Geld anlegen in Zeiten der politischen Unsicherheit

Michael Scherling am 21. Januar 2019

Immer wie­der höre ich Aus­sa­gen von Anle­gern wie “Ich war­te mit der Geld­an­la­ge noch auf den Aus­gang des Brex­it“.

Muss man poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen in der Geld­an­la­ge wirk­lich berück­sich­ti­gen?

Wich­tig ist zu unter­schei­den:

Groß­ereig­nis­se wie ein Korea-Atom­krieg: sol­che Ent­wick­lun­gen sind wie ein Meteo­ri­ten­ein­schlag zu wer­ten – sie kön­nen jeder­zeit pas­sie­ren und sind kaum pro­gnos­ti­zier­bar. Eine Berück­sich­ti­gung in der Geld­an­la­ge ist sinn­los. Man dürf­te sonst nie­mals Geld anle­gen.

Wah­len, Han­dels­krieg, Brex­it etc.: wir Men­schen mögen Unsi­cher­heit nicht – des­halb sin­ken vor diver­sen Ereig­nis­sen fast immer die Wert­pa­pier­kur­se. Tritt das Ereig­nis ein, pas­siert meis­tens nicht mehr viel – dann haben wir ja mehr Sicher­heit (selbst wenn der Aus­gang nega­tiv ist). Der Aus­blick in die Zukunft ist wie­der ein­fa­cher und die Unsi­cher­heit gerin­ger.

Umbrü­che: Jeden­falls aktiv wer­den muss man, wenn es zu Umbrü­chen im poli­ti­schen Sys­tem kommt. Bes­tes Bei­spiel ist Vene­zue­la: bald nach der Macht­über­nah­me des sozia­lis­ti­schen Dik­ta­tors Hugo Cha­vez war abseh­bar, dass das Land rui­niert wür­de. Die Gefahr eines Total­ver­lus­tes bei den dor­ti­gen Staats­an­lei­hen und Akti­en war ab die­sem Zeit­punkt zu groß. Schwie­ri­ger ist eine schlei­chen­de Ent­wick­lung wie in der Tür­kei zu beur­tei­len. Im Zwei­fels­fall soll­te man Anla­gen in sol­chen Län­dern mei­den.

Die häu­figs­ten Ereig­nis­se fal­len aber unter Punkt 2. Weil wir von den Medi­en stän­dig damit kon­fron­tiert wer­den, wid­men wir ihnen viel zu viel Auf­merk­sam­keit und ver­ges­sen Fol­gen­des:

In Zei­ten des Null­zin­ses ist Geld­an­la­ge erst ab 4 bis 5 Jah­ren Anla­ge­ho­ri­zont sinn­voll. In die­ser Zeit kön­nen sich alle Betei­lig­ten anpas­sen.

Bes­tes Bei­spiel: Ein har­ter Brex­it kann kurz­fris­tig die bri­ti­sche (und wohl auch die deut­sche und fran­zö­si­sche) Wirt­schaft in eine Rezes­si­on stür­zen und die Wert­pa­pier­kur­se sin­ken las­sen. 5 Jah­re spä­ter ist das aber kein The­ma mehr, weil sich die Unter­neh­men neu aus­ge­rich­tet haben und neue Rege­lun­gen zwi­schen den Staa­ten ent­stan­den sind. Anla­ge­tech­nisch han­delt es sich also um ein irrele­van­tes Ereig­nis.

Fazit: poli­ti­sche Bör­sen haben kur­ze Bei­ne. Län­ger­fris­ti­ges Den­ken ist bei der Geld­an­la­ge viel ent­schei­den­der als poli­ti­sche Ereig­nis­se.

Was Zölle wirklich bringen

Michael Scherling am 22. November 2018

Wir sehen der­zeit anhand der US-Stahl­zöl­le ein wun­der­ba­res Bei­spiel wie Zöl­le funk­tio­nie­ren. Ein­ge­führt ohne sach­li­che Recht­fer­ti­gung (nur 3% des Stahl­ver­brauchs in den USA ent­fal­len auf die ame­ri­ka­ni­sche Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie und ledig­lich 2% der Stahl­im­por­te in die USA stam­men aus Chi­na) ent­fal­ten sich fol­gen­de Wir­kun­gen:

+ Der admi­nis­tra­ti­ve Auf­wand ist enorm: es gibt bereits 32.000 Aus­nah­me­an­trä­ge und 15.000 Ein­wän­de von hei­mi­schen Stahl­pro­du­zen­ten. Vie­le (letzt­lich unpro­duk­ti­ve Mit­ar­bei­ter) wur­den dafür ein­ge­stellt.

