Wir dummen Österreicher

Michael Scherling am 16. Mai 2017

In Öster­reich ist eines der bes­ten Unter­neh­men der Welt zu Hau­se: die VOESTALPINE. Sie ist tech­no­lo­gi­scher Welt­markt­füh­rer im Stahl­be­reich, beschäf­tigt 50.000 Men­schen und schafft stän­dig neue Arbeits­plät­ze (Poli­ti­ker kön­nen nur mit neu­en Schul­den Arbeits­plät­ze kurz­fris­tig schaf­fen, Fir­men auch nach­hal­tig!).

Das Unter­neh­men schafft es, die durch Digi­ta­li­sie­rung und voll­au­to­ma­ti­sche Pro­duk­ti­ons­wei­se weg­fal­len­den Jobs durch inter­ne Wei­ter­bil­dung zu erhal­ten. Vie­le Mil­lio­nen wer­den jähr­lich an Steu­ern bezahlt, was uns allen zu Gute kommt.

Gefähr­det ist die VOEST maxi­mal durch immer neue büro­kra­ti­sche Auf­la­gen und Umwelt­ge­set­ze. Dabei ist die Fir­ma bereits der umwelt­ver­träg­lichs­te Stahl­her­stel­ler welt­weit. Hilft es wirk­lich wenn das Unter­neh­men aus Öster­reich ver­trie­ben und die Pro­duk­ti­on mit 5-fachem Schad­stoff­aus­stoß in Indi­en auf­ge­baut wird?

Noch span­nen­der ist die Geschich­te des Unter­neh­mens: Es stammt aus der “Ver­staat­lich­ten Indus­trie” und wäre durch Miss­ma­nage­ment vor 30 Jah­ren in Kon­kurs gegan­gen, wenn es nicht pri­va­ti­siert wor­den wäre. Immer, wenn poli­ti­sche Günst­lin­ge oder Gewerk­schafts­bon­zen in einer Unter­neh­mens­füh­rung sit­zen, gehen Fir­men plei­te. Der “Kon­sum” ist noch ein gutes Bei­spiel dafür.

Ver­tre­ter der “Gemein­wohlöko­no­mie”, die sogar schon in Schul­bü­chern zu fin­den sind, haben bis heu­te nicht ver­stan­den, dass Ver­staat­li­chung und Ein­mi­schung in die Unter­neh­mens­füh­rung zu Arbeits­lo­sig­keit und Wohl­stands­ver­lust füh­ren.

Die Voe­st­al­pi­ne betei­ligt die Mit­ar­bei­ter auch am Unter­neh­men. Ein guter Teil gehört inzwi­schen den Ange­stell­ten. Die pro­fi­tie­ren dop­pelt: Einer­seits an der Stei­ge­rung des Unter­neh­mens­wer­tes und ande­rer­seits von den jähr­li­chen Divi­den­den, die mit rund 3% jähr­lich Spar­bü­cher deut­lich über­tref­fen.

War­um betei­li­gen wir Öster­rei­cher uns nicht an unse­ren groß­ar­ti­gen Unter­neh­men? 50% des öster­rei­chi­schen und deut­schen Akti­en­markts gehört US-ame­ri­ka­ni­schen Inves­to­ren. Die holen sich unse­re Wert­schöp­fung wäh­rend wir über unse­re Spar­bü­cher den Ban­ken Geld geben, die dann z.B. jah­re­lang US-Hypo­the­ken­pa­pie­re kauf­ten, die teil­wei­se wert­los wur­den.

Wir Öster­rei­cher haben dann nicht nur kei­ne Zin­sen bekom­men, son­dern muss­ten auch noch unse­re Ban­ken mit Mil­li­ar­den­be­trä­gen ret­ten. Wir sind schon ziem­lich dumm, oder?

Natür­lich ist es nicht sinn­voll, sich nur an öster­rei­chi­schen Unter­neh­men zu betei­li­gen. Jedes Land hat tol­le Fir­men wie die Voest. Gute Mana­ger eines welt­wei­ten Akti­en­fonds hel­fen Ihnen, sich an der Wert­schöp­fung der gesam­ten Welt zu betei­li­gen.

Fazit: Inves­tie­ren Sie Ihre län­ger­fris­tig ange­leg­ten Gel­der nicht in Spar­bü­cher oder Staats­an­lei­hen, son­dern pro­fi­tie­ren Sie von wun­der­ba­ren Unter­neh­men, die Arbeits­plät­ze schaf­fen und nach­hal­ti­ge Wert­stei­ge­rung erzie­len.

Böse Globalisierung?

Michael Scherling am 27. März 2017

Carl Bildt, ehe­ma­li­ger Pre­mier­mi­nis­ter von Schwe­den schrieb vor kur­zem dass bei sei­ner Geburt erst 2,5 Mrd. Men­schen leb­ten und vie­le auch damals glaub­ten, dass unser Pla­net die­se Mas­sen nicht ernäh­ren könn­te und Zusam­men­brü­che bevor­stün­den.

