Ist die Krise vorbei?

Michael Scherling am 17. Juni 2014

Hier gleich die über­ra­schen­de Ant­wort:

JA!

Finanz­kri­se und Euro­kri­se sind in ihren aku­ten Aus­prä­gun­gen vor­bei. Hier ein paar Bei­spie­le und Grün­de für mei­ne Ein­schät­zung:

+ In Por­tu­gal sinkt die Arbeits­lo­sig­keit

+ In Eng­land sind die Immo­bi­li­en­prei­se über dem alten Rekord­stand von 2007

+ Die Ban­ken in den USA sind saniert

+ Spa­ni­en hat gro­ße Refor­men umge­setzt

+ Meh­re­re Bör­sen sind auf All­zeit­hoch (USA, Deutsch­land, …)

+ Die Zin­sen für die Staats­schul­den der Euro-Süd­län­der sind tie­fer als die der USA und auch nied­ri­ger als vor der Finanz­kri­se

+ Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank garan­tiert den Euro-Erhalt und hat durch das Geld-Mono­pol auch für vie­le Jah­re die Mög­lich­keit dazu

Ist also alles in Ord­nung? Der­zeit scheint es so, aber in eini­gen Jah­ren wer­den fol­gen­de Ent­wick­lun­gen Aus­lö­ser neu­er Tur­bu­len­zen sein:

- Die Staats­schul­den sind in vie­len Län­dern auf einem Niveau, auf dem die Rück­zahl­bar­keit ange­zwei­felt wer­den muss. Das allei­ne führt zu kei­ner Kri­se in den nächs­ten 5 Jah­ren. Nur in Japan ist mit 250% Staats­ver­schul­dung eine Schul­den­strei­chung wahr­schein­lich.

- Frank­reich ist reform­un­fä­hig und wird von Poli­ti­kern und Gewerk­schaf­tern an die Wand gefah­ren. Falls die durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank erkauf­te Zeit auch in den nächs­ten 5 – 10 Jah­ren nicht für Sys­tem­ver­bes­se­run­gen genutzt wird, kann der Euro auf Dau­er nicht wei­ter­be­stehen.

- Ein zwei­ter Schul­den­schnitt in Grie­chen­land ist uner­läss­lich. Ich glau­be aller­dings nicht, dass das zu einer Rie­sen-Kri­se führt. Bereits erwar­te­te Kata­stro­phen blei­ben meis­tens aus oder haben kaum Aus­wir­kun­gen.

- Vie­le euro­päi­sche Ban­ken sind Zom­bies. Ohne Unter­stüt­zung durch die Staa­ten und die Zen­tral­bank wären eini­ge nicht über­le­bens­fä­hig. Eine gesun­de Markt­be­rei­ni­gung wur­de ver­hin­dert, weil man Kon­kur­se nicht tole­rier­te (im Gegen­satz zu den USA). Dadurch erfül­len die Ban­ken nicht ihren Zweck der Dar­le­hens­ver­ga­be an Unter­neh­men. Die Zen­tral­bank kann Bank­zu­sam­men­brü­che aller­dings sehr lan­ge ver­hin­dern.
Die alte Pro­ble­me wie zu wenig Eigen­ka­pi­tal, Inter­es­sens­kon­flik­te und fal­sche Anrei­ze sowie Macht­miss­brauch sind nicht besei­tigt und kön­nen unser Finanz­sys­tem gefähr­den.

Fazit: Spe­zi­ell für Öster­reich und Deutsch­land ste­hen sta­bi­le Zei­ten bevor. Die öko­no­mi­schen Daten sind brauch­bar und die dau­er­haft nied­ri­gen Zin­sen sor­gen für Wachs­tums­im­pul­se. Aber klar ist: die nächs­te von außen kom­men­de Kri­se ist nur auf­ge­scho­ben, aber sie kommt!