Ein wirklicher Experte

Michael Scherling am 17. June 2016

Ges­tern hat­te ich die für einen Öko­no­men wie mich wun­der­ba­re Gele­gen­heit auf einen wirk­li­chen Exper­ten in Sachen Geld zu tref­fen:

Dr. Phil­ipp Hil­de­brand — er war Prä­si­dent der Schwei­zer Natio­nal­bank bis 2012

Sei­ne Sicht der Din­ge ist auch des­halb so inter­es­sant, weil er nun sehr viel offe­ner spre­chen kann als in sei­ner alten Posi­ti­on. Er hat die Schweiz durch die Finanz­kri­se 2008 gesteu­ert und war für die Ein­füh­rung des Min­dest­kur­ses von 1,2 Fran­ken zum Euro ver­ant­wort­li­ch.

Hier eini­ge sei­ner Aus­sa­gen:

  • Ohne Ein­grei­fen der Zen­tral­ban­ken wäre die Finanz­kri­se um ein Viel­fa­ches schlim­mer aus­ge­fal­len. Ich ver­mu­te, dass kaum eine Bank über­lebt hät­te und auch die Sicher­heit von Spar­bü­chern gefähr­det gewe­sen wäre. Er mein­te, dass die Men­schen unend­li­ch dank­bar wären, wenn sie wüss­ten was ohne die Aktio­nen der Noten­ban­ken pas­sie­ren hät­te kön­nen.
  • In den USA gin­gen zwar rund 140 klei­ne Ban­ken in Kon­kurs, alle gro­ße Ban­ken wur­den aber zwangs­wei­se reka­pi­ta­li­siert und ste­hen der­zeit schon wie­der auf sehr star­ken Bei­nen. In Euro­pa trau­ten sich die Poli­ti­ker nicht, sol­che Men­gen an Geld bereit zu stel­len. Aus die­sem Grund ist der Ban­ken­sek­tor immer noch nicht saniert und kann nicht aus­rei­chend Kre­di­te an die Unter­neh­men ver­ge­ben. Das brem­se die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung mas­siv.
  • Span­nen­des zum The­ma Refor­men: Das spa­ni­sche Arbeits­recht stamm­te aus der Zeit der Dik­ta­tur Fran­kos (der es von Mus­so­li­ni über­nom­men hat­te). Es war für die hohe Arbeits­lo­sig­keit ver­ant­wort­li­ch, weil es unmög­li­ch war, jeman­den zu ent­las­sen. Die Fol­ge davon: es wur­de gleich gar nie­mand ein­ge­stellt. Nur weil Spa­ni­en durch die Finanz­kri­se zah­lungs­un­fä­hig wur­de und die EU-Part­ner und der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds es ver­lang­ten, kam es zu einer Reform. Seit­her sinkt die Arbeits­lo­sig­keit ohne Unter­bre­chung. Wie schon Albert Ein­stein sag­te: “Es ist die Kri­se selbst, die den Fort­schritt bringt”
  • Dr. Hil­de­brand warnt davor, Ver­gan­gen­heits­ent­wick­lun­gen in die Zukunft zu extra­po­lie­ren. Nur weil es meh­re­re Jah­re mit wenig Wachs­tum und Null­zin­sen gege­ben hat, müss­te das nicht immer so wei­ter­ge­hen. Spe­zi­ell in den USA sieht er 2017/2018 höhe­res Wachs­tum, höhe­re Infla­ti­on und auch höhe­re Zin­sen. Auf mei­ne Fra­ge, wie es in Euro­pa mög­li­ch sein soll, bei einer sta­gnie­ren­den Bevöl­ke­rung Wachs­tum zu erzeu­gen, mein­te er dass eine stär­ke­re Ein­be­zie­hung von Älte­ren und Frau­en die Erwerbs­be­völ­ke­rung stei­gern könn­te. Refor­men und Inves­ti­tio­nen in Bil­dung ver­stärk­ten die­sen Effekt. Flücht­lin­ge wür­den dabei auf vie­le Jah­re nicht hel­fen.
  • Schreck­li­ch schaut es aus sei­ner Sicht in Frank­reich aus, das demo­gra­fi­sch eigent­li­ch die bes­te Situa­ti­on hät­te (höchs­te Gebur­ten­ra­te). Hier war die Kri­se nicht schlimm genug, um im Sin­ne Ein­steins zu sinn­vol­len Refor­men zu füh­ren. Seit 10 Jah­ren wur­den kei­ne neu­en Arbeits­plät­ze mehr geschaf­fen, weil der über­bor­den­de Staats­sek­tor die Indus­trie fast aus­ge­löscht hat. Und mehr Staats­be­diens­te­te füh­ren nicht zu mehr Wachs­tum oder mehr Wohl­stand, son­dern nur zu mehr Schul­den.
  • Zum Schluss noch ein erfreu­li­cher Punkt: Dr. Hil­de­brand sieht die Kon­junk­tur in Euro­pa auf dem rich­ti­gen Weg und erkennt selbst in Ita­li­en und Frank­reich einen Anstieg der Reform­be­reit­schaft.

Wenn Schulden zu Luft werden

Michael Scherling am 21. April 2016

Ich has­se Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. 9 von 10 erwei­sen sich als fal­sch und eine wird durch rei­nen Zufall wahr.