+ Prei­se stei­gen: Der Preis für Stahl in den USA ist um 33% höher als im Vor­jahr. Stahl­ver­brau­chen­de Unter­neh­men (wie etwa Her­stel­ler von Autos, Werk­zeug- und Land­ma­schi­nen) sind wegen der höhe­ren Prei­se gegen­über ihren aus­län­di­schen Wett­be­wer­bern  benach­tei­ligt.

+ Schlech­te Erfah­run­gen: 2002 über­zeug­te die US-Stahl­in­dus­trie Prä­si­dent Geor­ge Bush, Ein­fuhr­zöl­le von 8 bis 30% auf impor­tier­ten Stahl zu erhe­ben. Damals wur­den 6.000 Arbeits­plät­ze in der US-Stahl­in­dus­trie geschaf­fen, aber in den stahl­ver­brau­chen­den Indus­tri­en gin­gen rund 200.000 Arbeits­plät­ze ver­lo­ren. Die Regie­rung Bush schaff­te die Zöl­le des­halb nach acht­zehn Mona­ten wie­der ab.

+ Schät­zun­gen sagen, dass die Stahl- und Alu­mi­ni­um­zöl­le von Trump rund 30.000 zusätz­li­che Arbeits­plät­ze im Metall­sek­tor schaf­fen könn­ten, aber 180.000 Arbeits­plät­ze in der übri­gen Wirt­schaft ver­nich­ten.

+ Ein­fuhr­zöl­le in Höhe von 25% auf Autos aus der EU könn­ten die Kos­ten für ein neu­es Auto in den USA bis zu 7000 $ stei­gen las­sen. Bis zu 40.000 Arbeits­plät­ze sind in der ame­ri­ka­ni­schen Auto­in­dus­trie infol­ge von Kos­ten­stei­ge­run­gen auf­grund der Stahl­zöl­le bereits gefähr­det.

Zöl­le haben also nur für ganz klei­ne Grup­pen Vor­tei­le und für alle ande­ren enor­me Nach­tei­le. Aller­dings: so lan­ge Euro­pa wenig betrof­fen ist, könn­ten wir sogar ein wenig pro­fi­tie­ren — unse­re Expor­te in die USA wer­den bil­li­ger als die chi­ne­si­schen und unse­re Expor­te nach Asi­en eben­so (weil US-Expor­te dort­hin durch Gegen­maß­nah­men eben­falls teu­rer wer­den).

In Sum­me wirkt sich aber vor allem die Pla­nungs-Unsi­cher­heit auch für unse­re Unter­neh­men sehr nega­tiv aus.

Fazit: Zoll­ab­bau hat dazu bei­ge­tra­gen, dass wir ein hal­bes Jahr­hun­dert des schnells­ten Wirt­schafts­wachs­tums in der Geschich­te der Mensch­heit erle­ben durf­ten. Hof­fen wir, dass es nicht zu einer wei­te­ren Eska­la­ti­on von Han­dels­krie­gen kommt.

Was Griechenland wirklich hilft

Michael Scherling am 3. September 2018

Uns Öko­no­men wird oft vor­ge­wor­fen, dass wir vie­le Zusam­men­hän­ge nicht erken­nen und Pro­gno­sen häu­fig falsch sind. Lei­der stimmt das und ist in der Kom­ple­xi­tät des Zusam­men­wir­kens von Mil­li­ar­den Men­schen begrün­det. Naï­ve Ver­tre­ter unse­rer Bran­che mei­nen immer noch, mensch­li­ches Ver­hal­ten durch For­meln beschrei­ben zu kön­nen und bekom­men sogar Nobel­prei­se dafür. Die Finanz­kri­se hat aber gezeigt, dass die­se Model­le unbrauch­bar sind.

Den­noch ist die unse­re Zunft lern­fä­hig und weiß nun z.B. bes­ser, wie man strau­cheln­den Staa­ten hel­fen kann.

Vor Kur­zem gaben EU-Ver­tre­ter zu, dass die Hil­fe für Grie­chen­land nicht erfolg­reich war und den Bür­gern zu hohe Las­ten für die Hilfs­kre­di­te abver­langt wur­den.