Tat­säch­lich ist der Anteil der Armen unter den inzwi­schen 7,5 Mrd. Men­schen stark zurück­ge­gan­gen und vie­le Län­der (vor allem in Asi­en) konn­ten den Lebens­stan­dard enorm stei­gern.

Die Lebens­er­war­tung stieg von 48 auf 71 Jah­re, das Pro-Kopf-Ein­kom­men um 500%. Seit 1990 wur­de die Kin­der­sterb­lich­keit hal­biert und statt 47% der Bewoh­ner von Ent­wick­lungs­län­dern leben nur noch 14% in extre­mer Armut.

Wie kam es dazu:

  1. Fort­schrit­te in Wis­sen­schaft und Tech­no­lo­gie
  2. Wirt­schaft­li­cher Aus­tausch über Han­del und Inves­ti­tio­nen in einer libe­ra­len Welt­ord­nung = Glo­ba­li­sie­rung

An vie­len Orten die­ser Welt wur­den und wer­den Fabri­ken geschlos­sen und Mit­ar­bei­ter ent­las­sen. Die Stahl­wer­ke in den USA und die Koh­le­mi­nen in Deutsch­land beschäf­ti­gen weni­ger Arbei­ter als frü­her. Der Grund dafür soll die Glo­ba­li­sie­rung sein. Nicht erkannt wird dabei, dass tech­no­lo­gi­sche Fort­schrit­te in höhe­rem Aus­maß ver­ant­wort­lich sind.

Genau­so ver­lo­ren vor 100 Jah­ren fast alle Kut­scher ihre Arbeit. In der Auto­in­dus­trie sind heu­te aller­dings 100mal so vie­le Men­schen beschäf­tigt.

Carl Bildt schreibt: „Für die meis­ten Men­schen war das Leben vor der Glo­ba­li­sie­rung arm, hart und kurz.“ Popu­lis­ten ver­herr­li­chen die­se Zei­ten den­noch ohne ihren Wäh­lern zu erklä­ren, dass es einem arbeits­lo­sen US-Stahl­ar­bei­ter nicht hilft, wenn afri­ka­ni­sche und asia­ti­sche Län­der mit Zöl­len belegt wer­den. Im Gegen­teil erhö­hen sich dadurch die Prei­se. Dar­un­ter lei­det gera­de der arme Teil der Wäh­ler, der sich als Glo­ba­li­sie­rungs­ver­lie­rer wahr­nimmt.

Was wir brau­chen ist:

  1. Ehr­li­che Poli­ti­ker, die den Men­schen die Zusam­men­hän­ge erklä­ren
  2. Inten­si­ve Aus- und Wei­ter­bil­dung

Auch in Zukunft wer­den Bran­chen ver­schwin­den und Men­schen ihre Arbeit ver­lie­ren. In den letz­ten 200 Jah­ren wur­den aber in neu ent­ste­hen­den Bran­chen immer viel­fach mehr Arbeits­kräf­te benö­tigt als davor. Die Län­der mit dem höchs­ten Bil­dungs­ni­veau pro­fi­tie­ren davon am meis­ten.

Fazit: Ein Zurück­dre­hen der Glo­ba­li­sie­rung macht uns alle ärmer und scha­det vor allem den benach­tei­lig­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pen.

Dauerhafte Stagnation?

Michael Scherling am 2. Februar 2017

In der Welt der Öko­no­men wird seit eini­ger Zeit dis­ku­tiert, ob es eine soge­nann­te “Seku­lä­re Sta­gna­ti­on” gibt. Gemeint ist dau­er­haf­tes Null­wachs­tum, das fol­gen­de Ursa­chen hat:

+ Es wird zu wenig inves­tiert, weil es kaum loh­nen­de Pro­jek­te gibt. Die wesent­li­chen Erfin­dun­gen sind gemacht (Auto, Com­pu­ter etc.) und neue brin­gen wenig Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs

+ Popu­lis­ti­sche Poli­ti­ker brem­sen die Wirt­schaft (rech­te Ideo­lo­gen wie Trump mit Han­dels­bar­rie­ren und lin­ke Ideo­lo­gen wie Hugo Cha­vez mit Ver­staat­li­chung)

+ Sta­gnie­ren­de Erwerbs­be­völ­ke­rung in den west­li­chen Staa­ten. Deutsch­land bräuch­te 500.000 Zuwan­de­rer jähr­lich, um die Zahl der Erwerbs­tä­ti­gen nur kon­stant zu hal­ten.

Aller­dings gab es auch vor eini­gen Jahr­zehn­ten genau die glei­che Dis­kus­si­on und nie­mand kann behaup­ten, dass es in den letz­ten 50 oder 100 Jah­ren kei­ne rele­van­ten Neue­run­gen und Wohl­stands­stei­ge­run­gen gege­ben hat.

Bes­se­re Trans­port­mit­tel, moder­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on und schnel­le­re und bes­se­re Pro­duk­ti­ons­wei­sen haben die Mensch­heit vor­an­ge­bracht. Was könn­te uns in den nächs­ten Jahr­zehn­ten wei­ter­brin­gen?

