die­se Fak­to­ren gen­au, die Ver­hand­lun­gen für eine Lösung lau­fen seit vie­len Mona­ten.
  3. Wachs­tum­s­ein­bruch in den USA: Nord­ame­ri­ka hat seit 2009 sehr vom Schie­fe­röl­boom pro­fi­tiert. Ein guter Teil des Wirt­schafts­wachs­tums hat­te hier sei­nen Ursprung. Bei Ölprei­sen wie der­zeit dreht sich die Ent­wick­lung um. Ver­stärkt wird sie durch den schon sehr lan­gen Kon­junk­tur­auf­schwung, der nun zu Ende ist. Zusätz­li­ch lei­den die USA unter dem star­ken Dol­lar, der Expor­te erschwert. Alles in allem aber ein nor­ma­ler Kon­junk­tur­zy­klus und kei­nes­wegs eine Über­ra­schung.

Wie übli­ch ver­stär­ken die Medi­en die Wahr­neh­mung nega­ti­ver Ereig­nis­se. Auch Ban­ken über­tref­fen sich in Nega­tiv­pro­gno­sen. Wie sinn­los die­se sind, sieht man am Bei­spiel Gold­man Sachs: die bekann­tes­te US-Invest­ment­bank mus­s­te gera­de 5 ihrer 6 Pro­gno­sen für 2016 zurück­neh­men (Anfang Febru­ar!). Immer noch rech­net das Insti­tut mit 4 US-Zins­stei­ge­run­gen in die­sem Jahr. Auch die­se Pro­gno­se wird sich als fal­sch erwei­sen. Bei einem zu erwar­ten­den Kon­junk­tur­rück­gang die Zin­sen zu erhö­hen, wäre kon­tra­pro­duk­tiv und wird daher nicht pas­sie­ren.

Wei­ter­hin lei­den wer­den wohl Roh­stoff­pro­du­zen­ten wie Bra­si­li­en oder Öllän­der wie Sau­di Ara­bi­en, was durch­aus zu poli­ti­sch unru­hi­gen Zei­ten füh­ren kann. Chi­na wird nie wie­der so hohe Wachs­tums­ra­ten bei den Roh­stoff-Impor­ten auf­wei­sen wie in der Ver­gan­gen­heit.

Wann geht es wie­der auf­wärts?

Kei­ne Ahnung, Sie wis­sen ja: an den Bör­sen machen lang­fris­tig die Stra­te­gen die Kur­se, kurz­fris­tig aber die Psy­cho­pa­then. Wohin die­se die Wer­te trei­ben, weiß ich nicht (ich bin ja kei­ner).

Aus­lö­ser für einen Auf­wärts­be­we­gung wäre aber z.B. eine Ver­kün­dung des Ver­zichts auf Zins­er­hö­hun­gen in den USA oder ein wei­ter anhal­ten­der euro­päi­scher Kon­junk­tur­auf­schwung (ja, den gibt es!).

Fazit: Men­schen agie­ren nicht ratio­nal und wer­den es auch nie tun. Gier und Panik wech­seln ein­an­der ab. Klu­ge Inves­to­ren kön­nen davon pro­fi­tie­ren!

Wie geht es Europa?

Michael Scherling am 2. June 2015

Abseits von den übli­chen Nach­rich­ten aus den Medi­en, die sich umso bes­ser ver­kau­fen je extre­me­re Mel­dun­gen sie ver­öf­fent­li­chen, möch­te ich ein paar Facts zur öko­no­mi­schen Situa­ti­on in Euro­pa zusam­men­fas­sen:

+ seit 2013 sin­ken die Arbeits­lo­sen­ra­ten in Spa­ni­en und Grie­chen­land

+ Das Kon­junk­tur­kli­ma in Spa­ni­en ist so gut wie seit 2007 nicht mehr

+ Die KFZ-Neu­zu­las­sun­gen stei­gen euro­pa­weit seit 2 Jah­ren kon­ti­nu­ier­li­ch

+ Die Kre­dit­ver­ga­be­stan­dards der Ban­ken wer­den locke­rer (erst­mals seit 2007!)

