Geld anlegen in Zeiten der politischen Unsicherheit

Michael Scherling am 21. Januar 2019

Immer wie­der höre ich Aus­sa­gen von Anle­gern wie “Ich war­te mit der Geld­an­la­ge noch auf den Aus­gang des Brex­it“.

Muss man poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen in der Geld­an­la­ge wirk­lich berück­sich­ti­gen?

Wich­tig ist zu unter­schei­den:

Groß­ereig­nis­se wie ein Korea-Atom­krieg: sol­che Ent­wick­lun­gen sind wie ein Meteo­ri­ten­ein­schlag zu wer­ten – sie kön­nen jeder­zeit pas­sie­ren und sind kaum pro­gnos­ti­zier­bar. Eine Berück­sich­ti­gung in der Geld­an­la­ge ist sinn­los. Man dürf­te sonst nie­mals Geld anle­gen.

Wah­len, Han­dels­krieg, Brex­it etc.: wir Men­schen mögen Unsi­cher­heit nicht – des­halb sin­ken vor diver­sen Ereig­nis­sen fast immer die Wert­pa­pier­kur­se. Tritt das Ereig­nis ein, pas­siert meis­tens nicht mehr viel – dann haben wir ja mehr Sicher­heit (selbst wenn der Aus­gang nega­tiv ist). Der Aus­blick in die Zukunft ist wie­der ein­fa­cher und die Unsi­cher­heit gerin­ger.

Umbrü­che: Jeden­falls aktiv wer­den muss man, wenn es zu Umbrü­chen im poli­ti­schen Sys­tem kommt. Bes­tes Bei­spiel ist Vene­zue­la: bald nach der Macht­über­nah­me des sozia­lis­ti­schen Dik­ta­tors Hugo Cha­vez war abseh­bar, dass das Land rui­niert wür­de. Die Gefahr eines Total­ver­lus­tes bei den dor­ti­gen Staats­an­lei­hen und Akti­en war ab die­sem Zeit­punkt zu groß. Schwie­ri­ger ist eine schlei­chen­de Ent­wick­lung wie in der Tür­kei zu beur­tei­len. Im Zwei­fels­fall soll­te man Anla­gen in sol­chen Län­dern mei­den.

Die häu­figs­ten Ereig­nis­se fal­len aber unter Punkt 2. Weil wir von den Medi­en stän­dig damit kon­fron­tiert wer­den, wid­men wir ihnen viel zu viel Auf­merk­sam­keit und ver­ges­sen Fol­gen­des:

In Zei­ten des Null­zin­ses ist Geld­an­la­ge erst ab 4 bis 5 Jah­ren Anla­ge­ho­ri­zont sinn­voll. In die­ser Zeit kön­nen sich alle Betei­lig­ten anpas­sen.

Bes­tes Bei­spiel: Ein har­ter Brex­it kann kurz­fris­tig die bri­ti­sche (und wohl auch die deut­sche und fran­zö­si­sche) Wirt­schaft in eine Rezes­si­on stür­zen und die Wert­pa­pier­kur­se sin­ken las­sen. 5 Jah­re spä­ter ist das aber kein The­ma mehr, weil sich die Unter­neh­men neu aus­ge­rich­tet haben und neue Rege­lun­gen zwi­schen den Staa­ten ent­stan­den sind. Anla­ge­tech­nisch han­delt es sich also um ein irrele­van­tes Ereig­nis.

Fazit: poli­ti­sche Bör­sen haben kur­ze Bei­ne. Län­ger­fris­ti­ges Den­ken ist bei der Geld­an­la­ge viel ent­schei­den­der als poli­ti­sche Ereig­nis­se.