Zwei Berei­chen sind her­vor­zu­he­ben: Digi­ta­li­sie­rung und Robo­tik. Bei­des stei­gert das Wirt­schafts­wachs­tum, wobei ers­te­res kaum mess­bar ist und im Brut­to­in­lands­pro­dukt nicht auf­scheint. Ein ein­fa­ches Bei­spiel: Wenn Sie kos­ten­lo­se Zei­tungs­in­hal­te am Com­pu­ter lesen statt eine Zei­tung zu kau­fen, sinkt das BIP sogar. Ihr Nut­zen steigt aber.

Durch effi­zi­en­te Sharing-Eco­no­my kön­nen Autos, Maschi­nen, Woh­nun­gen usw. von mehr Men­schen als bis­her ver­wen­det wer­den. Auch hier sinkt das BIP, weil nicht jeder sich alles selbst kau­fen muss. Der Wohl­stand für die Betrof­fe­nen steigt aber.

Wis­sens­er­werb und Wei­ter­bil­dung sind zen­tral für die moder­ne Wirt­schaft, wer­den aber eben­falls kaum bei der Mes­sung von Wachs­tum berück­sich­tigt.

Fazit: Glau­ben Sie kei­nen Sta­gna­ti­ons­pro­phe­ten. Nur weil wir Wachs­tum und Wohl­stands­stei­ge­run­gen nicht mes­sen kön­nen, heißt das noch lan­ge nicht, dass es die­se nicht gibt!

Mein ökonomischer Wunsch ans Christkind

Michael Scherling am 23. Dezember 2016

Dürf­te ich einen Wunsch ans Christ­kind äußern, wür­de ich es heu­er bit­ten, die Euro­päi­sche Zen­tral­bank zu beein­flus­sen, damit sie die Nega­tiv­zin­sen auf­gibt.

Die meis­ten von Ihnen mer­ken höchs­tens als Kre­dit­neh­mer dass die kurz­fris­ti­gen Zin­sen (Euri­bor) im Minus sind. Gehö­ren Sie zu die­ser Grup­pe, haben Sie sich sicher­lich schon aus­rei­chend gefreut.

Lei­der hat die­se Poli­tik schlim­me Neben­wir­kun­gen:

  1. Spa­rer lei­den: mein Bedau­ern hält sich aber in Gren­zen, da ers­tens auch die Infla­ti­on tief ist und zwei­tens Spar­buch und Kon­to ohne­hin nur für das Par­ken von Geld sinn­voll sind. Ab 3 – 5 Jah­ren Anla­ge­dau­er soll­ten ande­re Ver­an­la­gun­gen gewählt wer­den.
  2. Es droht Alters­ar­mut: die meis­ten Öster­rei­cher haben ohne­hin gro­ße Pen­si­ons­lü­cken. Die klas­si­sche Form der Vor­sor­ge mit anlei­he­ba­sier­ten Lebens­ver­si­che­run­gen lohnt sich kaum noch. Weni­ge kön­nen sich so hohe Spar­ra­ten leis­ten, um bei Tief­zin­sen genug anzu­spa­ren.
  3. Lang­fris­tig sind Ver­si­che­rungs­kon­kur­se mög­lich: In den letz­ten Jahr­zehn­ten wur­den Garan­tie­zins­ver­spre­chun­gen bei Lebens­ver­si­che­run­gen in der Höhe von bis zu 4% gege­ben. Die­se sind heu­te aber nicht mehr zu erzie­len.
  4. Aus mei­ner Sicht der schlimms­te Punkt: Ban­ken gera­ten in Schief­la­ge! War­um habe ich mit den bösen Ban­ken Mit­leid? Ganz ein­fach: ohne Ban­ken funk­tio­niert die Wirt­schaft nicht, es gibt Sta­gna­ti­on und Arbeits­lo­sig­keit. In den USA wur­den die Ban­ken bes­ser saniert (oder in Kon­kurs geschickt) und die Zin­sen sind posi­tiv. Dadurch konn­ten sich die Ver­ei­nig­ten Staa­ten viel bes­ser von der Finanz­kri­se erho­len.

Zur Erklä­rung: Ban­ken wer­den sinn­vol­ler­wei­se gezwun­gen mehr Eigen­ka­pi­tal zu hal­ten, um kri­sen­re­sis­ten­ter zu wer­den. Die Erträ­ge lei­den dadurch, was aber abso­lut in Ord­nung ist.

Aber: durch die Nega­tiv­zins­po­li­tik der Euro­päi­schen Zen­tral­bank müs­sen die Kre­dit­häu­ser tat­säch­lich Zin­sen bezah­len wenn sie Geld bei der EZB par­ken. Sie kön­nen aber nur sehr schwer von Pri­vat­kun­den Zin­sen von deren Gut­ha­ben auf Spar­bü­chern und Kon­ten ver­lan­gen.

Die Ein­nah­men schrump­fen also noch ein­mal deut­lich. Damit lei­det die Fähig­keit, Kre­di­te gera­de an Klein- und Mit­tel­be­trie­be, die die Basis unse­rer Wirt­schaft sind, zu ver­ge­ben.