+ Die Ein­zel­han­dels­um­sät­ze stei­gen so stark wie seit 10 Jah­ren nicht mehr

+ Immo­bi­li­en- und Unter­neh­mens­kre­di­te wer­den wie­der ver­stärkt nach­ge­fragt

+ Es gibt kaum Infla­ti­on, aber auch Defla­ti­on ist nicht in Sicht

+ Das Ver­brau­cher­ver­trau­en ist auf 10-Jah­res-Höchst­stand

Selbst­ver­ständ­li­ch gibt es noch genü­gend Bau­stel­len im Euro­raum, aber gera­de 2015 schaut aus heu­ti­ger Sicht öko­no­mi­sch erfreu­li­ch aus. Selbst Ereig­nis­se wie ein mög­li­cher Grie­chen­land-Aus­tritt soll­ten nur kurz­fris­ti­ge Wel­len schla­gen. Genie­ßen wir also die Erho­lung — in den nächs­ten Jah­ren kom­men genü­gend Her­aus­for­de­run­gen auf uns zu.

Fazit: Die erfreu­li­che Kom­bi­na­ti­on von tie­f­em Ölpreis, nied­ri­gem Euro und Null­zins­po­li­tik der Zen­tral­bank zeigt Wir­kung. Hof­fen wir, dass auch 2016 etwas davon übrig­bleibt.

Ist die Europäische Zentralbank verrückt geworden?

Michael Scherling am 25. January 2015

Die süd­län­di­schen Ver­tre­ter in der Euro­päi­schen Zen­tral­bank mit einem Ita­lie­ner an der Spit­ze haben sich also durch­ge­setzt: nun kauft die EZB auch Staats­an­lei­hen.

Was will sie damit errei­chen?

1. Höhe­re Infla­ti­on

2. Mehr Expor­te durch einen nied­ri­ge­ren Euro

3. Wohl­stands­ef­fek­te durch höhe­re Wert­pa­pier- und Immo­bi­li­en­prei­se

4. Mehr Kre­dit­ver­ga­be durch die Ban­ken soll die Wirt­schaft ankur­beln

zu 1. Zum ers­ten Punkt ist die gro­ße Fra­ge ob höhe­re Infla­ti­on wün­schens­wert ist. Grund­sätz­li­ch nein, denn sie führt zu einer schlei­chen­den Ent­eig­nung von Spa­rern. Die EZB argu­men­tiert, dass einer gefähr­li­chen Defla­ti­on vor­ab ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den muss. Die aktu­ell sin­ken­den Prei­se resul­tie­ren aber vor allem aus  nied­ri­ge­ren Ölprei­sen und sind daher über­haupt nicht gefähr­li­ch. Auch wird die EZB nicht erfolg­reich sein: solan­ge die Ölno­tie­run­gen nicht stei­gen, wird auch die Infla­ti­on kaum stei­gen.

zu 2. 2014 sank der Euro wegen bes­se­rer wirt­schaft­li­cher Aus­sich­ten und höhe­rer Zin­sen in den USA. Dadurch wer­den euro­päi­sche Expor­teu­re am Welt­markt kon­kur­renz­fä­hi­ger, was zusätz­li­ches Wachs­tum bedeu­tet. Die­ser Effekt ist aber auch ohne die Staats­an­lei­he­käu­fe stark genug.

zu 3. Wegen der dau­er­haft nied­ri­gen Zin­sen steigt der Wert von Wert­pa­pie­ren und Immo­bi­li­en. Durch die aktu­el­le EZB-Akti­on haben Ban­ken mehr Geld zur Ver­fü­gung, was zu wei­ter stei­gen­den Prei­sen in den bei­den Anla­ge­klas­sen füh­ren soll­te. Frag­li­ch ist, ob es nicht zu Über­trei­bun­gen und Bla­sen kommt. Zusätz­li­ch wer­den eher die Ver­mö­gen­den geför­dert, nicht aber brei­te Bevöl­ke­rungs­schich­ten, die für einen nach­hal­ti­gen Auf­schwung so wich­tig wären.