Heu­te möch­te ich aber sel­ber eine Pro­gno­se in die Welt set­zen, die von Vie­len als Ver­schwö­rungs­theo­rie abge­tan wer­den wird.

Bekannt ist ja, dass vie­le Staa­ten den “Point of no return” bei der Schul­den­trag­fä­hig­keit über­schrit­ten haben. Kein Öko­nom welt­weit kann erklä­ren, wie die Staats­schul­den jemals zurück­ge­zahlt wer­den sol­len. Die altern­den und teil­wei­se schrump­fen­den Bevöl­ke­run­gen von Län­dern wie Japan, Ita­li­en oder Grie­chen­land kön­nen nie­mals genug Wirt­schafts­wachs­tum gene­rie­ren, um die rie­si­gen Alt­las­ten zu til­gen.

Der Ver­su­ch der Zen­tral­ban­ken, künst­li­ch Infla­ti­on zu schaf­fen und damit die Schul­den­last zu ver­rin­gern, wird zwar lang­fris­tig zum Erfolg füh­ren (ich wer­de mich bemü­hen, Sie recht­zei­tig vor kom­men­der Geld­ent­wer­tung zu war­nen!), aber auf kur­ze Sicht hat das über­haupt nicht funk­tio­niert.

Nun gibt es die ers­ten Gerüch­te, wie man sich sehr ele­gant von Alt­las­ten zu befrei­en gedenkt. Vor­rei­ter ist wie immer Japan. Rela­tiv unbe­merkt von der Öffent­lich­keit kauft die Zen­tral­bank gleich vie­le Staats­an­lei­hen (=Staats­schul­den) auf wie die Regie­rung jähr­li­ch neue Anlei­hen aus­gibt. Die Zen­tral­bank finan­ziert also jetzt bereits die Aus­ga­ben des japa­ni­schen Staa­tes, die nicht durch Ein­nah­men gedeckt sind (5,5% der Wirt­schafts­leis­tung jähr­li­ch).

Der nächs­te Schritt ist aus mei­ner Sicht vor­pro­gram­miert: Schon jetzt ist rund ein Drit­tel der japa­ni­schen Staats­schul­den in Hän­den der Zen­tral­bank. Mög­li­cher­wei­se wird die­ser Teil bereits heu­er für wert­los erklärt (oder umge­wan­delt in Titel mit ewi­ger Lauf­zeit und Zins­satz Null). Ein ele­gan­ter Weg, sich von alten Ver­bind­lich­kei­ten zu tren­nen.

Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank folgt die­sem Vor­bild. Es ist also nicht abwe­gig, dass es auch in Euro­pa zu einer sol­chen Lösung kom­men wird.

Der klei­ne Nach­teil dabei: nie­mand kann Ihnen sagen, wel­che Fol­gen die­ser Schritt haben wird. Eine Ver­trau­ens­kri­se in unser Geld­sys­tem ist nicht aus­zu­schlie­ßen.

Eine kla­re Emp­feh­lung kann ich Ihnen aber geben: inves­tie­ren Sie in Real­wer­te, also Immo­bi­li­en, Akti­en und Gold. Lei­der sind Wohn­im­mo­bi­li­en nach dem 50%-Anstieg in Öster­reich schon zu teu­er, ande­re Seg­men­te wir­ken aber noch inter­es­sant.

Bezüg­li­ch Gold möch­te ich auf mei­nen Jän­ner-Arti­kel ver­wei­sen http://www.deroekonom.at/2016/01/wird-gold-im-jahr-2016-glaenzen/. Die ange­kün­dig­te Preis­stei­ge­rung ist bereits ein­ge­tre­ten.

Für 90% der Öster­rei­cher sind Akti­en nur Spe­ku­la­ti­ons­ob­jek­te. Die­se Sicht trifft nur zu, wenn man ein­zel­ne Titel kauft. Wer aber welt­weit breit gestreut inves­tiert, wird auch in den nächs­ten 10 Jah­ren gute Erträ­ge erwirt­schaf­ten. Denn: so lan­ge es Men­schen gibt, gibt es auch Unter­neh­men. Akti­en­fonds schwan­ken zwar, sind lang­fris­tig aber siche­rer als Spar­bü­cher und Staats­an­lei­hen. Das wird Ihnen die Gene­ra­ti­on der 1930er Jah­re bestä­ti­gen.

Fazit: span­nen­de Zeit kom­men auf uns zu. Berei­ten Sie sich vor!

 

Wieder einmal Panik

Michael Scherling am 11. February 2016

Vor 10 Mona­ten stand der Index der deut­schen Akti­en bei 12.000 Punk­ten, heu­te bei 8.800, also ein Ver­lust von 27%. In Bra­si­li­en, Chi­na bra­chen die Bör­sen noch viel mehr ein und sogar eini­ge Anlei­he­seg­men­te wie­sen zwei­stel­li­ge Minu­ser­trä­ge auf.

Ist es ange­bracht, pani­sch zu wer­den?

