Rezession oder doch nicht?

Michael Scherling am 6. Juni 2019

Noch vor einem Jahr herrsch­te Hoch­kon­junk­tur — in Deutsch­land waren die Holz­pa­let­ten so knapp, dass es War­te­zei­ten gab, bis die Fir­men Ihre Waren trans­por­tie­ren konn­ten.

Durch Han­dels­krieg und das natür­lich Auf und Ab der Kon­junk­tur hat sich das Bild sehr schnell gewan­delt. Die Zah­len bekommt man erst im Nach­hin­ein, aber es wür­de mich nicht wun­dern, wenn die Unter­neh­men (spe­zi­ell in Euro­pa) bereits in einer Rezes­si­on steck­ten.

Unsi­cher­heit hält Fir­men von Inves­ti­tio­nen ab und inter­na­tio­na­le Waren­strö­me sind durch die Han­dels­kon­flik­te gestört.

Den­noch ist eine gro­ße Kri­se wie 2008 weit und breit nicht zu sehen. Es gibt auch einen ein­fa­chen Grund dafür:

Wirk­lich schlim­me Kri­sen gehen immer von einer Über­schul­dung der Pri­vat­haus­hal­te aus. Das war in den 30er Jah­ren so und auch 2008, als über­schul­de­te Immo­bi­li­en­be­sit­zer in USA, Spa­ni­en, Irland etc. kein Geld mehr für den Kon­sum hat­ten und die Abwärts­spi­ra­le schwer zu durch­bre­chen war.

Aktu­ell sind nicht nur in USA die Lohn­stei­ge­run­gen mit rund 3% so hoch wie schon vie­le Jah­re nicht mehr, son­dern auch in vie­len Län­dern Euro­pas. Mehr Ein­kom­men der Pri­va­ten ver­hin­dert eine schlim­me Kri­se, weil dadurch die Fir­men mehr ver­kau­fen kön­nen und der Staat wei­ter­hin schö­ne Steu­er­ein­nah­men hat.

Wenn 2 von 3 Akteu­ren einer Volks­wirt­schaft (Pri­va­te, Staat und Unter­neh­men) in guter Ver­fas­sung sind, sinkt das Risi­ko einer Kri­se.

Zusätz­lich sind durch die nied­ri­gen Zin­sen auch die bestehen­den Schul­den sehr gut trag­bar. Der Anteil der Kre­dit­zah­lun­gen am ver­füg­ba­ren Ein­kom­men ist in den meis­ten Län­dern auf einem Rekord­tief.

Fazit: Auch wenn es den Unter­neh­men der­zeit schlecht geht, ist eine schlim­me Kri­se nicht abseh­bar.