zu 4. Die Ban­ken haben schon bis­her aus­rei­chend Geld von der Zen­tral­bank bekom­men, wegen der hohen Alt­schul­den und der schlech­ten Aus­sich­ten gibt es aber kaum Fir­men und Pri­vat­leu­te, die Kre­di­te haben wol­len. Regu­la­to­ri­sche Vor­schrif­ten erschwe­ren den Ban­ken zusätz­li­ch die Kre­dit­ver­ga­be an Klein- und Mit­tel­be­trie­be, die für einen Auf­schwung extrem wich­tig wären. In Sum­me wird also nicht viel erreicht wer­den.

Den­no­ch sind die Aus­sich­ten für Euro­pa für 2015 posi­tiv: Seit 1970 erhol­te sich die Welt­kon­junk­tur jedes Mal deut­li­ch, wenn der Ölpreis um die Hälf­te fiel und min­des­tens 6 Mona­te nied­rig blieb. Durch den tie­fen Euro­kurs wer­den die Export­län­der Euro­pas zusätz­li­ch pro­fi­tie­ren. Das hat aber kaum etwas mit den Aktio­nen der Euro­päi­schen Zen­tral­bank zu tun.

Fazit: Hof­fen wir, dass die Staats­an­lei­he­käu­fe der EZB kei­nen Scha­den anrich­ten. Beson­de­rer Nut­zen ist nicht zu erwar­ten.

Ist die Krise vorbei?

Michael Scherling am 17. June 2014

Hier gleich die über­ra­schen­de Ant­wort:

JA!

Finanz­kri­se und Euro­kri­se sind in ihren aku­ten Aus­prä­gun­gen vor­bei. Hier ein paar Bei­spie­le und Grün­de für mei­ne Ein­schät­zung:

+ In Por­tu­gal sinkt die Arbeits­lo­sig­keit

+ In Eng­land sind die Immo­bi­li­en­prei­se über dem alten Rekord­stand von 2007

+ Die Ban­ken in den USA sind saniert

+ Spa­ni­en hat gro­ße Refor­men umge­setzt

+ Meh­re­re Bör­sen sind auf All­zeit­hoch (USA, Deutsch­land, …)

+ Die Zin­sen für die Staats­schul­den der Euro-Süd­län­der sind tie­fer als die der USA und auch nied­ri­ger als vor der Finanz­kri­se

+ Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank garan­tiert den Euro-Erhalt und hat durch das Geld-Mono­pol auch für vie­le Jah­re die Mög­lich­keit dazu

Ist also alles in Ord­nung? Der­zeit scheint es so, aber in eini­gen Jah­ren wer­den fol­gen­de Ent­wick­lun­gen Aus­lö­ser neu­er Tur­bu­len­zen sein:

- Die Staats­schul­den sind in vie­len Län­dern auf einem Niveau, auf dem die Rück­zahl­bar­keit ange­zwei­felt wer­den muss. Das allei­ne führt zu kei­ner Kri­se in den nächs­ten 5 Jah­ren. Nur in Japan ist mit 250% Staats­ver­schul­dung eine Schul­den­strei­chung wahr­schein­li­ch.

- Frank­reich ist reform­un­fä­hig und wird von Poli­ti­kern und Gewerk­schaf­tern an die Wand gefah­ren. Falls die durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank erkauf­te Zeit auch in den nächs­ten 5 – 10 Jah­ren nicht für Sys­tem­ver­bes­se­run­gen genutzt wird, kann der Euro auf Dau­er nicht wei­ter­be­stehen.

- Ein zwei­ter Schul­den­schnitt in Grie­chen­land ist uner­läss­li­ch. Ich glau­be aller­dings nicht, dass das zu einer Rie­sen-Kri­se führt. Bereits erwar­te­te Kata­stro­phen blei­ben meis­tens aus oder haben kaum Aus­wir­kun­gen.

