Wo die Deutschen irren

Michael Scherling am 7. November 2013

Eines gleich vor­weg: mit “die Deut­schen” mei­ne ich die deut­schen Mit­glie­der der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und wei­te­re Öko­no­men die­ses Lan­des. War­um irren die?

Weit ver­brei­tet ist in unse­rem Nach­bar­land die Angst vor Infla­ti­on. Was meist unbe­rück­sich­tigt bleibt, ist dass es ein viel schlim­me­res Übel gibt: DEFLATION!

Wie­so das?

In eini­gen Staa­ten Euro­pas sowie in den USA sind die Bür­ger über­schul­det, weil sie zu hohe Kre­di­te für Immo­bi­li­en auf­ge­nom­men haben. Seit 2008 sin­ken aber die Prei­se die­ser Woh­nun­gen und Häu­ser. Die Men­schen müs­sen ihre Schul­den redu­zie­ren.

Dadurch haben sie weni­ger Geld für den Kon­sum ande­rer Güter, wes­halb die Unter­neh­men weni­ger ver­kau­fen kön­nen und mit Ent­las­sun­gen reagie­ren. Fol­ge: die Arbeits­lo­sig­keit steigt. Noch weni­ger Bür­ger kön­nen ihre Kre­di­te bezah­len und müs­sen Immo­bi­li­en ver­kau­fen.

Damit sinkt aber wie­der der Preis der Eigen­hei­me und das Gan­ze beginnt von vor­ne. Eine Spi­ra­le nach unten. Prei­se und Löh­ne hören nicht mehr auf zu sin­ken. Die­se Situa­ti­on wird Defla­ti­on genannt. Genau da sind wir in Spa­ni­en oder Grie­chen­land und genau das ist 1932 pas­siert. Das fol­gen­de Elend war der Nähr­bo­den für die radi­ka­len Ide­en des Natio­nal­so­zia­lis­mus.

Deut­sche Öko­no­men argu­men­tie­ren aus lau­ter Infla­ti­ons­angst dass die Geld­men­ge nicht zu stark stei­gen darf und die Zin­sen nicht zu tief sein soll­ten. Lei­der ist das Unsinn, weil in einer so gefähr­li­chen Situa­ti­on alles unter­nom­men wer­den muss, um eine Defla­ti­ons­spi­ra­le zu ver­hin­dern.

Die Euro­päi­sche und die US-Zen­tral­bank machen genau das Rich­ti­ge: Sie ver­bil­li­gen Kre­di­te durch Zins­sen­kun­gen und eine Aus­wei­tung der Geld­men­ge. Damit müs­sen vie­le Bür­ger ihre Woh­nun­gen und Häu­ser nicht ver­kau­fen und die Prei­se sin­ken lang­sa­mer. Die Chan­cen ste­hen gut, dass damit die brand­ge­fähr­li­che Defla­ti­on über­wun­den wer­den kann.

 

Fazit: unge­wöhn­li­che Zei­ten erfor­dern auch in der Öko­no­mie unge­wöhn­li­che Maß­nah­men. Das soll­ten auch mei­ne deut­schen Kol­le­gen lang­sam ver­ste­hen.