Beson­ders span­nend fin­de ich, dass sämt­li­che “Begrün­dun­gen” für die­se Ent­wick­lun­gen auch bei den Bör­se-Höchst­stän­den vor 10 Mona­ten schon bekannt waren:

  1. Chi­na: seit 2 Jah­ren weiß man, dass die chi­ne­si­sche Wirt­schaft von Indus­trie auf Dienst­leis­tun­gen umge­baut wird. Dass nun eini­ge Pro­du­zen­ten lei­den, weni­ger expor­tiert wird und die Wäh­rung fällt, ist ein ganz nor­ma­ler Pro­zess. Ein Wachs­tum von immer noch 4 – 5% ist das Viel­fa­che des US- und Euro­pa-Wachs­tums. Zusätz­li­ch pro­fi­tie­ren gera­de Chi­na und unser Kon­ti­nent von tie­fen Roh­stoff­prei­sen.
  2. Fau­le Kre­di­te: 13% not­lei­den­de Kre­di­te in Ita­li­en, 10% in Chi­na und strau­cheln­de Ban­ken sind kein schö­ner Zustand, aber auch das ist kei­nes­wegs neu. Die Zen­tral­ban­ken ken­nen die­se Fak­to­ren gen­au, die Ver­hand­lun­gen für eine Lösung lau­fen seit vie­len Mona­ten.
  3. Wachs­tum­s­ein­bruch in den USA: Nord­ame­ri­ka hat seit 2009 sehr vom Schie­fe­röl­boom pro­fi­tiert. Ein guter Teil des Wirt­schafts­wachs­tums hat­te hier sei­nen Ursprung. Bei Ölprei­sen wie der­zeit dreht sich die Ent­wick­lung um. Ver­stärkt wird sie durch den schon sehr lan­gen Kon­junk­tur­auf­schwung, der nun zu Ende ist. Zusätz­li­ch lei­den die USA unter dem star­ken Dol­lar, der Expor­te erschwert. Alles in allem aber ein nor­ma­ler Kon­junk­tur­zy­klus und kei­nes­wegs eine Über­ra­schung.

Wie übli­ch ver­stär­ken die Medi­en die Wahr­neh­mung nega­ti­ver Ereig­nis­se. Auch Ban­ken über­tref­fen sich in Nega­tiv­pro­gno­sen. Wie sinn­los die­se sind, sieht man am Bei­spiel Gold­man Sachs: die bekann­tes­te US-Invest­ment­bank mus­s­te gera­de 5 ihrer 6 Pro­gno­sen für 2016 zurück­neh­men (Anfang Febru­ar!). Immer noch rech­net das Insti­tut mit 4 US-Zins­stei­ge­run­gen in die­sem Jahr. Auch die­se Pro­gno­se wird sich als fal­sch erwei­sen. Bei einem zu erwar­ten­den Kon­junk­tur­rück­gang die Zin­sen zu erhö­hen, wäre kon­tra­pro­duk­tiv und wird daher nicht pas­sie­ren.

Wei­ter­hin lei­den wer­den wohl Roh­stoff­pro­du­zen­ten wie Bra­si­li­en oder Öllän­der wie Sau­di Ara­bi­en, was durch­aus zu poli­ti­sch unru­hi­gen Zei­ten füh­ren kann. Chi­na wird nie wie­der so hohe Wachs­tums­ra­ten bei den Roh­stoff-Impor­ten auf­wei­sen wie in der Ver­gan­gen­heit.

Wann geht es wie­der auf­wärts?

Kei­ne Ahnung, Sie wis­sen ja: an den Bör­sen machen lang­fris­tig die Stra­te­gen die Kur­se, kurz­fris­tig aber die Psy­cho­pa­then. Wohin die­se die Wer­te trei­ben, weiß ich nicht (ich bin ja kei­ner).

Aus­lö­ser für einen Auf­wärts­be­we­gung wäre aber z.B. eine Ver­kün­dung des Ver­zichts auf Zins­er­hö­hun­gen in den USA oder ein wei­ter anhal­ten­der euro­päi­scher Kon­junk­tur­auf­schwung (ja, den gibt es!).

Fazit: Men­schen agie­ren nicht ratio­nal und wer­den es auch nie tun. Gier und Panik wech­seln ein­an­der ab. Klu­ge Inves­to­ren kön­nen davon pro­fi­tie­ren!

Wird Gold im Jahr 2016 glänzen?

Michael Scherling am 6. January 2016

Men­schen ten­die­ren dazu, Trends der Ver­gan­gen­heit in die Zukunft fort­zu­schrei­ben. So glaub­ten vie­le nach einem Anstieg des Gold­prei­ses von 500 auf  1.900 Dol­lar pro Unze von 2006 bis 2011 an eine wei­te­re Stei­ge­rung auf 10.000 Dol­lar in weni­gen Jah­ren.

Gen­au das Gegen­teil pas­sier­te: weil zu vie­le Leu­te mit­spe­ku­liert hat­ten und kei­ne neue Nach­fra­ge mehr vor­han­den war, sank der Preis auf unter 1.100 Dol­lar. Eini­ge Käu­fer hat­ten sich von fal­sch dar­ge­stell­ten Zusam­men­hän­gen blen­den las­sen. So schützt Gold etwa wie schon 2011 und 2013 in die­sem Blog beschrie­ben, kei­nes­wegs vor Infla­ti­on.

Den­no­ch sind die Aus­sich­ten für 2016 nicht so schlecht:

Kaum jemand glaubt an stei­gen­de Gold­no­tie­run­gen. Anti­zy­kli­sche Inves­to­ren wis­sen dass das ein Hin­weis auf höhe­re Kur­se ist.