- Vie­le euro­päi­sche Ban­ken sind Zom­bies. Ohne Unter­stüt­zung durch die Staa­ten und die Zen­tral­bank wären eini­ge nicht über­le­bens­fä­hig. Eine gesun­de Markt­be­rei­ni­gung wur­de ver­hin­dert, weil man Kon­kur­se nicht tole­rier­te (im Gegen­satz zu den USA). Dadurch erfül­len die Ban­ken nicht ihren Zweck der Dar­le­hens­ver­ga­be an Unter­neh­men. Die Zen­tral­bank kann Bank­zu­sam­men­brü­che aller­dings sehr lan­ge ver­hin­dern.
Die alte Pro­ble­me wie zu wenig Eigen­ka­pi­tal, Inter­es­sens­kon­flik­te und fal­sche Anrei­ze sowie Macht­miss­brauch sind nicht besei­tigt und kön­nen unser Finanz­sys­tem gefähr­den.

Fazit: Spe­zi­ell für Öster­reich und Deutsch­land ste­hen sta­bi­le Zei­ten bevor. Die öko­no­mi­schen Daten sind brauch­bar und die dau­er­haft nied­ri­gen Zin­sen sor­gen für Wachs­tums­im­pul­se. Aber klar ist: die nächs­te von außen kom­men­de Kri­se ist nur auf­ge­scho­ben, aber sie kommt!

 

 

Das neue, alte Wirtschaftswunderland

Michael Scherling am 19. June 2013

Tot­ge­sag­te leben län­ger, das gilt auch für ein Land, aus dem es in den letz­ten Jah­ren nicht viel Posi­ti­ves zu berich­ten gab: die USA.

Was ist nun in den letz­ten 5 Jah­ren gesche­hen, das so viel Lob begrün­det:

Ban­ken: eigent­li­ch hat­te ja eine US-Bank die Finanz­kri­se aus­ge­löst und zahl­rei­che Plei­ten klei­ne­rer Insti­tu­te folg­ten. Aber: die Ame­ri­ka­ner haben schnell und rich­tig gehan­delt, mit Kapi­tal­hil­fen Schlim­me­res ver­hin­dert und einen Ent­schul­dungs­pro­zess ermög­licht. Seit 2012 kann die Ban­ken­land­schaft wie­der als gesun­det betrach­tet wer­den. Ganz im Gegen­satz zu Euro­pa, wo wei­ter rie­si­ge Zom­bie­ban­ken von Poli­ti­kern durch­ge­füt­tert wer­den und eine Markt­be­rei­ni­gung ver­hin­dert wird.

Bud­get­de­fi­zit: vie­le warn­ten vor dem “Fis­cal Cliff”, den auto­ma­ti­schen Aus­ga­ben­kür­zun­gen, die tat­säch­li­ch in Kraft getre­ten sind, weil sich die bei­den Groß­par­tei­en nicht eini­gen konn­ten. Tat­säch­li­ch ver­rin­gert sich dadurch das Bud­get­de­fi­zit, ohne zu einem Wirt­schafts­ein­bruch geführt zu haben. Eine fast idea­le Situa­ti­on also.

Immo­bi­li­en­prei­se: nach einem star­ken Preis­ver­fall kann man inzwi­schen davon spre­chen, dass der Tief­punkt durch­schrit­ten ist. Die Prei­se haben nach­hal­tig zu stei­gen begon­nen.

Haus­halts­ver­schul­dung: die US-Kon­su­men­ten konn­ten ja durch ihren Kon­sum die Wirt­schaft nicht mehr unter­stüt­zen, weil die Über­schul­dung extrem war. Immer noch ist das Kre­dit­ni­veau hoch, aber ein deut­li­cher Rück­gang ist zu bemer­ken.

