Wirtschaftswunderland Deutschland?

Michael Scherling am 18. April 2011

Unseren Nachbar aus ökonomischer Sicht zu betrachten, ist wegen der starken Vernetzung und der ähnlichen Situation Österreichs immer hilfreich.

Auf den ers­ten Blick schaut die Lage sehr gut aus: Die Arbeits­lo­sig­keit sinkt, die Expor­te lau­fen wun­der­bar – geht das so wei­ter?

  • Deutsch­land pro­fi­tiert von den nied­ri­gen Zin­sen im Euro­raum, die wegen der Kri­sen­län­der in Euro­pa noch län­ger tief blei­ben wer­den (wenn auch nicht ganz so tief wie aktu­ell).
  • Der gros­se Wachs­tums­trend für die nächs­ten 20 Jah­re kommt aus den auf­stre­ben­den Län­dern Asi­ens, Süd­ame­ri­kas und zum Teil sogar Afri­kas. Deutsch­land kann als „Export­welt­meis­ter“ sehr davon pro­fi­tie­ren.
  • Die deut­sche Wirt­schaft ist nicht über­hitzt und die Ver­schul­dung ist gering.
  • Eini­ge Refor­men wur­den in den letz­ten Jah­ren ein­ge­lei­tet (z.B. Arbeits­markt) – das Wachs­tums­po­ten­ti­al ist daher höher.

Also in deutsche Aktien investieren?

  • Akti­en sind ein guter Schutz gegen mode­ra­te Infla­ti­on.
  • Die Divi­den­den­ren­di­te liegt bei 3,6%, ein schö­ner Ertrag im Ver­gleich zu Spar­bü­chern oder Anlei­hen.
  • In den letz­ten 30 Jah­ren konn­te man mit Anlei­hen gut ver­die­nen. Die­se Pha­se geht nun zu Ende (stei­gen­de Zin­sen bedeu­ten fal­len­de Anlei­he­kur­se). Im Ver­gleich zu Anlei­hen sind Akti­en mas­siv unter­be­wer­tet.
  • In Deutsch­land gibt es wie in Öster­reich fast kei­ne Akti­en­an­le­ger mehr. Nach­dem Alter­na­ti­ven wenig attrak­tiv sind, könn­te ein Umstieg von Anlei­hen und Spar­bü­chern in Akti­en erfol­gen.

Aber: die deut­schen Akti­en­märk­te sind glo­bal ver­netzt — wenn etwa in den USA eine neue Kri­se ent­steht, sin­ken auch die Kur­se in Deutsch­land um 20 — 50%. Gute Ner­ven sind also gefragt.

Zusätz­lich darf man den Aus­stieg nicht ver­pas­sen: Lang­fris­tig gehen den Deut­schen wegen der Alte­rung der Bevöl­ke­rung die qua­li­fi­zier­ten Arbeits­kräf­te aus, die Pen­si­ons- und Kran­ken­ver­si­che­rungs­sys­te­me sind wacke­lig und die Staats­schul­den wer­den schwie­ri­ger zu bedie­nen sein.

Fazit: Die deut­sche Öko­no­mie hat sehr gute Vor­aus­set­zun­gen für die nächs­ten Jah­re. Ach­tung vor Anlei­hen, nach Infla­ti­on wird kaum Ertrag vor­han­den sein. Akti­en schei­nen die bes­se­re Wahl, sind aber durch welt­wirt­schaft­li­che Ereig­nis­se immer wie­der gefähr­det. Also gilt auch hier: ohne qua­li­fi­zier­ten Bera­ter ist es selbst in Deutsch­land nicht leicht, Geld zu ver­die­nen.