Noch viel wich­ti­ger ist aber Fol­gen­des:

Am stärks­ten ist der Gold­preis vom “Real­zins” abhän­gig. Ein Bei­spiel: Wenn der Spar­buch­zins 4% beträgt und die Infla­ti­on 2%, dann ist der Real­zins 2%. In einem sol­chen Sze­na­rio gibt es kaum Grün­de für Edel­me­tall­käu­fe, da die­se kei­nen lau­fen­den Ertrag brin­gen, das Spar­buch hin­ge­gen schon.

Hat man eine Idee, wie sich die­ser rea­le Zins ent­wi­ckelt, kann man auch eine Ten­denz beim Gold­preis erah­nen, weil gilt: höhe­rer Real­zins = tie­fe­rer Gold­preis und umge­kehrt.

Die aktu­el­le Situa­ti­on stellt sich etwa so dar: In den USA glau­ben alle an einen höhe­ren Real­zins, weil die Zen­tral­bank die Zin­sen erhöht und die Infla­ti­on nied­rig ange­nom­men wird. Bei­de Annah­men hal­te ich für fal­sch und damit auch die Idee fal­len­der Edel­me­tall­no­tie­run­gen.

Die Lage der ame­ri­ka­ni­schen Indus­trie ist nicht gut und auch son­st zeich­net sich ein Kon­junk­tur­ab­schwung ab. Am stärks­ten wach­sen noch die Dienst­leis­tun­gen und dabei die Anwalts­ho­no­ra­re. Ein nach­hal­ti­ges Wirt­schafts­wachs­tum zeich­net sich aber nicht dadurch aus, dass wir uns gegen­sei­tig immer mehr ver­kla­gen…

Fazit: Die US-Zen­tral­bank wird die Zin­sen weit weni­ger erhö­hen kön­nen als ange­nom­men wird, weil höhe­re Zin­sen die Wirt­schaft zu stark brem­sen wür­den.

Zur Infla­ti­on: die­se ist vor allem wegen des gesun­ke­nen Ölprei­ses so tief. Pro­zen­tu­ell kann die­ser aber gar nicht so stark wei­ter fal­len. Sta­bi­li­siert er sich nur, steigt die Teue­rungs­ra­te auto­ma­ti­sch.

Somit wird es aus mei­ner Sicht kei­nen stei­gen­den Real­zins geben — die stei­gen­de Infla­ti­on wird den nur wenig höhe­ren Zins­er­trag eli­mi­nie­ren. Dadurch wer­den Gol­din­vest­ments lukra­ti­ver.

Fazit: Glau­ben Sie kei­ner Gold­pro­gno­se, auch mei­ner nicht. Eine Vor­her­sag­bar­keit ist grund­sätz­li­ch nicht gege­ben. Den­no­ch ist es sinn­voll, die Zusam­men­hän­ge zu ken­nen, um sich nicht von Gerüch­ten und Medi­en­schlag­zei­len in die Irre füh­ren zu las­sen.

 

Die falsche Sicht auf China

Michael Scherling am 16. November 2015

Seit ich im Jahr 2003 eine Stu­die mit dem Namen “Ver­gleich der Trans­for­ma­ti­on des Kom­mu­nis­mus in Russ­land und Chi­na” gele­sen habe, beschäf­ti­ge ich mich inten­siv mit dem Mil­li­ar­den­volk und sei­ner Öko­no­mie.

Schon damals war ersicht­li­ch, dass die Rus­sen ziem­li­ch alles fal­sch gemacht hat­ten und die Chi­ne­sen bei­na­he alles rich­tig (öko­no­mi­sch, nicht poli­ti­sch!).

Den­no­ch wur­de auch 2003 in den Medi­en nur Nega­ti­ves berich­tet. Grund waren damals die inef­fi­zi­en­ten rie­si­gen Staats­be­trie­be, die mit west­li­chen Fir­men in kei­ner Wei­se mit­hal­ten konn­ten.

Wenn man im Jahr 2015 Zei­tun­gen liest oder im Fern­se­hen Berich­ten lauscht, bekommt man immer noch den Ein­druck, dass alles kurz vor dem Zusam­men­bruch steht und dies­mal wegen der Grö­ße der chi­ne­si­schen Wirt­schaft sogar die gan­ze Welt in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wird.

Tat­säch­li­ch ist ein Mas­ter­plan erkenn­bar: 3 Jahr­zehn­te lang wur­de eine gewal­ti­ge Export­in­dus­trie auf­ge­baut und eine moder­ne Infra­struk­tur (Stra­ßen, Bah­nen, Kraft­wer­ke etc.) errich­tet. Die­se Ent­wick­lung ist nun zu Ende. Die chi­ne­si­schen Wirt­schafts­len­ker haben das erkannt und set­zen nun auf eine Stär­kung des Inlands­kon­sums, bes­se­ren Umwelt­schutz und Zukunfts­tech­no­lo­gi­en.

Ers­te ener­gie­aut­ar­ke Städ­te sind bereits im Ent­ste­hen, noch beein­dru­cken­der ist aber die Wohl­stands­ent­wick­lung:

+ Die Ein­zel­han­dels­um­sät­ze stie­gen in den letz­ten 12 Mona­ten um 11%(!!!).

+ Die Lohn­er­hö­hun­gen betru­gen in die­sem Zeit­raum je nach Bran­che zwi­schen 5 und 10%.

+ Die Infla­ti­on, die in den 90er Jah­ren ein Pro­blem war, liegt nur noch bei 1,3%.