Zen­tral­bank­po­li­tik: ja, noch wird viel Geld bereit­ge­stellt, um die Zin­sen tief zu hal­ten, aber inzwi­schen haben auch die aller­letz­ten “Exper­ten” erkannt, dass Schul­den­kri­sen nicht zu Infla­ti­on füh­ren. Das vie­le Noten­bank­geld ändert dar­an, wie in die­sem Blog mehr­fach beschrie­ben, nichts.

Re-Indus­tria­li­sie­rung: ein gro­ßes Pro­blem bis 2008 war, dass kaum noch Sinn­vol­les her­ge­stellt wur­de. Die meis­ten Pro­duk­te impor­tier­te man aus Chi­na und Euro­pa. Nun hat eine Gegen­be­we­gung ein­ge­setzt: Wäh­rend in vie­len Län­dern (v.a. Asi­ens) die Löh­ne stie­gen, blie­ben die Lohn­kos­ten in den Staa­ten kon­stant, wodurch es für die Unter­neh­men wie­der leist­ba­rer wur­de, im Hei­mat­land zu pro­du­zie­ren.

Noch ein stär­ke­rer Hebel für die Rück­kehr des pro­du­zie­ren­den Gewer­bes ist aber der Roh­stoff­boom. Unbe­merkt von der Öffent­lich­keit wur­den seit 2008 rie­si­ge Öl- und Gas­vor­kom­men im Schie­fer­ge­stein ent­deckt. Die Gas­prei­se sind bereits um 70% gesun­ken und die USA wer­den ihren Bedarf an Ener­gie in den nächs­ten Jah­ren selbst decken kön­nen.

Wegen der nied­ri­gen Ener­gie­kos­ten strö­men aus aller Welt Fir­men in die USA, so auch die öster­rei­chi­sche VOEST, die um 500 Mil­lio­nen Euro ein Werk errich­tet.

Rund 2 Mil­lio­nen Arbeits­plät­ze ent­ste­hen, wodurch die Arbeits­lo­sig­keit redu­ziert und wegen der höhe­ren Steu­er­ein­nah­men das Bud­get­de­fi­zit wei­ter gesenkt wird.

Demo­gra­phie: Japan steckt aus­weg­los in der Fal­le, weil die Bevöl­ke­rung schrumpft. Dadurch ist das Schul­den­ni­veau untrag­bar. In den USA ist das anders: die Ein­woh­ner­zahl steigt kon­ti­nu­ier­li­ch, mehr Men­schen kon­su­mie­ren mehr, zah­len mehr Steu­ern und wol­len Immo­bi­li­en kau­fen.

Fazit: die USA sind in der Bewäl­ti­gung der Finanz­kri­se sehr weit vor­an­ge­kom­men und haben wie­der gute Vor­aus­set­zun­gen für die nächs­ten 10 – 15 Jah­re.

Das Kernproblem Europas

Michael Scherling am 12. April 2013

Die Volks­wirt­schaf­ten in Spa­ni­en, Grie­chen­land und auch Öster­reich hän­gen sehr stark vom Erfolg klei­ner und mitt­le­rer Unter­neh­men ab. Die­se sichern den Groß­teil der Arbeits­plät­ze und des Wirt­schafts­wachs­tums und sor­gen so für Wohl­stand. Gera­de sie lei­den aber ganz beson­ders unter der schlech­ten Situa­ti­on der Ban­ken.

Groß­un­ter­neh­men hin­ge­gen pro­fi­tie­ren von den Nied­rig­zin­sen: frü­her zahl­ten Sie­mens und Co. 6%, wenn sie Anlei­hen zur Finan­zie­rung neu­er Vor­ha­ben aus­ga­ben. Heu­te sind es 2%. Kein Wun­der also wenn deren Akti­en­kur­se stei­gen.

Klei­ne­ren Fir­men steht die­ser Weg nicht offen, er ist zu teu­er und es gibt zu weni­ge Käu­fer sol­cher Anlei­hen. Sie sind auf Bank­kre­di­te ange­wie­sen. Dum­mer­wei­se lei­den die Kre­dit­in­sti­tu­te aber selbst an ver­schie­dens­ten Pro­ble­men und sind nicht in der Lage, aus­rei­chend Dar­le­hen zu ver­ge­ben.

