Wie werden sich Spar- und Kreditzinsen entwickeln?

Michael Scherling am 28. Juli 2015

Nach­dem der letz­te Arti­kel zu die­sem The­ma (http://www.deroekonom.at/2012/10/wie-werden-sich-die-zinsen-entwickeln/) in Kür­ze 3 Jah­re alt wird, möch­te ich nun wie­der eine Ana­ly­se für die nächs­ten 3 Jah­re machen.

Grund­sätz­lich hat sich seit damals wenig ver­än­dert, ein­zig die Erwar­tungs­hal­tung ist nun eine ande­re: 2012 glaub­te mir noch kaum jemand, dass wir vor einer Nied­rig­zins­pha­se ste­hen wer­den wäh­rend aktu­ell immer mehr Men­schen davon aus­ge­hen.

Sach­lich gilt es fol­gen­de Umstän­de zu berück­sich­ti­gen:

+ Empi­risch ist zu beob­ach­ten, dass eine altern­de und/oder schrump­fen­de Bevöl­ke­rung zu dau­er­haft nied­ri­gen Zin­sen führt. Öko­no­mi­sche Ursa­che: in einem sol­chen Umfeld gibt es kaum Wachs­tum und gerin­ge Infla­ti­on, wes­halb kein Grund für hohe Zin­sen exis­tiert. Bei­spiel: Japan — seit 1990 ten­die­ren die Zin­sen gegen Null. Auch in Euro­pa altert die Bevöl­ke­rung.

+ In den letz­ten 3 Jah­ren sind die Schul­den­stän­de der Staa­ten wei­ter gestie­gen. Hät­ten wir ein Zins­ni­veau von z.B. 6%, wäre meh­re­re Staa­ten insol­vent, nicht nur Grie­chen­land. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) weiß das natür­lich. Sie will den Euro sicher nicht gefähr­den, wes­halb ein star­ker Zins­an­stieg in den nächs­ten 3 Jah­ren völ­lig aus­ge­schlos­sen ist. Nach­dem die EZB das Mono­pol auf unse­re Wäh­rung hat, besitzt sie auch die not­wen­di­gen Mit­tel, um Zins­an­stie­ge zu ver­hin­dern. Man sieht das aktu­ell sehr gut an dem mil­li­ar­den­schwe­ren Anlei­he­kauf­pro­gramm.

Das abso­lu­te Zins­tief dürf­te aber hin­ter uns lie­gen. Zu Spit­zen­zei­ten wur­de rund ein Drit­tel der neu aus­ge­ge­be­nen Staats­an­lei­hen mit Null oder sogar Nega­tiv­zins aus­ge­ge­ben. Die­se Skur­ri­li­tät ist vor­bei, weil die Markt­teil­neh­mer nicht mehr mit Defla­ti­on rech­nen.

Bis Herbst 2016 kauft die EZB mit rie­si­gen Sum­men Staats- und ande­re Anlei­hen von den Ban­ken auf. Die­se sol­len ver­stärkt Kre­di­te ver­ge­ben und damit die Wirt­schaft ankur­beln. In die­ser Zeit wäre ein Zins­an­he­bung kon­tra­pro­duk­tiv, womit klar ist, dass in den nächs­ten 1 – 2 Jah­ren die Null­zins­po­li­tik wei­ter­ge­führt wer­den wird.

Fazit: es ist gut mög­lich, dass wir auch in 10 Jah­ren noch sehr tie­fe Zin­sen haben wer­den, so gut wie sicher ist das aber für die nächs­ten 3 Jah­re. Kre­dit­neh­mer dür­fen sich also wei­ter­hin freu­en. Für Spa­rer wird es immer schwie­ri­ger, Anla­ge­al­ter­na­ti­ven zu fin­den, die über der Infla­ti­ons­ra­te lie­gen. Noch gibt es sie aber…