Volks­wirt­schaft­li­cher Hin­ter­grund: wenn pri­va­te Haus­hal­te über­schul­det sind und die Unter­neh­men eben­falls in einer Kri­se sind, darf der Staat nicht auch noch spa­ren. Geschieht dies doch, ist eine Abwärts­spi­ra­le nicht auf­zu­hal­ten, weil sich die 3 Akteu­re gegen­sei­tig in den Abgrund zie­hen.

Wan­kel­mü­ti­gen Poli­ti­kern Geld nach­zu­wer­fen ist aber auch kei­ne Lösung. Im Gegen­zug zu Hilfs­kre­di­ten müss­te sich Grie­chen­land zu eini­gen Din­gen ver­pflich­ten:

  • Mono­po­le abschaf­fen
  • Unter­neh­mens­grün­dung erleich­tern
  • Steu­er­pri­vi­le­gi­en von Mili­tär, Ree­dern und Kir­che eli­mi­nie­ren und Steu­er­ein­trei­bung ver­bes­sern
  • Über­höh­te Gehäl­ter von Staats­be­diens­te­ten und Luxus-Pen­sio­nen kür­zen
  • Aus­lands­ver­mö­gen rei­cher Grie­chen besteu­ern und/oder zurück­ho­len
  • Son­der­zo­nen errich­ten, in denen inter­na­tio­na­le Fir­men zu Son­der­be­din­gun­gen inves­tie­ren kön­nen

Stär­ken müs­sen aus­ge­baut wer­den:

  • Grie­chen­land ist ein idea­ler Brü­cken­kopf zu Asi­en und Afri­ka. Inves­ti­tio­nen in die vor­han­de­nen Häfen und Bahn­in­frak­struk­tur wären wich­tig.
  • Per­fek­te Bedin­gun­gen sind für den Aus­bau von Wind- und Son­nen­en­er­gie vor­han­den. Ohne Ein­fuhr von Öl und Gas hät­te das Land kein Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit!
  • Das Bil­dungs­sys­tem soll­te erneu­ert wer­den — mehr Pra­xis­nä­he und Zukunfts­ori­en­tie­rung sind gefragt.

Lie­gen alle die­se Reform­vor­ha­ben vor, kann den Grie­chen ein Drit­tel der Schul­den erlas­sen und ein wei­te­res zins­los gestun­det wer­den. Das rest­li­che Drit­tel kann das Land nor­mal zurück­zah­len.

Es gibt eine wun­der­ba­re Eigen­schaft der inter­na­tio­na­len Finanz­märk­te, die häu­fig über­se­hen wird: Lan­cie­ren Poli­ti­ker glaub­wür­di­ge Refor­men wie oben beschrie­ben, bekommt ein Land sehr schnell wie­der Kre­di­te zu Best­kon­di­tio­nen. Somit wird ein sol­ches Pro­gramm per  selbst­er­fül­len­der Pro­phe­zei­ung zum Erfolg.

Fazit: wenn Poli­ti­ker neue volks­wirt­schaft­li­che Erkennt­nis­se berück­sich­ti­gen statt aus­län­di­sche Kräf­te für alles Schlech­te im Land ver­ant­wort­lich zu machen, haben auch Staa­ten wie Grie­chen­land eine rosi­ge Zukunft.

Die "wahren" Kosten eines italienischen Euro-Austritts

Michael Scherling am 10. Juli 2018

Immer öfter liest man über hun­der­te Mil­li­ar­den Euro, die von den nörd­li­chen Euro-Län­dern über das “Tar­get 2 — Sys­tem” an die süd­li­chen Staa­ten geflos­sen sind und im Fall eines Euro-Aus­tritts Ita­li­ens von uns zu bezah­len sei­en. Allein Deutsch­land hät­te 1.000 Mil­li­ar­den an For­de­run­gen. Poli­ti­sche Par­tei­en in unse­rem Nach­bar­land machen der Bevöl­ke­rung mit die­sem The­ma Angst.

Was ist nun dran?

Tar­get ist ein elek­tro­ni­sches Sys­tem, mit dem die Zen­tral­ban­ken aus dem Euro­sys­tem grenz­über­schrei­ten­de Über­wei­sun­gen in der Euro­zo­ne abwi­ckeln. Zweck: jeder soll in der Lage sein, Güter-, Kre­dit- und Wert­pa­pier­ge­schäf­te schnell und zuver­läs­sig in der gesam­ten Euro­zo­ne zu machen.