Ein spa­ni­scher Unter­neh­mer, der eine wun­der­ba­ren Idee oder Erfin­dung hat und damit für neue Arbeits­plät­ze und Wachs­tum sor­gen könn­te, kommt nicht an das Geld, das er für den Start braucht oder zahlt 15% Zin­sen. Somit steckt das gan­ze Land in der Fal­le. Dies trifft für fast alle Kri­sen­staa­ten zu.

War­um haben die USA die­ses Pro­blem nicht in die­sem Aus­maß? Weil es dort auch für mit­tel­gro­ße Fir­men mög­li­ch ist, Anlei­hen zu bege­ben. Es gibt auch Käu­fer dafür. In Euro­pa nicht.

War­um ver­gibt die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) kei­ne Kre­di­te? Lei­der ist sie dazu nicht in der Lage. Sie hat weder die Kom­pe­tenz, noch das Wis­sen oder aus­rei­chen­des Per­so­nal für so eine Mam­mut­auf­ga­be, die ja die Kern­kom­pe­tenz der regio­na­len Ban­ken ist.

Trotz­dem soll­te die EZB aktiv wer­den. Bis­her hat sie den Ban­ken ange­bo­ten, auch Kre­di­te an klei­ne­re Fir­men als Sicher­hei­ten zu akzep­tie­ren. Damit erhal­ten die Ban­ken im Gegen­zug fri­sches Geld von der Zen­tral­bank, wenn sie es an Klein- und Mit­tel­be­trie­be ver­ge­ben. Das war aber nur in weni­gen Län­dern erfolg­reich. EZB-Prä­si­dent Draghi hat ange­kün­digt, sol­che Pro­gram­me effi­zi­en­ter zu gestal­ten. Es ist wich­tig, dass hier etwas geschieht.

Fazit: Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hat das Pro­blem der Unter­ver­sor­gung der klei­nen und mitt­le­ren Fir­men mit Kre­di­ten erkannt, hat aber kei­ne schnel­le Lösung dafür. Wird eine sol­che gefun­den, ist der Grund­stein für die Erho­lung der Euro­zo­ne gelegt, weil wie­der Wachs­tum und Arbeits­plät­ze ent­ste­hen.

Der sichere Konkurs Japans

Michael Scherling am 1. March 2013

Eine der schlimms­ten Unsit­ten in der Wirt­schafts­welt ist das Kurz­frist­den­ken. Mana­ger und Mit­ar­bei­ter wer­den nach Quar­tals­zah­len beur­teilt, egal ob deren Ursa­chen dem län­ger­fris­ti­gen Wohl­er­ge­hen des Unter­neh­mens scha­den oder nicht.

Öko­no­men den­ken zumeist auf Sicht von 1 Jahr, was immer noch nicht beson­ders vor­aus­schau­end ist. Begrün­det wird das mit der man­geln­den Vor­her­seh­bar­keit der Zukunft. In vie­len Fäl­len ist das gerecht­fer­tigt, nicht aber im Fall Japans. Dem Land steht der siche­re Bank­rott bevor, aber noch nicht im nächs­ten Jahr, son­dern erst in 5 – 10 Jah­ren.

Jetzt zur Erklä­rung:

Stel­len Sie sich vor, Sie haben monat­li­che Aus­ga­ben von 4.000 Euro, ver­die­nen aber nur 2.000 Euro. Als Lösung neh­men Sie 2.000 Euro p.m. zusätz­li­chen Kre­dit auf, obwohl Sie schon mehr als das dop­pel­te Jah­res­ein­kom­men an Schul­den haben.

Klingt nicht gut, oder? Gen­au in die­ser Situa­ti­on ist Japan.