Fazit: Bit­te lie­be Zen­tral­bank, erhö­re mein Christ­kind und erhö­he die Zin­sen zumin­dest auf 0%!

 

 

Populismus und Ökonomie

Michael Scherling am 9. November 2016

Die Welt gehört seit heu­te end­gül­tig den Popu­lis­ten. Schon der Aus­stieg Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU war nur durch geziel­te Falsch­mel­dun­gen der EU-Geg­ner und der Medi­en mög­lich, eben­so die heu­ti­ge Wahl eines Stamm­tisch-Pro­le­ten zum US-Prä­si­den­ten. Des­sen Wäh­ler glau­ben z.B. mehr­heit­lich nicht, dass Oba­ma in den USA gebo­ren ist. Die Macht der Bou­le­vard-Medi­en ist enorm. Wer sie beein­flus­sen kann, gewinnt offen­sicht­lich alle Wahl­ent­schei­dun­gen. Das wis­sen auch Orban in Ungarn und Erdo­gan in der Tür­kei.

Was bedeu­tet das nun öko­no­misch?

Gera­de hat die Welt begon­nen, sich von der Finanz­kri­se 2008 und der Euro­kri­se 2011 zu erho­len: die Arbeits­lo­sen­ra­ten sind kräf­tig gesun­ken, das Wirt­schafts­wachs­tum ist fast auf Vor­kri­sen­ni­veau, die Löh­ne begin­nen zu stei­gen und die öko­no­mi­schen Stim­mungs­in­di­ka­to­ren waren bis ges­tern sehr gut.

Das Umfeld wäre also aus­ge­zeich­net. Womit Men­schen aber am aller­we­nigs­ten umge­hen kön­nen, ist Unsi­cher­heit. Kei­ner weiß wie sich der Brex­it aus­wir­ken wird (des­halb habe ich kei­nen Arti­kel dar­über geschrie­ben — Pro­gno­sen sind völ­lig sinn­los) und nie­mand kann vor­aus­se­hen, wel­che Wahl­ver­spre­chen Trump tat­säch­lich umset­zen wird.

In unsi­che­ren Zei­ten inves­tie­ren Unter­neh­men aber ungern neu­es Geld und Kon­su­men­ten spa­ren lie­ber mehr als sie aus­ge­ben. Das bremst die begin­nen­de Erho­lung aus.

Klar scheint aber dass Zins­er­hö­hun­gen noch wei­ter in die Zukunft ver­scho­ben wer­den. Obwohl die Nach­tei­le der Null­zins­po­li­tik immer offen­sicht­li­cher wer­den, ist den Zen­tral­ban­ken eine Erhö­hung in so unsi­che­ren Zei­ten fast unmög­lich.

Fazit: eini­ge Mona­te bevor Hit­ler in Deutsch­land an die Macht kam, gab es bereits einen kräf­ti­gen Wirt­schafts­auf­schwung. Weil die­ser aber noch nicht bei den Men­schen ange­kom­men war, kam es zu einem Desas­ter. Auch der aktu­el­le Auf­schwung ist noch nicht bei der Bevöl­ke­rung ange­kom­men, wes­halb Popu­lis­ten die Gele­gen­heit bekom­men, neue Desas­ter anzu­rich­ten.

 

Arbeitslosigkeit

Michael Scherling am 26. September 2016

War­um hat Deutsch­land seit vie­len Jah­ren weni­ger Arbeits­lo­se als Frank­reich?

Einen der Grün­de hat der Öko­nom und Nobel­preis­trä­ger Jean Tiro­le in sei­nem neu­en Buch mit dem Titel „Éco­no­mie du Bien Com­mun” (oder „Wirt­schaft für das All­ge­mein­wohl”) beschrie­ben.

Frank­reichs his­to­risch hohe Arbeits­lo­sen­quo­te ergibt sich nicht aus den ungüns­ti­gen Ein­flüs­sen der glo­ba­len Markt­wirt­schaft – eine weit­ver­brei­te­te und prak­ti­sche Erklä­rung von fran­zö­si­schen Poli­ti­kern –, son­dern eher aus der gesell­schaft­li­chen Ent­schei­dung, einen sehr star­ren Arbeits­markt zu eta­blie­ren. Mit dem Bewusst­sein wei­ter stei­gen­der Arbeits­lo­sen­zah­len beschloss die fran­zö­si­sche Regie­rung, fle­xi­ble befris­te­te Arbeits­ver­trä­ge und vie­le sub­ven­tio­nier­te Jobs ein­zu­füh­ren, anstatt die extrem star­ren unbe­fris­te­ten Ver­trä­ge fle­xi­bler zu machen. Die Zah­len spre­chen für sich: 2013 waren 85% der neu­en Stel­len Jobs mit befris­te­ten Ver­trä­gen. Dar­über hin­aus bezo­gen sich 77% der gesam­ten Kün­di­gun­gen auf befris­te­te Ver­trä­ge.