Seit 2015 kauft nun die Euro­päi­schen Zen­tral­bank Anlei­hen, um die Zin­sen für die Staats­schul­den nied­rig zu hal­ten. Die Abwick­lung erfolgt über die natio­na­len Zen­tral­ban­ken.

Alle ita­lie­ni­schen Anlei­hen wer­den von der Ban­ca d’Italia erwor­ben, aber vie­le Ban­ken, die der ita­lie­ni­schen Natio­nal­bank Anlei­hen ver­kau­fen, haben ein Bank­kon­to in Frank­furt. Dar­aus abzu­lei­ten, dass Deutsch­land For­de­run­gen gegen Ita­li­en hat, ist nicht kor­rekt.

Deut­sche Bun­des­bank und öster­rei­chi­schen Natio­nal­bank haben aus Tar­get-2 kei­ne direk­te For­de­rung gegen Ita­li­en! 

Tar­get-2-For­de­run­gen bestehen nur gegen­über der Euro­päi­schen Zen­tral­bank.

Was ist nun im Fall des Unter­gangs der EZB?

Nach­dem die­se das Mono­pol auf unse­re Wäh­rung hat und die For­de­rung gegen Ita­li­en zeit­lich unbe­fris­tet ist (es exis­tiert kei­ne Til­gungs­pflicht), sind vie­le krea­ti­ve Lösun­gen des Pro­blems mög­lich, ohne die Staats­haus­hal­te der übri­gen Län­der über­mä­ßig zu belas­ten.

Fazit: ver­lässt Ita­li­en den Euro­raum, ent­ste­hen für die ande­ren Staa­ten wohl eini­ge Kos­ten, aber sicher nicht hun­der­te Mil­li­ar­den, die in den Medi­en zu lesen sind.

 

 

Energieverbrauch von Zahlungsmitteln

Michael Scherling am 24. Mai 2018

Aus­nahms­wei­se möch­te ich einen Arti­kel nicht selbst schrei­ben, son­dern auf einen Blog­ar­ti­kel der Secu­ri­ty KAG ver­wei­sen. Er ist bes­ser als ich es schaf­fen wür­de!

https://www.securitykag.at/news/blogdetails/?no_cache=1&tx_news_pi1%5Bnews%5D=638&cHash=a6a87501d876c373a0a7059d8a1f6520 (https://www NULL.secu­ri­ty­kag NULL.at/news/blogdetails/?no_cache=1&tx_news_pi1%5Bnews%5D=638&cHash=a6a87501d876c373a0a7059d8a1f6520)

Ist der Aufschwung schon wieder vorüber?

Michael Scherling am 26. April 2018

Seit Beginn des Jah­res haben sich die Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren ein­ge­trübt und seit Febru­ar sin­ken die Kur­se an den welt­wei­ten Akti­en- und Anlei­he­märk­ten. Kaum mer­ken wir einen Auf­schwung in Euro­pa, ist er auch schon wie­der vor­bei?

Um die­se Fra­ge zu beant­wor­ten müs­sen wir uns die Grün­de für die Rück­gän­ge anschau­en:

- Angst vor Han­dels­krieg

- Angst vor stark stei­gen­den Zin­sen

- Angst vor über­höh­ten Bör­sen­kur­sen und Über­schul­dung

Unter­neh­men inves­tie­ren ungern, wenn hohe Unsi­cher­heit herrscht. Genau die wird durch die Trump-Poli­tik erzeugt. Inhal­tich ist die­se Poli­tik aber ver­ständ­lich, wenn man weiß, dass Euro­pa höhe­re Zöl­le als die USA ver­langt und Chi­na kei­nen frei­en Markt­zu­tritt erlaubt, son­dern geis­ti­ges Eigen­tum stiehlt, indem aus­län­di­sche Fir­men gezwun­gen wer­den, mit ein­hei­mi­schen Fir­men Gemein­schafts­un­ter­neh­men zu grün­den, an denen die Chi­ne­sen min­des­tens 51% hal­ten.

Ähn­li­che Maß­nah­men hat aber schon Georg Bush jun. erlas­sen, um sie nach kur­zer Zeit wie­der zurück­zu­neh­men, weil zu vie­le US-Arbeits­plät­ze durch die Zöl­le gefähr­det waren. Alles deu­tet dar­auf hin, dass Trump nur droht, um einen „Deal“ zu machen. Als Geld­an­le­ger spielt das The­ma ohne­hin kei­ne Rol­le, da jede Ver­an­la­gung auf weni­ger als 5 Jah­re sinn­los ist und nach 5 Jah­ren die aktu­el­len Han­dels­kriegs­dro­hun­gen kei­ne Rol­le mehr spie­len wer­den.

