Wie werden sich die Spar- und Kreditzinsen entwickeln?

Michael Scherling am 24. Mai 2011

Prognosen, die die Zukunft betreffen, sind ja bekanntlich die schwierigsten, die Antwort auf die obige Frage ist aber ausnahmsweise einfach zu geben.

Vie­le Men­schen und auch man­che “Exper­ten” sind von hohen Infla­ti­ons­ra­ten in Öster­reich über­zeugt und glau­ben daher auch an Zin­sen die sogar zwei­stel­li­ge Raten errei­chen könn­ten. War­um: die Euro­päi­sche Zen­tral­bank darf Geld­ent­wer­tung durch z.B. 10% Infla­ti­on nicht zulas­sen und müss­te den Leit­zins auf mehr als 10% erhö­hen.

Aber: kaum jemand nimmt sich dann noch Kre­di­te, weil sie nicht mehr leist­bar sind. Dadurch sinkt das Wirt­schafts­wachs­tum oder es kommt sogar zu einer Rezes­si­on. In Fol­ge bricht auch die Infla­ti­on ein, weil bei feh­len­der Nach­fra­ge die Unter­neh­men die Prei­se nicht erhö­hen und Arbeit­neh­mer bei hoher Arbeits­lo­sig­keit kaum Loh­stei­ge­run­gen for­dern kön­nen.

Hohe Zin­sen redu­zie­ren also die Infla­ti­on und die­se gerin­ge­re Infla­ti­on ermög­licht wie­der­um Zins­sen­kun­gen. Rund um 1990 hat­ten wir so eine ähn­li­che Situa­ti­on.

Zum Thema Inflation möchte ich auf den Artikel von 10.2.11 verweisen, aber Folgendes zur Zinsprognose sagen:

  1. Die infla­ti­ons­brem­sen­de Wir­kung der Staats­aus­ga­ben­re­duk­ti­on wird unter­schätzt: Nicht nur Grie­chen­land und Spa­ni­en sind gezwun­gen zu spa­ren, son­dern auch die meis­ten ande­ren Län­der, wol­len sie nicht eben­falls in den nächs­ten Jah­ren unter der Schul­den­last zusam­men­bre­chen. Gibt der Staat weni­ger aus, haben die Men­schen weni­ger Geld (weni­ger Sozi­al­leis­tun­gen, höhe­re Steu­ern) und kön­nen weni­ger aus­ge­ben. Das bremst die Wirt­schaft und die Infla­ti­on, wodurch die Zen­tral­bank kei­nen Grund hat, die Zin­sen zu erhö­hen.
  2. Ein ganz simp­ler Zusam­men­hang: In Spa­ni­en (und ande­ren Län­dern) sind die Men­schen wegen der Immo­bi­li­en­kri­se über­schul­det und haben varia­ble Kre­di­te. Deren Zins­satz steigt auto­ma­tisch, wenn die Euro­päi­sche Zen­tral­bank die Zin­sen erhöht. Über­treibt sie die Anhe­bun­gen, bricht Spa­ni­en sehr schnell zusam­men, was sicher nicht in Sinn der EZB ist.

Fazit: Es ist sehr wahr­schein­lich, daß die Zin­sen in den nächs­ten Jah­ren extrem nied­rig blei­ben.