+ Die Spar­quo­te der Chi­ne­sen ist 40% — in den USA nur 5%.

+ Kre­dit­fi­nan­zier­ter Kon­sum exis­tiert bei­na­he nicht.

+ Die Zen­tral­bank hat jede Men­ge Hand­lungs­spiel­raum (Zins­sen­kun­gen, rie­si­ge Devi­sen­re­ser­ven etc.).

10% Wachs­tum, die es lan­ge Jah­re gege­ben hat­te, sind natür­li­ch in Zukunft unmög­li­ch, weil die Wirt­schafts­leis­tung bereits so hoch ist. 4 – 7% wer­den es aber auch in den nächs­ten 5 Jah­ren sein.

2013 und 2014 waren die Zei­tun­gen voll von Berich­ten über “Geis­ter­städ­te in Chi­na” und eine schreck­li­che “Immo­bi­li­en­preis­bla­se”.

Wahr ist, dass die Woh­nungs­prei­se 2014 ein paar Pro­zent­punk­te gesun­ken sind. Inzwi­schen stei­gen sie aber wie­der und die Leer­stän­de gehen zurück — eine ganz nor­ma­le Ent­wick­lung im Wirt­schafts­zy­klus. Es gab kaum kre­dit­fi­nan­zier­te Käu­fe und bei vie­len Mil­lio­nen Men­schen die vom Land in die Städ­te zie­hen, ste­hen Woh­nun­gen nicht sehr lan­ge leer.

Rich­tig ist, dass die Indus­trie kaum wächst und Expor­te und Impor­te sin­ken. Gen­au das ist aber von der Regie­rung gewollt und bei einem immer noch gewal­ti­gen Wirt­schafts­wachs­tum von 4 – 7% unpro­ble­ma­ti­sch.

War­um berich­ten unse­re Medi­en also so nega­tiv und fal­sch über das fern­öst­li­che Land?

1. Kaum ein Jour­na­list ver­steht die öko­no­mi­schen Zusam­men­hän­ge. Eher wird gegen­sei­tig Unsinn abge­schrie­ben.

2. Wie übli­ch, müs­sen Medi­en 3 Mal mehr Nega­ti­ves berich­ten als Posi­ti­ves, um der mensch­li­chen Psy­che zu ent­spre­chen, die schlech­te Nach­rich­ten drei­mal so stark wahr­nimmt wie gute. Zei­tun­gen wol­len ja ver­kauft wer­den…

Fazit: Die Chi­ne­sen haben Erstaun­li­ches in den letz­ten 40 Jah­ren geleis­tet und vie­les spricht dafür, dass man den fern­öst­li­chen Wirt­schafts­len­kern mehr zutrau­en kann als unse­ren.

 

Sinn und Unsinn von Wirtschaftswachstum

Michael Scherling am 5. October 2015

Wachs­tum ist ein wesent­li­ches Ziel aller moder­nen Öko­no­mi­en. Aber war­um? Ist unser Wohl­stands­ni­veau nicht ohne­hin so hoch, dass wir auch ohne Zuwäch­se aus­kom­men?

Zusätz­li­ch las­sen sich Nega­tiv­bei­spie­le ohne Ende fin­den: Erd­be­ben erhö­hen das Brut­to­in­lands­pro­dukt wegen der damit ver­bun­de­nen Mehr­aus­ga­ben genauso wie die Flücht­lings­kri­se. Kon­sum­wahn und Umwelt­zer­stö­rung sind Neben­fol­gen.

Sol­len wir also das Kon­zept des Wachs­tums über Bord wer­fen?

So ein­fach ist es nicht: wir sind näm­li­ch dar­auf ange­wie­sen. Vie­le unse­rer Sys­te­me funk­tio­nie­ren son­st nicht mehr.

- Wie etwa sol­len Staats­schul­den ohne Stei­ge­rung der Wirt­schafts­kraft zurück­ge­zahlt wer­den?

- Wenn die Gesund­heits­aus­ga­ben jähr­li­ch um 5% stei­gen — woher soll der Mehr­auf­wand bezahlt wer­den? Wol­len wir auf neue Medi­ka­men­te und Behand­lungs­me­tho­den ver­zich­ten?

Auch hier fin­det man aus­rei­chend Bei­spie­le, um zu ver­ste­hen, dass ohne Wirt­schafts­wachs­tum kei­ne moder­ne Öko­no­mie funk­ti­ons­fä­hig bleibt.

Rela­tiv ein­fach ist eine Unter­schei­dung zwi­schen gutem und schlech­tem Wachs­tum. Die gute Vari­an­te basiert auf 2 Grund­la­gen:

1. Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs: Men­schen sind erfreu­li­cher­wei­se dau­er­haft in der Lage, Din­ge schnel­ler und bes­ser her­zu­stel­len. Moder­ne Com­pu­ter sind nicht nur leis­tungs­fä­hi­ger als frü­her, son­dern auch bil­li­ger und wer­den schnel­ler zusam­men­ge­schraubt. Neue Erfin­dun­gen und Ver­bes­se­run­gen erhö­hen das Wirt­schafts­wachs­tum und för­dern den Wohl­stand. Unrecht hat­te der Öko­nom Tho­mas Mal­t­hus zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts: er war über­zeugt, dass die Men­schen dau­er­haf­ten Hun­gers­nö­ten aus­ge­setzt sein wer­den, weil die Mensch­heit wächst, wäh­rend das ver­füg­ba­re Acker­land nicht ver­mehr­bar ist. Er hat­te aber auf den Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs in der Land­wirt­schaft ver­ges­sen.