Ähn­lich ver­hält es sich bei den stei­gen­den Zin­sen: In der Euro­zo­ne ist ein star­ker Anstieg aus­ge­schlos­sen, weil Staa­ten wie Ita­li­en sehr schnell in Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten kom­men wür­den. Nach­dem die Euro­päi­sche Zen­tral­bank dazu gemacht ist, den Euro zu beschüt­zen, muss die dar­auf Rück­sicht neh­men und wird die Zin­sen extrem lang­sam und vor­sich­tig erhö­hen.

Über­höh­te Bör­sen­kur­se gibt es viel­leicht bei eini­gen Inter­net­un­ter­neh­men, aber der Rest steht infla­ti­ons- und gewinn­be­rei­nigt nicht höher als vor 20 Jah­ren. Eine Bla­sé ist defi­ni­tiv nicht zu erken­nen.

Über­schul­dung gibt es sicher­lich bei vie­len US- und chi­ne­si­schen Unter­neh­men. Die­se pro­fi­tie­ren aller­dings immer noch von tie­fen Zin­sen. Im Fall Chi­nas kann zusätz­lich der kaum ver­schul­de­te Staat die Schul­den­last locker über­neh­men.

Wirk­lich schlim­me Kri­sen gehen fast immer von einer Über­schul­dung der Pri­vat­haus­hal­te aus (z.B. Spa­ni­en und USA 2007 oder Japan 1991). Der Anteil von Schul­den­zah­lun­gen vom lau­fen­den Ein­kom­men ist welt­weit so gering wie vor 15 Jah­ren. Gefahr droht aus die­ser Ecke also kei­ne.

Fazit: Ent­war­nung! Die Kon­junk­tur wird noch eini­ge Zeit gut lau­fen und ein Ein­bruch wie 2008 an den Wert­pa­pier­märk­ten steht nicht bevor.

Die Rückkehr der Inflation

Michael Scherling am 16. Februar 2018

Nach der Finanz­kri­se 2008 wur­de die welt­wei­te Geld­men­ge von den Zen­tral­ban­ken mas­siv erhöht, um eine noch schlim­me­re Rezes­si­on wie in den 1930er Jah­ren zu ver­hin­dern. Nach der klas­si­schen volks­wirt­schaft­li­chen Theo­rie muss­te das zu Infla­ti­on füh­ren.

Dem­entspre­chend schwie­rig war es, mei­ne Öko­no­men-Kol­le­gen davon zu über­zeu­gen, dass eher Defla­ti­on als Infla­ti­on droh­te. Die von mir sehr geschätz­te “Die Pres­se” schrieb 2 Jah­re lang über dro­hen­de Preis­stei­ge­run­gen und ich konn­te den Wirt­schafts-Chef­re­dak­teur auch nach inten­si­ver Dis­kus­si­on nicht von sei­ner Linie abbrin­gen.

Nach eini­gen Jah­ren mit sehr gerin­gen Preis­stei­ge­run­gen wen­det sich nun das Blatt. In Öster­reich hat die Infla­ti­on bereits die 2%-Marke über­schrit­ten und ist wei­ter im Stei­gen begrif­fen. Was sind die Grün­de dafür und was hat sich geän­dert?

  1. Welt­weit stei­gen die Groß­han­dels­prei­se: in Chi­na etwa san­ken die Wer­te jah­re­lang, nun expor­tiert das Land Infla­ti­on über stän­dig höhe­re Waren­prei­se
  2. Die Welt­kon­junk­tur (auch Euro­pa!) ist in der bes­ten Kon­junk­tur­pha­se seit 18 Jah­ren. In Deutsch­land etwa sind kaum noch Holz­pa­let­ten ver­füg­bar, weil so vie­le Bestel­lun­gen bei den Fir­men ein­ge­hen
  3. End­lich stei­gen nicht nur Kre­di­te und Kon­sum­aus­ga­ben, son­dern auch die Unter­neh­mens­in­ves­ti­tio­nen! Dies erzeugt einen posi­ti­ven Mul­ti­pli­ka­tor­ef­fekt (mehr Jobs, höhe­re Löh­ne, noch mehr Kon­sum, noch mehr Inves­ti­tio­nen, etc.)
  4. Die Roh­stoff­prei­se stei­gen
  5. Wir haben die höchs­ten Lohn­stei­ge­run­gen seit Jah­ren

In Sum­me spre­chen alle ver­füg­ba­ren Indi­ka­to­ren für höhe­re Infla­ti­ons­ra­ten. In nor­ma­len Zei­ten erhö­hen die Zen­tral­ban­ken die Zin­sen, um eine Über­hit­zung der Kon­junk­tur zu ver­mei­den und ein wei­te­res unkon­trol­lier­tes Anstei­gen der Infla­ti­on zu ver­hin­dern.