In Wirk­lich­keit stellt ein befris­te­ter Ver­trag weder die Arbeit­neh­mer noch die Arbeit­ge­ber zufrie­den. Arbeit­neh­mer haben dadurch kaum Kün­di­gungs­schutz. Arbeit­ge­ber sind nicht dazu geneigt, einen befris­te­ten Ver­trag zu ver­län­gern, da er sich sonst nach fran­zö­si­schem Recht auto­ma­tisch in einen unbe­fris­te­ten Ver­trag ver­wan­delt. Des­halb plä­diert Tiro­le für die Ein­füh­rung von mehr Fle­xi­bi­li­tät bei unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen, um fran­zö­si­sche Unter­neh­men dazu zu bewe­gen, mehr Arbeit­neh­mer mit unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen ein­zu­stel­len und somit mit „bes­se­ren Jobs” und nicht mit unsi­che­ren, befris­te­ten Ver­trä­gen auf­zu­war­ten.

Das Arbeits­recht Frank­reichs umfasst mit allen Ergän­zun­gen inzwi­schen meh­re­re tau­send Sei­ten und ist von den Unter­neh­men kaum zu admi­nis­trie­ren. Ein Bei­spiel für die Skur­ri­li­tät der Vor­schrif­ten:

Vor Aus­spruch der Kün­di­gung muss der Arbeit­neh­mer zu einem Vor­ge­spräch ein­ge­la­den wer­den, in dem die­ser über die Absicht des Arbeit­ge­bers infor­miert wird, ihn zu kün­di­gen. In die­sem Vor­ge­spräch darf der Arbeit­ge­ber nicht den Ein­druck ver­mit­teln, den Ent­schluss zur Kün­di­gung bereits gefasst zu haben.

Fazit: wenn man es Unter­neh­men schwer macht, Arbeits­kräf­te zu kün­di­gen, stel­len sie erst gar kei­ne ein. Das Arbeits­recht in Frank­reich (genau wie in Spa­ni­en und Ita­li­en) ist Mit­ver­ur­sa­cher der hohen Arbeits­ko­sig­keit.

Geldpolitik und Fiskalpolitik

Michael Scherling am 22. August 2016

War­um schrei­be ich über 2 Begrif­fe, die lang­wei­lig klin­gen und in Volks­wirt­schafts­bü­chern gut auf­ge­ho­ben sind?

Ganz ein­fach: Jeder von Ihnen ist von bei­den Berei­chen betrof­fen.

Mit Geld­po­li­tik ist vor allem die Geld­men­ge und die Höhe der Zin­sen gemeint. Ver­ant­wort­lich sind die Zen­tral­ban­ken, die vor 2008 nie­mand bemerkt hat, die aber seit damals als Ret­ter der west­li­chen Welt her­hal­ten müs­sen. Die Zin­sen wur­den auf Null gesenkt, Ban­ken­hilfs­pro­gram­me auf­ge­legt und Staats­an­lei­hen gekauft.

Das Fazit nach 8 Jah­ren fällt posi­tiv aus: ein Nega­tiv­kreis­lauf wie in den 1930ern wur­de ver­hin­dert. Nun ist die Geld­po­li­tik aber am Ende. Wei­te­re Zins­sen­kun­gen sind kaum mög­lich, weil die Bür­ger sonst ins Bar­geld flie­hen wür­den. Öster­rei­chi­sche oder deut­sche Staats­an­lei­hen mit posi­ti­vem Ertrag gibt es kaum noch zu kau­fen.

Im Fall einer erneu­ten schwe­ren Kri­se kön­nen dies­mal auch die Zen­tral­ban­ken nicht mehr hel­fen.

Was tun?

Eine Idee, die unter Öko­no­men und Poli­ti­kern viel dis­ku­tiert wird, ist die Fis­kal­po­li­tik. Damit ist der­zeit weni­ger die Besteue­rung gemeint (wegen der bereits enor­men Steu­er­last ist ein Zusatz­er­trag kaum mög­lich), son­dern Mehr­aus­ga­ben durch den Staat.

Inves­ti­tio­nen in Bil­dung, For­schung, Unter­neh­mens­grün­dun­gen und Infra­struk­tur schaf­fen nicht nur kurz­fris­tig Arbeits­plät­ze und höhe­res Wirt­schafts­wachs­tum, son­dern stei­gern den Wohl­stand auch lang­fris­tig. Weil die­ser Wer­te­zu­wachs ja auch wie­der besteu­ert wird, finan­zie­ren sich die Staats­aus­ga­ben von selbst.

Die­se Idee ist nicht nur theo­re­tisch fun­diert, son­dern auch in der Pra­xis erprobt.

Lei­der schei­tern sol­che Vor­ha­ben meis­tens an popu­lis­ti­schen Poli­ti­kern, die ande­re Inter­es­sen haben. Japa­ni­sche Poli­ti­ker lie­ßen Brü­cken auf öko­no­misch irrele­van­te Inseln bau­en, um Wäh­ler­stim­men zu gewin­nen. Öster­rei­chi­sche Volks­ver­tre­ter erhöh­ten die Pend­ler­pau­scha­len und errich­ten sinn­lo­se Tun­nel aus dem­sel­ben Grund. Öko­no­mi­schen Nut­zen bringt das natür­lich nicht. Die Staats­ver­schul­dung steigt ohne dau­er­haf­ten Wohl­stands­zu­wachs.