2. Stei­ge­rung der Welt­be­völ­ke­rung: solan­ge die Anzahl an Men­schen zunimmt, kann auch mehr pro­du­ziert und ver­kauft wer­den. Es gibt zwar vie­le nega­ti­ve Effek­te der Über­be­völ­ke­rung, sie ist aber ein wesent­li­cher Trei­ber für Wirt­schafts­wachs­tum.

Die schlech­ten Vari­an­ten ken­nen wir lei­der auch:

1. Krieg: Die höchs­ten Zuwachs­ra­ten hat­ten wir nach dem 2. Welt­krieg — kein Wun­der, wenn alles zer­stört ist, kann man leicht wach­sen.

2. Schul­den: Lei­der ist es auch mög­li­ch, kurz­fris­ti­ges Wachs­tum durch höhe­re Ver­schul­dung zu gene­rie­ren. Dum­mer­wei­se haben wir die­ses Instru­ment schon so stark aus­ge­nutzt, daß die hohen Alt­schul­den wegen der damit ver­bun­de­nen Zins­zah­lun­gen inzwi­schen eine Wachs­tums­brem­se dar­stel­len, weil Geld für sinn­vol­le Inves­ti­tio­nen fehlt.

Trotz­dem gilt, dass vor allem durch den Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs mehr Wohl­stand ent­steht, der auch dazu genutzt wer­den kann, die nega­ti­ven Neben­ef­fek­te wie Umwelt­be­las­tung abzu­mil­dern oder z.B. weni­ger oder gemein­nut­zig zu arbei­ten.

Fazit: Ohne Wirt­schafts­wachs­tum geht es nicht. Es führt kei­nes­wegs auto­ma­ti­sch zu Kon­sum­wahn und Umwelt­zer­stö­rung und soll­te nicht auf Schul­den basie­ren. Dann ist es sinn­voll, nach­hal­tig und erhöht unse­ren Wohl­stand.

 

Wie werden sich Spar- und Kreditzinsen entwickeln?

Michael Scherling am 28. July 2015

Nach­dem der letz­te Arti­kel zu die­sem The­ma (http://www.deroekonom.at/2012/10/wie-werden-sich-die-zinsen-entwickeln/) in Kür­ze 3 Jah­re alt wird, möch­te ich nun wie­der eine Ana­ly­se für die nächs­ten 3 Jah­re machen.

Grund­sätz­li­ch hat sich seit damals wenig ver­än­dert, ein­zig die Erwar­tungs­hal­tung ist nun eine ande­re: 2012 glaub­te mir noch kaum jemand, dass wir vor einer Nied­rig­zins­pha­se ste­hen wer­den wäh­rend aktu­ell immer mehr Men­schen davon aus­ge­hen.

Sach­li­ch gilt es fol­gen­de Umstän­de zu berück­sich­ti­gen:

+ Empi­ri­sch ist zu beob­ach­ten, dass eine altern­de und/oder schrump­fen­de Bevöl­ke­rung zu dau­er­haft nied­ri­gen Zin­sen führt. Öko­no­mi­sche Ursa­che: in einem sol­chen Umfeld gibt es kaum Wachs­tum und gerin­ge Infla­ti­on, wes­halb kein Grund für hohe Zin­sen exis­tiert. Bei­spiel: Japan — seit 1990 ten­die­ren die Zin­sen gegen Null. Auch in Euro­pa altert die Bevöl­ke­rung.

+ In den letz­ten 3 Jah­ren sind die Schul­den­stän­de der Staa­ten wei­ter gestie­gen. Hät­ten wir ein Zins­ni­veau von z.B. 6%, wäre meh­re­re Staa­ten insol­vent, nicht nur Grie­chen­land. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) weiß das natür­li­ch. Sie will den Euro sicher nicht gefähr­den, wes­halb ein star­ker Zins­an­stieg in den nächs­ten 3 Jah­ren völ­lig aus­ge­schlos­sen ist. Nach­dem die EZB das Mono­pol auf unse­re Wäh­rung hat, besitzt sie auch die not­wen­di­gen Mit­tel, um Zins­an­stie­ge zu ver­hin­dern. Man sieht das aktu­ell sehr gut an dem mil­li­ar­den­schwe­ren Anlei­he­kauf­pro­gramm.

Das abso­lu­te Zinstief dürf­te aber hin­ter uns lie­gen. Zu Spit­zen­zei­ten wur­de rund ein Drit­tel der neu aus­ge­ge­be­nen Staats­an­lei­hen mit Null oder sogar Nega­tiv­zins aus­ge­ge­ben. Die­se Skur­ri­li­tät ist vor­bei, weil die Markt­teil­neh­mer nicht mehr mit Defla­ti­on rech­nen.

Bis Herbst 2016 kauft die EZB mit rie­si­gen Sum­men Staats- und ande­re Anlei­hen von den Ban­ken auf. Die­se sol­len ver­stärkt Kre­di­te ver­ge­ben und damit die Wirt­schaft ankur­beln. In die­ser Zeit wäre ein Zins­an­he­bung kon­tra­pro­duk­tiv, womit klar ist, dass in den nächs­ten 1 – 2 Jah­ren die Null­zins­po­li­tik wei­ter­ge­führt wer­den wird.