Die­ser Mecha­nis­mus ist durch die enor­men Staats­schul­den außer Kraft gesetzt: Wür­de die Euro­päi­schen Zen­tral­bank die Zin­sen kräf­tig erhö­hen, käme Ita­li­en sehr bald in mas­si­ve Pro­ble­me. Um den Euro nicht zu gefähr­den, hat die EZB also einen sehr gerin­gen Hand­lungs­spiel­raum.

Was sind die Fol­gen?

In Öster­reich und vie­len ande­ren Län­dern wer­den wir spä­tes­tens 2019 über 3% Infla­ti­on haben. Die Zin­sen kön­nen aber kaum stei­gen, Sie wer­den also noch mehr Geld ver­lie­ren, wenn Sie es am Spar­buch, Bau­spar­ver­trag oder am Kon­to haben.

Eine ein­fa­che Rech­nung: Bei 3% Infla­ti­on und 0,5% Zins­er­trag ver­lie­ren Sie bei einem Ver­mö­gen von z.B. 100.000 Euro in 5 Jah­ren rund 12.500 Euro an Kauf­kraft!

Fazit: Las­sen Sie Gel­der, die Sie in den nächs­ten 3 – 5 Jah­ren nicht benö­ti­gen, kei­nes­falls am Kon­to oder Spar­buch lie­gen. Es droht ein mas­si­ver Ver­lust. Der Groß­teil aller Anla­ge­al­ter­na­ti­ven ist eben­falls nicht mehr inter­es­sant. Wen­den sie sich an hoch­qua­li­fi­zier­te Bera­ter, die Ihnen die weni­gen noch ver­blie­ben­den wirk­lich guten Mög­lich­kei­ten zei­gen.

 

 

 

 

Sind Indexfonds/ETFs besser als aktive Fonds?

Michael Scherling am 24. Januar 2018

Wenn man Geld ver­an­la­gen will, stößt man fast auto­ma­tisch auf Indexfonds/ETFs. Sie sind schnel­ler han­del­bar, güns­ti­ger und bil­den einen gan­zen Markt ab. In den USA wer­den bereits 60% aller Anla­gen in sol­che ETFs inves­tiert.

War­um sind nun akti­ve Fonds schlech­ter?

  • Weil vie­le Ban­ken, um Geld zu ver­die­nen, Fonds in allen Seg­men­ten auf­le­gen, auch dort wo sie kei­ne Kom­pe­ten­zen haben. Sie inves­tie­ren dann so ähn­lich wie der Index, haben aber hohe Kos­ten. Rech­net man die­se nutz­lo­sen Ban­ken-Fonds her­aus, sind akti­ve Fonds bes­ser als ETFs/Indexfonds.

Zusätz­lich gilt es eini­ge Din­ge zu beach­ten:

  • ETFs in Anlei­hen sind grund­sätz­lich frag­wür­dig, weil man auto­ma­tisch von den größ­ten Schuld­nern die meis­ten Antei­le kauft. Bei einem euro­päi­schen Anlei­he-ETF erwirbt man sehr vie­le Ita­lie­ni­sche Staats­an­lei­hen – wer will das schon?
  • Pas­si­ves Inves­tie­ren gibt es nicht! Jeder Inves­tor muss aktiv aus­su­chen in wel­chen ETF er inves­tiert. Euro­päi­schen Inves­to­ren haben in den letz­ten 10 Jah­ren vor allem in den Euro Sto­xx 50 inves­tiert, weil er die größ­ten 50 Fir­men abbil­det. Das war eine sehr schlech­te Wahl. Grund: im Index sind zu vie­le Ban­ken und Ver­si­che­run­gen ent­hal­ten. 2007 war das aber kaum einem ETF-Inves­tor bewusst.