Fazit: Ver­mut­lich noch in die­sem Jahr könn­ten die fis­kal­po­li­ti­schen Aus­ga­ben inter­na­tio­nal stei­gen. Das soll­te zu höhe­rem Wachs­tum (und zu höhe­ren Akti­en­kur­sen) füh­ren. Ob die rich­ti­gen Inves­ti­tio­nen getä­tigt wer­den oder die Poli­ti­ker Wäh­ler­stim­men­op­ti­mie­rung betrei­ben, ist aller­dings noch unklar…

Ein wirklicher Experte

Michael Scherling am 17. Juni 2016

Ges­tern hat­te ich die für einen Öko­no­men wie mich wun­der­ba­re Gele­gen­heit auf einen wirk­li­chen Exper­ten in Sachen Geld zu tref­fen:

Dr. Phil­ipp Hil­de­brand — er war Prä­si­dent der Schwei­zer Natio­nal­bank bis 2012

Sei­ne Sicht der Din­ge ist auch des­halb so inter­es­sant, weil er nun sehr viel offe­ner spre­chen kann als in sei­ner alten Posi­ti­on. Er hat die Schweiz durch die Finanz­kri­se 2008 gesteu­ert und war für die Ein­füh­rung des Min­dest­kur­ses von 1,2 Fran­ken zum Euro ver­ant­wort­lich.

Hier eini­ge sei­ner Aus­sa­gen:

  • Ohne Ein­grei­fen der Zen­tral­ban­ken wäre die Finanz­kri­se um ein Viel­fa­ches schlim­mer aus­ge­fal­len. Ich ver­mu­te, dass kaum eine Bank über­lebt hät­te und auch die Sicher­heit von Spar­bü­chern gefähr­det gewe­sen wäre. Er mein­te, dass die Men­schen unend­lich dank­bar wären, wenn sie wüss­ten was ohne die Aktio­nen der Noten­ban­ken pas­sie­ren hät­te kön­nen.
  • In den USA gin­gen zwar rund 140 klei­ne Ban­ken in Kon­kurs, alle gro­ße Ban­ken wur­den aber zwangs­wei­se reka­pi­ta­li­siert und ste­hen der­zeit schon wie­der auf sehr star­ken Bei­nen. In Euro­pa trau­ten sich die Poli­ti­ker nicht, sol­che Men­gen an Geld bereit zu stel­len. Aus die­sem Grund ist der Ban­ken­sek­tor immer noch nicht saniert und kann nicht aus­rei­chend Kre­di­te an die Unter­neh­men ver­ge­ben. Das brem­se die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung mas­siv.
  • Span­nen­des zum The­ma Refor­men: Das spa­ni­sche Arbeits­recht stamm­te aus der Zeit der Dik­ta­tur Fran­kos (der es von Mus­so­li­ni über­nom­men hat­te). Es war für die hohe Arbeits­lo­sig­keit ver­ant­wort­lich, weil es unmög­lich war, jeman­den zu ent­las­sen. Die Fol­ge davon: es wur­de gleich gar nie­mand ein­ge­stellt. Nur weil Spa­ni­en durch die Finanz­kri­se zah­lungs­un­fä­hig wur­de und die EU-Part­ner und der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds es ver­lang­ten, kam es zu einer Reform. Seit­her sinkt die Arbeits­lo­sig­keit ohne Unter­bre­chung. Wie schon Albert Ein­stein sag­te: “Es ist die Kri­se selbst, die den Fort­schritt bringt”
  • Dr. Hil­de­brand warnt davor, Ver­gan­gen­heits­ent­wick­lun­gen in die Zukunft zu extra­po­lie­ren. Nur weil es meh­re­re Jah­re mit wenig Wachs­tum und Null­zin­sen gege­ben hat, müss­te das nicht immer so wei­ter­ge­hen. Spe­zi­ell in den USA sieht er 2017/2018 höhe­res Wachs­tum, höhe­re Infla­ti­on und auch höhe­re Zin­sen. Auf mei­ne Fra­ge, wie es in Euro­pa mög­lich sein soll, bei einer sta­gnie­ren­den Bevöl­ke­rung Wachs­tum zu erzeu­gen, mein­te er dass eine stär­ke­re Ein­be­zie­hung von Älte­ren und Frau­en die Erwerbs­be­völ­ke­rung stei­gern könn­te. Refor­men und Inves­ti­tio­nen in Bil­dung ver­stärk­ten die­sen Effekt. Flücht­lin­ge wür­den dabei auf vie­le Jah­re nicht hel­fen.
  • Schreck­lich schaut es aus sei­ner Sicht in Frank­reich aus, das demo­gra­fisch eigent­lich die bes­te Situa­ti­on hät­te (höchs­te Gebur­ten­ra­te). Hier war die Kri­se nicht schlimm genug, um im Sin­ne Ein­steins zu sinn­vol­len Refor­men zu füh­ren. Seit 10 Jah­ren wur­den kei­ne neu­en Arbeits­plät­ze mehr geschaf­fen, weil der über­bor­den­de Staats­sek­tor die Indus­trie fast aus­ge­löscht hat. Und mehr Staats­be­diens­te­te füh­ren nicht zu mehr Wachs­tum oder mehr Wohl­stand, son­dern nur zu mehr Schul­den.
  • Zum Schluss noch ein erfreu­li­cher Punkt: Dr. Hil­de­brand sieht die Kon­junk­tur in Euro­pa auf dem rich­ti­gen Weg und erkennt selbst in Ita­li­en und Frank­reich einen Anstieg der Reform­be­reit­schaft.