Fazit: es ist gut mög­li­ch, dass wir auch in 10 Jah­ren noch sehr tie­fe Zin­sen haben wer­den, so gut wie sicher ist das aber für die nächs­ten 3 Jah­re. Kre­dit­neh­mer dür­fen sich also wei­ter­hin freu­en. Für Spa­rer wird es immer schwie­ri­ger, Anla­ge­al­ter­na­ti­ven zu fin­den, die über der Infla­ti­ons­ra­te lie­gen. Noch gibt es sie aber…

Wie geht es Europa?

Michael Scherling am 2. June 2015

Abseits von den übli­chen Nach­rich­ten aus den Medi­en, die sich umso bes­ser ver­kau­fen je extre­me­re Mel­dun­gen sie ver­öf­fent­li­chen, möch­te ich ein paar Facts zur öko­no­mi­schen Situa­ti­on in Euro­pa zusam­men­fas­sen:

+ seit 2013 sin­ken die Arbeits­lo­sen­ra­ten in Spa­ni­en und Grie­chen­land

+ Das Kon­junk­tur­kli­ma in Spa­ni­en ist so gut wie seit 2007 nicht mehr

+ Die KFZ-Neu­zu­las­sun­gen stei­gen euro­pa­weit seit 2 Jah­ren kon­ti­nu­ier­li­ch

+ Die Kre­dit­ver­ga­be­stan­dards der Ban­ken wer­den locke­rer (erst­mals seit 2007!)

+ Die Ein­zel­han­dels­um­sät­ze stei­gen so stark wie seit 10 Jah­ren nicht mehr

+ Immo­bi­li­en- und Unter­neh­mens­kre­di­te wer­den wie­der ver­stärkt nach­ge­fragt

+ Es gibt kaum Infla­ti­on, aber auch Defla­ti­on ist nicht in Sicht

+ Das Ver­brau­cher­ver­trau­en ist auf 10-Jah­res-Höchst­stand

Selbst­ver­ständ­li­ch gibt es noch genü­gend Bau­stel­len im Euro­raum, aber gera­de 2015 schaut aus heu­ti­ger Sicht öko­no­mi­sch erfreu­li­ch aus. Selbst Ereig­nis­se wie ein mög­li­cher Grie­chen­land-Aus­tritt soll­ten nur kurz­fris­ti­ge Wel­len schla­gen. Genie­ßen wir also die Erho­lung — in den nächs­ten Jah­ren kom­men genü­gend Her­aus­for­de­run­gen auf uns zu.

Fazit: Die erfreu­li­che Kom­bi­na­ti­on von tie­f­em Ölpreis, nied­ri­gem Euro und Null­zins­po­li­tik der Zen­tral­bank zeigt Wir­kung. Hof­fen wir, dass auch 2016 etwas davon übrig­bleibt.

Arbeit muss sich wieder lohnen!

Michael Scherling am 8. April 2015

Wir haben der­zeit in Öster­reich und Deutsch­land die skur­ri­le Situa­ti­on, dass sich der Staat gra­tis Geld aus­bor­gen kann. Wer­den z.B. Anlei­hen auf 3 oder 5 Jah­re aus­ge­ge­ben, zah­len bei­de Län­der kei­ne Zin­sen dafür.

Durch das dau­er­haft tie­fe Zins­ni­veau sinkt auch die Belas­tung durch die Alt­schul­den. Deutsch­land etwa mus­s­te 2009 14,5% des Bud­gets für Zins­zah­lun­gen auf­wen­den. Trotz gestie­ge­nem Schul­den­stand waren es 2014 nur noch 9,6% und 2020 rech­net man mit nur 5%.

Die Bud­gets wer­den also durch die Poli­tik der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (Tief­zin­sen) deut­li­ch ent­las­tet. Die mit Abstand bes­te Art, das frei­wer­den­de Geld öko­no­mi­sch sinn­voll ein­zu­set­zen, ist eine mas­si­ve Steu­er­sen­kung!

Lei­der geht die Ten­denz gen­au in die ande­re Rich­tung: die aktu­el­le klei­ne Ent­las­tung wird durch “Gegen­fi­nan­zie­rungs­maß­nah­men” in Form von neu­en Belas­tun­gen kon­ter­ka­riert und in weni­gen Jah­ren ohne­hin durch die “kal­te Pro­gres­si­on” wie­der auf­ge­fres­sen.

Seit Jah­ren wer­den wir durch mas­si­ve Steu­er- und Gebüh­ren­er­hö­hun­gen genervt. Auch in Berei­chen wo es kom­plett unsin­nig ist: etwa bei der Sekt­steu­er. Seit der ver­stärk­ten Steu­er­be­las­tung ist der Sekt­kon­sum so zurück­ge­gan­gen, dass es kei­ne Mehr­ein­nah­men gibt. Die­ser Effekt ist auch wis­sen­schaft­li­ch belegt (Laf­fer-Cur­ve).

Glei­ches gilt für Ein­kom­mens­steu­ern: als in Frank­reich der Steu­er­satz auf 75% erhöht wur­de, wan­der­ten die Rei­chen ein­fach aus und die Steu­er­leis­tung stieg nicht.

Ver­mö­gens- und Erb­schafts­steu­ern kann man aus Gerech­tig­keits­grün­den durch­aus recht­fer­ti­gen, aber rele­van­te Ein­nah­men brin­gen sie nicht und sie ver­scheu­chen Leis­tungs­trä­ger und Wohl­ha­ben­de aus Öster­reich.