Wenn Sie nun wie die meis­ten Inves­to­ren der­zeit den Welt­ak­ti­en­in­dex MSCI World ETF kau­fen, bekom­men Sie zu fast 60% US-Unter­neh­men und haben nicht nur ein sehr ein­sei­ti­ges Invest­ment (z.B. ist Asi­en fast nicht ent­hal­ten), son­dern wegen des Dol­lar­ver­falls in 2017 zeit­wei­se über 10% Wäh­rungs­ver­lust.

Für einen pro­fes­sio­nel­len Anle­ger aus den USA kann es sinn­voll sein, einen ETF auf den S&P 500 zu kau­fen, der die 500 größ­ten US-Unter­neh­men ent­hält. Tat­säch­lich schlägt dort kaum ein Fonds­ma­na­ger den Index. In Märk­ten wie Asi­en aber kauft man mit einem Index­fonds vor allem chi­ne­si­sche, halb­staat­li­che Unter­neh­men, die auch poli­ti­sche Auf­ga­ben erfül­len müs­sen und sich sehr schlecht ent­wi­ckeln.

Rie­si­ge Pro­ble­me wird es geben, wenn die Märk­te nach eini­gen guten Jah­ren in Zukunft wie­der ein­mal kräf­tig fal­len. Dann ver­kau­fen vie­le Inves­to­ren – die ETFs kön­nen aber nicht wie ein Fonds­ma­na­ger auf güns­ti­ge Zeit­punk­te war­ten, son­dern müs­sen sofort und zu jedem Preis ver­kau­fen. Beson­ders bei klei­ne­ren Akti­en und noch schlim­mer bei Anlei­hen kann das zu enor­men Ver­lus­ten füh­ren, die die Ver­lus­te des Index über­tref­fen.

Zu beach­ten ist auch, dass es ETFs gibt, die syn­the­tisch repli­ziert sind, also nicht mit rea­len Akti­en hin­ter­legt sind. Im Kon­kurs­fall der Bank kann das zu Pro­ble­men füh­ren.

Fazit: ETFs kön­nen in Ein­zel­fäl­len für insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren sinn­voll sein. Als Pri­vat­in­ves­tor muss man sich schon exzel­lent aus­ken­nen, um kei­ne Ver­mö­gens­ver­lus­te befürch­ten zu müs­sen.

Bitcoin&Co

Michael Scherling am 13. Dezember 2017

Die Schwei­zer Natio­nal­bank kauft mit künst­lich gedruck­tem Geld welt­weit Fir­men­an­tei­le auf, in Japan sind bald 50% der Staats­schuld in Hän­den der Zen­tral­bank und bei uns wer­den Spar­gut­ha­ben ent­wer­tet, weil der Zins viel gerin­ger als die Infla­ti­ons­ra­te ist.

In Sum­me spricht also Vie­les gegen die Soli­di­tät unse­rer Wäh­run­gen. Kein Wun­der also, dass Kryp­towäh­run­gen gefragt sind. Gepaart mit der Fas­zi­na­ti­on der tech­no­lo­gi­schen Neue­rung Block­chain stei­gen die Kur­se von Kryp­towäh­run­gen mas­siv an und auch in Öster­reich gibt es die ers­ten Bit­coin-Mil­lio­nä­re.

Wer­den nun unse­re Wäh­run­gen spä­tes­tens nach der nächs­ten Finanz­kri­se durch Bitcoin&Co ersetzt?

Durch­set­zen wird sich jeden­falls die dahin­ter­ste­hen­de Tech­no­lo­gie Block­chain, die z.B. sehr gut geeig­net ist, um unser Sys­tem des Grund­buchs kos­ten­güns­tig und effi­zi­ent zu erset­zen.

Eine Eig­nung als Wäh­rung ist aller­dings weni­ger gege­ben:

+ Viel­fach wird argu­men­tiert, dass Bit­coin nicht belie­big ver­mehr­bar ist (wie Gold). Nach­dem es aber inzwi­schen hun­der­te von Kryp­towäh­run­gen gibt und nicht klar ist, wel­che sich durch­set­zen wird (es gibt tech­nisch bes­se­re mit gerin­ge­ren Kos­ten als Bit­coin), sind Kryp­towäh­run­gen sehr wohl ver­mehr­bar.

+ Die erfor­der­li­che enor­me Rech­ner­leis­tung beim Erzeu­gen und Han­deln mit Bit­coin braucht so viel Strom, dass die welt­wei­te Ener­gie­pro­duk­ti­on nicht aus­reicht, um einen brei­ten Ein­satz als Wäh­rung zu ermög­li­chen.