Grie­chen­land ist mit 140% der jähr­li­chen Wirt­schafts­leis­tung ver­schul­det und wird als unrett­bar bezeich­net. Die Asia­ten wei­sen 240% auf und müs­sen nur 1% für die Staats­schul­den bezah­len. Selt­sam, oder?

Der Grund für die Dif­fe­renz ist fol­gen­der: Die Japa­ner sind reich und kau­fen der Regie­rung die neu­en Staats­an­lei­hen zu einem nied­ri­gen Zins ab. Dadurch besteht (noch) kei­ne Abhän­gig­keit vom inter­na­tio­na­len Kapi­tal­markt, der im Fall Grie­chen­lands ver­siegt ist.

Der japa­ni­sche Pen­si­ons­fonds ist der größ­te der Welt und inves­tiert vor allem in die Anlei­hen des eige­nen Staa­tes. Aktu­ell wird dort über­legt, wegen der aggres­si­ven Geld­ver­meh­rungs­stra­te­gie der Zen­tral­bank weni­ger die­ser Titel zu erwer­ben. Mit­tel­fris­tig geht es aber ohne­hin nicht anders: Japan hat die ältes­te Bevöl­ke­rung der Welt und die am schnells­ten altern­de. Somit wird immer mehr vom Pen­si­ons­fonds abge­zo­gen und immer weni­ger ein­ge­zahlt.

Die Fol­ge: Die Japa­ner kön­nen in Zukunft nicht mehr so vie­le eige­ne Staats­ti­tel kau­fen und sind auf Aus­län­der ange­wie­sen. Die­se aber wer­den erken­nen, dass die rie­si­gen Schul­den nie­mals zurück­ge­zahlt wer­den kön­nen. Das hat in die­sem Umfang in der Mensch­heits­ge­schich­te noch nie ein Land geschafft.

Aus die­sem Grund wer­den die aus­län­di­schen Gläu­bi­ger mit­tel­fris­tig höhe­re Zin­sen ver­lan­gen, z.B. 4% statt der aktu­el­len 1%. Dum­mer­wei­se gibt Japan schon jetzt 25% des Bud­gets für Zins­zah­lun­gen aus. Sie kön­nen leicht aus­rech­nen, dass bei die­sem Zins­an­stieg nichts mehr von den Ein­nah­men übrig­bleibt und das Land plei­te ist.

Opti­mis­ten wen­den ein, dass das rei­che Land ja nur die Mehr­wert­steu­er erhö­hen müss­te und schon sei alles saniert. Eine Erhö­hung im nöti­gen Aus­maß wür­de aber die Wirt­schaft und damit auch die Steu­er­ein­nah­men stark ein­bre­chen las­sen und die Mise­re nicht wesent­li­ch ver­bes­sern.

Der neue Pre­mier­mi­nis­ter hat sich nun eine “genia­le” Idee ein­fal­len las­sen. Er ver­sucht die Infla­ti­on zu erhö­hen, lässt die Zen­tral­bank fast unbe­grenzt Yen dru­cken und senkt damit den Außen­wert der Wäh­rung. Dadurch machen die Expor­teu­re höhe­re Gewin­ne und etwa die Auto­bau­er wer­den die deut­sche Kon­kur­renz ins Schwit­zen brin­gen. Ein künst­li­cher Boom wird erzeugt, die Akti­en des Insel­staa­tes stei­gen bereits mas­siv. Lei­der ist das eine kurz­fris­ti­ge, kre­dit­fi­nan­zier­te Bla­sé, die in weni­gen Jah­ren plat­zen wird. Las­sen Sie sich also nicht von posi­ti­ven Schlag­zei­len in den Medi­en der nächs­ten 1 – 2 Jah­re beir­ren.

Fazit: Ein Land mit schrump­fen­der Bevöl­ke­rung und 240% Schul­den hat gen­au 2 Mög­lich­kei­ten: a) Staats­bank­rott und Schul­den­schnitt oder b) Hyper­in­fla­ti­on. Es wird span­nend, wofür sich die Japa­ner ent­schei­den wer­den.