Also: nut­zen wir die Nied­rig­zin­sen und sen­ken die Lohn- und Ein­kom­mens­steu­ern mas­siv! Dadurch ent­steht in den ers­ten 3 Jah­ren ein Defi­zit, das aber völ­lig egal ist, weil der Staat ja gra­tis Geld auf­neh­men kann. In 3 – 5 Jah­ren kommt das Geld von selbst wie­der her­ein, denn:

+ Die star­ken Geburts­jahr­gän­ge gehen bald in Pen­si­on (im Schnitt mit Alter 58!!!). Neben dem Ver­lust an Erfah­rung und Know How zeich­net sich ein Fach­ar­bei­ter­man­gel ab. Eine star­ke Steu­er­sen­kung wür­de vie­le moti­vie­ren, län­ger im Beruf zu blei­ben, weil es sich wie­der lohnt.

+ Die Beschäf­ti­gung steigt gene­rell, weil mehr Men­schen moti­viert sind, zu arbei­ten, statt von staat­li­cher Unter­stüt­zung zu leben.

+ Schwarz­ar­beit wird unin­ter­es­san­ter. Wenn aber mehr Men­schen offi­zi­ell arbei­ten, stei­gen auch die Steu­er­ein­nah­men.

+ Das Wirt­schafts­wachs­tum zieht an und damit auch das Steu­er­auf­kom­men.

+ Mehr Net­to­ein­nah­men bedeu­tet mehr Kon­sum. Das hilft nicht nur der öster­rei­chi­schen Wirt­schaft (die dann auch wie­der mehr Steu­ern zahlt, wenn sie mehr ver­kau­fen kann), son­dern auch die süd­li­chen Euro­län­der kön­nen mehr in unser Land expor­tie­ren, womit auch die dor­ti­ge Wirt­schaft wächst.

+ Wer­den nur die bes­ten 50 der vom Rech­nungs­hof vor­ge­leg­ten Ein­spa­rungs­maß­nah­men umge­setzt, ist in 3 – 5 Jah­ren trotz einer mas­si­ven Steu­er­sen­kung ein posi­ti­ver Gesamt­ef­fekt sicher!

Fazit: Die obi­gen Zusam­men­hän­ge sind wis­sen­schaft­li­ch bewie­sen und in vie­len Län­dern erprobt. Sehr selt­sam, dass spe­zi­ell im deutsch­spra­chi­gen Raum nie­mand auf die Idee kommt, sie umzu­set­zen.

 

Bleibt der Ölpreis so tief?

Michael Scherling am 20. February 2015

Kaum jemand hat­te 2014 gedacht, dass der Ölpreis so stark fällt. Vie­le rech­nen aktu­ell damit, dass der Rück­gang nur vor­über­ge­hend ist. Aus ana­ly­ti­scher Sicht schaut es aber nicht so aus.

Im Wesent­li­chen war das “schwar­ze Gold” nur des­halb ein so knap­pes Gut, weil Chi­na den Ver­brauch jedes Jahr deut­li­ch erhöh­te. Durch die Umori­en­tie­rung der Chi­ne­sen auf weni­ger Bau- und Infra­struk­tur­maß­nah­men und ver­stärk­te För­de­rung des inlän­di­schen Kon­sums sin­ken die Zuwachs­ra­ten. Auch in Zukunft wird Chi­na weni­ger stark wach­sen und damit eben­so der Ölver­brauch.

Zusätz­li­ch ver­braucht Euro­pa immer gerin­ge­re Men­gen an Öl, da die Wirt­schaft kaum wächst und Ener­gie­spar­maß­nah­men wir­ken.

Aber nicht nur die Nach­fra­ge steigt weni­ger stark, auch das Ange­bot ist weni­ger knapp als noch vor weni­gen Jah­ren. Durch neue För­der­me­tho­den in den USA sind die Ame­ri­ka­ner in kür­zes­ter Zeit zum größ­ten Ölpro­du­zen­ten der Welt gewor­den.

Die Sau­dis hät­ten ger­ne höhe­re Prei­se und hof­fen, dass vie­le Pro­du­zen­ten in Nord­ame­ri­ka durch die tie­fen Ölno­tie­run­gen in Kon­kurs gehen. Damit könn­ten die Notie­run­gen für Öl wie­der stei­gen.

Selbst­ver­ständ­li­ch wer­den eini­ge För­de­rer in die Plei­te getrie­ben und ein­zel­ne Bohr­lö­cher geschlos­sen.

Aber: Schät­zun­gen aus der Bran­che sagen, dass bei Prei­sen von 50 – 70 Dol­lar die US-Schie­fe­röl­in­dus­trie immer noch pro­fi­ta­bel arbei­ten kann. Sobald die­se Gren­ze über­schrit­ten wird, kön­nen sehr schnell neue Bohr­lö­cher akti­viert wer­den. Dadurch steigt das Ange­bot und der Preis fällt wie­der.

Fazit: Aus der­zei­ti­ger Sicht wer­den wir noch lan­ge so güns­tig wie jetzt tan­ken. Spe­zi­ell Euro­pa und Asi­en als gro­ße Net­to­im­por­teu­re von Öl wer­den öko­no­mi­sch davon pro­fi­tie­ren!