+ Zen­tral­ban­ken und Regie­run­gen las­sen nie­mals zu, dass sie das Mono­pol auf die Wäh­rung ver­lie­ren. Bevor Kryp­towäh­run­gen zur ernst­zu­neh­men­den Alter­na­ti­ve zu unse­ren Wäh­run­gen wer­den, wer­den sie wohl per Gesetz ver­bo­ten. In Chi­na gibt es die ers­ten Anzei­chen dafür.

+ Im Jän­ner fand 80% des weit­wei­ten Han­dels mit Bit­coin in Chi­na statt, im Früh­ling 55% in Japan. War­um? Weil rei­che Chi­ne­sen die Kapi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len Chi­nas umgin­gen und Japan Bit­coin lega­li­sier­te, um die­se Gel­der anzu­lo­cken. Der Ruf der Kryp­towäh­run­gen, ein Instru­ment zur För­de­rung ille­ga­ler Akti­vi­tä­ten zu sein, scheint also nicht unge­recht­fer­tigt zu sein.

Fazit: Der Kurs­ver­lauf von Bit­coin ist sehr ähn­lich dem von Tul­pen in Hol­land 1637. Der Anstieg war so stark, dass mit einer Blu­men­zwie­bel ein gan­zes Haus gekauft wer­den konn­te. Nach dem Plat­zen der Tul­pen­bla­se sank der Kurs um über 95%. Ähn­li­ches kann auch Bitcoin&Co pas­sie­ren.

Sind Handelsabkommen böse?

Michael Scherling am 28. September 2017

All­ge­mein akzep­tiert ist, dass Han­del zwi­schen Staa­ten sinn­voll ist, weil jedes Land ande­re Pro­duk­te bes­ser her­stel­len kann.

Deutsch­land wird nie so guten Rot­wein pro­du­zie­ren kön­nen wie Spa­ni­en.

Der Wohl­stand aller Betei­lig­ten sinkt, wenn Deutsch­land Zöl­le auf spa­ni­schen Wein ein­führt oder Spa­ni­en die Ein­fuhr von deut­schen Autos behin­dert.

Han­dels­ab­kom­men zur Klä­rung sol­cher Fra­gen sind also grund­sätz­lich sinn­voll.

Für ein klei­nes Land wie Öster­reich ist Export zusätz­lich lebens­wich­tig. Wer soll­te in Öster­reich den gan­zen Stahl der VOEST ver­brau­chen? Bei Abschot­tung unse­res Lan­des wür­den 10.000 VOEST-Arbeits­plät­ze sofort weg­fal­len. Als klei­ner Staat sind wir also der Haupt­pro­fi­teur von Glo­ba­li­sie­rung und Han­dels­ab­kom­men.

Nach­dem der Wis­sens­stand der Öster­rei­cher gering und die Skep­sis bei sol­chen Abkom­men groß ist, kön­nen Poli­ti­ker Unwahr­hei­ten ver­brei­ten und gewin­nen damit Wäh­ler­stim­men:

Seit 2 Jah­ren wird gegen pri­va­te Schieds­ge­rich­te gewet­tert. In der Rea­li­tät ist aber bekannt, dass unse­re Fir­men fast alle Pro­zes­se gegen ein­hei­mi­sche Fir­men in den USA, Russ­land, Chi­na etc. ver­lie­ren, weil dor­ti­ge Rich­ter „patrio­tisch“ han­deln.

War­um sol­len sich eine öster­rei­chi­sche und eine US-Fir­ma nicht dar­auf eini­gen kön­nen, ein pri­va­tes Schieds­ge­richt zu ver­ein­ba­ren?

Selbst bei den bösen „Chlor­hüh­nern“ aus den USA ist sehr frag­lich, ob unse­re hor­mon­be­han­del­ten Hüh­ner wirk­lich bes­ser oder gesün­der sind.

Trotz­dem wür­den sich sicher­lich von popu­lis­ti­schen Poli­ti­kern ange­heiz­te 70% aller Öster­rei­cher gegen Han­dels­ab­kom­men aus­spre­chen und damit eine gro­ße Dumm­heit bege­hen.

Fazit: Han­dels­ab­kom­men sind zu kom­plex um Gegen­stand der hei­mi­schen poli­ti­schen Debat­te zu sein. Nur die Euro­päi­sche Uni­on hat die Kom­pe­tenz und Ver­hand­lungs­macht, um sol­che Abkom­men in hoher Qua­li­tät zu schlie­ßen. Wir soll­ten sie dabei in Ruhe las­sen.