Die wirtschaftliche Erholung der USA

Michael Scherling am 12. August 2014

Kre­dit­kri­sen dau­ern ja im Schnitt 7 Jah­re, sind vie­le Staa­ten betei­ligt, kann man eher von 10 Jah­ren aus­ge­hen.

Bald kom­men wir ins 7.Jahr — wie steht es nun beim Aus­lö­ser der Tur­bu­len­zen, den USA?

+ Die Arbeits­lo­sen­quo­te ist von 10% auf 6% gefal­len. Klingt gut, ist aber nur ein Teil­erfolg, weil vie­le Arbeit­neh­mer die Suche auf­ge­ge­ben oder sich in Pen­si­on ver­ab­schie­det haben.

+ Die Immo­bi­li­en­prei­se haben sich vom Tief­punkt erholt und ent­wi­ckeln sich sta­bil.

+ Das Wirt­schafts­wachs­tum ist nicht berau­schend, aber posi­tiv.

+ Die Infla­ti­on ist (noch) unter Kon­trol­le

Wie geht es wei­ter, kommt schon die nächs­te Kri­se?

Nein, denn der Ablauf nach Beginn eines wirt­schaft­li­chen Schocks ist so:

1. Die Kon­su­men­ten ver­rin­gern ihre Schul­den. 2008 bis 2012 pas­sier­te genau das. Nun kau­fen die Ame­ri­ka­ner wie­der mehr. Stei­gen­de Ver­mö­gens­prei­se (Akti­en, Anlei­hen und Immo­bi­li­en sind ja wesent­lich mehr wert als 2009) sor­gen für höhe­ren Kon­sum. Öko­no­mi­sche Schät­zun­gen (z.B. Prof. Feld­stein) gehen davon aus, dass pro 100 Dol­lar an höhe­rem Ver­mö­gen 4 Dol­lar mehr kon­su­miert wer­den. Allei­ne das führt 3 Jah­re lang zu einem um jeweils 1% höhe­rem Wirt­schafts­wachs­tum.

2. Die Unter­neh­men spa­ren: einer­seits durch Ent­las­sung von Mit­ar­bei­tern, ande­rer­seits durch Stopp von Inves­ti­tio­nen. Seit 2 Jah­ren wer­den wie­der neue Stel­len geschaf­fen, die­ses Pro­blem ist also gelöst. Mehr Beschäf­tig­te sor­gen durch ihr Ein­kom­men für mehr Kon­sum und Wachs­tum.

Aber: Noch hor­ten die Fir­men Mil­li­ar­den­sum­men und inves­tie­ren nicht. Die Aus­sich­ten sind ihnen noch nicht sta­bil genug. Das hat aber auto­ma­tisch ein Ende: Einer­seits steigt die Kapa­zi­täts­aus­las­tung, man­che Fir­men kämp­fen schon mit Eng­päs­sen bei der Pro­duk­ti­on und wer­den neue Maschi­nen anschaf­fen müs­sen. Ande­rer­seits ist das Alter der bestehen­den Anla­gen so hoch wie noch (fast) nie. Irgend­wann wird jeder Com­pu­ter und jede Indus­trie­an­la­ge kaputt und muss ersetzt wer­den. Neu­an­schaf­fun­gen geben der Gesamt­wirt­schaft einen star­ken Schub.

Ein guter vor­aus­ei­len­der Indi­ka­tor sind die stei­gen­den Last­wa­gen­ver­käu­fe: Beim Bau einer neu­en Pro­duk­ti­ons­stät­te zögern Unter­neh­men viel län­ger als bei einem LKW-Kauf.  Der his­to­ri­sche Ver­lauf zeigt, dass mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung auch die teu­re­ren Inves­ti­tio­nen fol­gen.

Fazit: Die USA sind schon weit fort­ge­schrit­ten in der wirt­schaft­li­chen Erho­lung. Unter­bre­chun­gen durch kurz­fris­tig Schocks (Ukrai­ne, Irak, Schnee­stür­me im Jänner/Februar) wird es aber immer wie­der geben. In Euro­pa dau­ert alles län­ger: Über­schul­de­te Bür­ger in den USA kön­nen oft schon nach einem Jahr neu begin­nen, in Spa­ni­en müs­sen sie ein Leben lang für die Alt­schul­den gera­de­ste­hen, im Rest Euro­pas meh­re­re Jah­re. Sol­che Rege­lun­gen erschwe­ren die wirt­schaft­li­che Erho­lung in Euro­pa.

Aber: Die Last­wa­gen­ver­käu­fe neh­men auch bei uns zu .…