Wenn Schulden zu Luft werden

Michael Scherling am 21. April 2016

Ich has­se Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. 9 von 10 erwei­sen sich als falsch und eine wird durch rei­nen Zufall wahr.

Heu­te möch­te ich aber sel­ber eine Pro­gno­se in die Welt set­zen, die von Vie­len als Ver­schwö­rungs­theo­rie abge­tan wer­den wird.

Bekannt ist ja, dass vie­le Staa­ten den “Point of no return” bei der Schul­den­trag­fä­hig­keit über­schrit­ten haben. Kein Öko­nom welt­weit kann erklä­ren, wie die Staats­schul­den jemals zurück­ge­zahlt wer­den sol­len. Die altern­den und teil­wei­se schrump­fen­den Bevöl­ke­run­gen von Län­dern wie Japan, Ita­li­en oder Grie­chen­land kön­nen nie­mals genug Wirt­schafts­wachs­tum gene­rie­ren, um die rie­si­gen Alt­las­ten zu til­gen.

Der Ver­such der Zen­tral­ban­ken, künst­lich Infla­ti­on zu schaf­fen und damit die Schul­den­last zu ver­rin­gern, wird zwar lang­fris­tig zum Erfolg füh­ren (ich wer­de mich bemü­hen, Sie recht­zei­tig vor kom­men­der Geld­ent­wer­tung zu war­nen!), aber auf kur­ze Sicht hat das über­haupt nicht funk­tio­niert.

Nun gibt es die ers­ten Gerüch­te, wie man sich sehr ele­gant von Alt­las­ten zu befrei­en gedenkt. Vor­rei­ter ist wie immer Japan. Rela­tiv unbe­merkt von der Öffent­lich­keit kauft die Zen­tral­bank gleich vie­le Staats­an­lei­hen (=Staats­schul­den) auf wie die Regie­rung jähr­lich neue Anlei­hen aus­gibt. Die Zen­tral­bank finan­ziert also jetzt bereits die Aus­ga­ben des japa­ni­schen Staa­tes, die nicht durch Ein­nah­men gedeckt sind (5,5% der Wirt­schafts­leis­tung jähr­lich).

Der nächs­te Schritt ist aus mei­ner Sicht vor­pro­gram­miert: Schon jetzt ist rund ein Drit­tel der japa­ni­schen Staats­schul­den in Hän­den der Zen­tral­bank. Mög­li­cher­wei­se wird die­ser Teil bereits heu­er für wert­los erklärt (oder umge­wan­delt in Titel mit ewi­ger Lauf­zeit und Zins­satz Null). Ein ele­gan­ter Weg, sich von alten Ver­bind­lich­kei­ten zu tren­nen.

Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank folgt die­sem Vor­bild. Es ist also nicht abwe­gig, dass es auch in Euro­pa zu einer sol­chen Lösung kom­men wird.

Der klei­ne Nach­teil dabei: nie­mand kann Ihnen sagen, wel­che Fol­gen die­ser Schritt haben wird. Eine Ver­trau­ens­kri­se in unser Geld­sys­tem ist nicht aus­zu­schlie­ßen.

Eine kla­re Emp­feh­lung kann ich Ihnen aber geben: inves­tie­ren Sie in Real­wer­te, also Immo­bi­li­en, Akti­en und Gold. Lei­der sind Wohn­im­mo­bi­li­en nach dem 50%-Anstieg in Öster­reich schon zu teu­er, ande­re Seg­men­te wir­ken aber noch inter­es­sant.

Bezüg­lich Gold möch­te ich auf mei­nen Jän­ner-Arti­kel ver­wei­sen http://www.deroekonom.at/2016/01/wird-gold-im-jahr-2016-glaenzen/. Die ange­kün­dig­te Preis­stei­ge­rung ist bereits ein­ge­tre­ten.

Für 90% der Öster­rei­cher sind Akti­en nur Spe­ku­la­ti­ons­ob­jek­te. Die­se Sicht trifft nur zu, wenn man ein­zel­ne Titel kauft. Wer aber welt­weit breit gestreut inves­tiert, wird auch in den nächs­ten 10 Jah­ren gute Erträ­ge erwirt­schaf­ten. Denn: so lan­ge es Men­schen gibt, gibt es auch Unter­neh­men. Akti­en­fonds schwan­ken zwar, sind lang­fris­tig aber siche­rer als Spar­bü­cher und Staats­an­lei­hen. Das wird Ihnen die Gene­ra­ti­on der 1930er Jah­re bestä­ti­gen.

Fazit: span­nen­de Zeit kom­men auf uns zu. Berei­ten Sie sich vor!

 

Wieder einmal Panik

Michael Scherling am 11. Februar 2016

Vor 10 Mona­ten stand der Index der deut­schen Akti­en bei 12.000 Punk­ten, heu­te bei 8.800, also ein Ver­lust von 27%. In Bra­si­li­en, Chi­na bra­chen die Bör­sen noch viel mehr ein und sogar eini­ge Anleihe­seg­men­te wie­sen zwei­stel­li­ge Minu­ser­trä­ge auf.

Ist es ange­bracht, panisch zu wer­den?

Beson­ders span­nend fin­de ich, dass sämt­li­che “Begrün­dun­gen” für die­se Ent­wick­lun­gen auch bei den Bör­se-Höchst­stän­den vor 10 Mona­ten schon bekannt waren:

  1. Chi­na: seit 2 Jah­ren weiß man, dass die chi­ne­si­sche Wirt­schaft von Indus­trie auf Dienst­leis­tun­gen umge­baut wird. Dass nun eini­ge Pro­du­zen­ten lei­den, weni­ger expor­tiert wird und die Wäh­rung fällt, ist ein ganz nor­ma­ler Pro­zess. Ein Wachs­tum von immer noch 4 – 5% ist das Viel­fa­che des US- und Euro­pa-Wachs­tums. Zusätz­lich pro­fi­tie­ren gera­de Chi­na und unser Kon­ti­nent von tie­fen Roh­stoff­prei­sen.
  2. Fau­le Kre­di­te: 13% not­lei­den­de Kre­di­te in Ita­li­en, 10% in Chi­na und strau­cheln­de Ban­ken sind kein schö­ner Zustand, aber auch das ist kei­nes­wegs neu. Die Zen­tral­ban­ken ken­nen die­se Fak­to­ren genau, die Ver­hand­lun­gen für eine Lösung lau­fen seit vie­len Mona­ten.
  3. Wachs­tums­ein­bruch in den USA: Nord­ame­ri­ka hat seit 2009 sehr vom Schie­feröl­boom pro­fi­tiert. Ein guter Teil des Wirt­schafts­wachs­tums hat­te hier sei­nen Ursprung. Bei Ölprei­sen wie der­zeit dreht sich die Ent­wick­lung um. Ver­stärkt wird sie durch den schon sehr lan­gen Kon­junk­tur­auf­schwung, der nun zu Ende ist. Zusätz­lich lei­den die USA unter dem star­ken Dol­lar, der Expor­te erschwert. Alles in allem aber ein nor­ma­ler Kon­junk­tur­zy­klus und kei­nes­wegs eine Über­ra­schung.

Wie üblich ver­stär­ken die Medi­en die Wahr­neh­mung nega­ti­ver Ereig­nis­se. Auch Ban­ken über­tref­fen sich in Nega­tiv­pro­gno­sen. Wie sinn­los die­se sind, sieht man am Bei­spiel Gold­man Sachs: die bekann­tes­te US-Invest­ment­bank muss­te gera­de 5 ihrer 6 Pro­gno­sen für 2016 zurück­neh­men (Anfang Febru­ar!). Immer noch rech­net das Insti­tut mit 4 US-Zins­stei­ge­run­gen in die­sem Jahr. Auch die­se Pro­gno­se wird sich als falsch erwei­sen. Bei einem zu erwar­ten­den Kon­junk­tur­rück­gang die Zin­sen zu erhö­hen, wäre kon­tra­pro­duk­tiv und wird daher nicht pas­sie­ren.

Wei­ter­hin lei­den wer­den wohl Roh­stoff­pro­du­zen­ten wie Bra­si­li­en oder Öllän­der wie Sau­di Ara­bi­en, was durch­aus zu poli­tisch unru­hi­gen Zei­ten füh­ren kann. Chi­na wird nie wie­der so hohe Wachs­tums­ra­ten bei den Roh­stoff-Impor­ten auf­wei­sen wie in der Ver­gan­gen­heit.

Wann geht es wie­der auf­wärts?

Kei­ne Ahnung, Sie wis­sen ja: an den Bör­sen machen lang­fris­tig die Stra­te­gen die Kur­se, kurz­fris­tig aber die Psy­cho­pa­then. Wohin die­se die Wer­te trei­ben, weiß ich nicht (ich bin ja kei­ner).

Aus­lö­ser für einen Auf­wärts­be­we­gung wäre aber z.B. eine Ver­kün­dung des Ver­zichts auf Zins­er­hö­hun­gen in den USA oder ein wei­ter anhal­ten­der euro­päi­scher Kon­junk­tur­auf­schwung (ja, den gibt es!).

Fazit: Men­schen agie­ren nicht ratio­nal und wer­den es auch nie tun. Gier und Panik wech­seln ein­an­der ab. Klu­ge Inves­to­ren kön­nen davon pro­fi­tie­ren!