Zur Lage der Nation – und der Welt

Michael Scherling am 22. Januar 2020

Der Jän­ner eig­net sich sehr gut für Aus­bli­cke – aber kei­ne Pro­gno­sen, denn die­se sind, wie wir wis­sen, sinn­los und unmög­lich.

Eini­ge Din­ge sind klar: poli­ti­sche Unsi­cher­hei­ten wird es wei­ter­hin geben, sie sind aber für Ent­schei­dun­gen im Geld­an­la­ge­be­reich nicht sehr rele­vant (sie­he https://www.deroekonom.at/2019/01/geld-anlegen-in-zeiten-der-politischen-unsicherheit/).

Für einen Anla­ge­zeit­raum von unter 5 Jah­ren Geld anzu­le­gen ist wegen der ver­fehl­ten Null­zins­po­li­tik der Zen­tral­ban­ken immer noch schwie­rig.

Erfreu­li­cher­wei­se sind aktu­ell kei­ne Rie­sen-Ungleich­ge­wich­te zu erken­nen, die eine gro­ße Kri­se wie im Jahr 2008 ver­mu­ten lie­ßen.

Ers­te Indi­ka­to­ren wei­sen sogar dar­auf hin, dass sich die Welt­wirt­schaft lang­sam aber doch erholt und eine star­ke Rezes­si­on sehr unwahr­schein­lich wer­den lässt. Hier hilft auch die Unter­stüt­zung durch die Noten­ban­ken. Hohe Lohn­er­hö­hun­gen in Euro­pa und USA stüt­zen den Kon­sum und sta­bi­li­sie­ren die Wirt­schaft.

Quel­le: JP Mor­gan Asset Manage­ment, Gui­de to the mar­kets 2020 01

Wie in der Gra­fik zu sehen ist, sinkt die Arbeits­lo­sig­keit, was den volks­wirt­schaft­li­chen Kon­sum sta­bi­li­siert.

Die ent­ge­gen vie­ler Markt­kom­men­ta­re nicht über­be­wer­te­ten Akti­en­märk­te sind auf län­ge­re Sicht wei­ter­hin inter­es­sant und wer­den rund 5% jähr­li­chen Durch­schnitts­er­trag ermög­li­chen.

Fazit: klingt nach einem lang­wei­lig guten Jahr, aber die Erfah­rung lehrt uns, dass es zwar gut wer­den kann, aber sicher nicht lang­wei­lig.

Schwankungen und Risiko

Michael Scherling am 25. November 2019

Seit eine fran­zö­si­sche Ex-Poli­ti­ke­rin Che­fin der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ist, ist auch klar, dass es in den nächs­ten Jah­ren kei­ne Zins­er­hö­hun­gen geben wird.

Somit wer­den wir auf Kon­ten und Spar­bü­chern wei­ter­hin viel Geld ver­lie­ren. Bei einer Sum­me von z.B. 100.000€ ver­liert man in 10 Jah­ren durch die Infla­ti­on rund 15.000€ an Kauf­kraft.

Um dem zu ent­ge­hen, muss man das Geld sinn­voll anle­gen. Öster­rei­che­rin­nen und Öster­rei­cher wol­len das aller­dings risi­ko­los tun. Es ist daher wich­tig, zwi­schen Risi­ko und Schwan­kun­gen zu unter­schei­den:

Vor­ab: ohne Schwan­kun­gen gibt es kei­nen Ertrag mehr. Das gilt auch, wenn man mit „nur“ 3% Ertrag zufrie­den ist.

Risi­ko bedeu­tet aus mei­ner Sicht, dass ein Groß­teil oder das gan­ze Geld für
immer weg ist.

Bei­spie­le für Risi­ko sind Immo­fi­nanz-Akti­en oder die Wien­wert-Anlei­hen. Span­nend dabei: bei­de Titel hat­ten lan­ge Zeit fast kei­ne Schwan­kun­gen, waren aber immer schon extrem ris­kant!

Gegen­bei­spiel dafür ist ein Port­fo­lio aus Akti­en­fonds oder Akti­en­in­di­ces:
sie schwan­ken hef­tig und wer­den des­halb von der Bevöl­ke­rung als „ris­kant“ wahr­ge­nom­men.
Dabei ist es so gut wie aus­ge­schlos­sen, dass das Geld lang­fris­tig ver­lo­ren
geht:

So lan­ge es Men­schen gibt, wird es auch Unter­neh­men geben. Wenn ich über breit gestreu­te Fonds Antei­le an z.B. 1.000 Unter­neh­men (Akti­en) habe, ist es belang­los, wenn ein­zel­ne Fir­men in Kon­kurs gehen.

Zu beach­ten ist dann nur noch die Anla­ge­dau­er: unter 5 Jah­ren ist kri­tisch, da in die­sem Zeit­raum his­to­ri­sche Ver­lus­te von 20% und mehr nicht unüb­lich waren. Bei 20 Jah­ren Ver­an­la­gungs­dau­er hin­ge­gen gab es in den letz­ten 220 Jah­ren trotz diver­ser Krie­ge und Kri­sen kei­ne Ver­lus­te mit breit gestreu­ten Akti­en.

Bei Anla­gen in Bereich 5 – 20 Jah­re liegt der „risi­ko-opti­ma­le“ Akti­en­an­teil zwi­schen 20 und 90%.

Fazit: kau­fen Sie Anla­gen mit Schwan­kun­gen, aber ohne Risi­ko!

Ökonomie und Ökologie

Michael Scherling am 9. Oktober 2019

Als nach­hal­tig den­ken­der Öko­nom, der in Kür­ze sein Elek­tro­au­to mit selbst erzeug­ter Pho­to­vol­ta­ik-Ener­gie antrei­ben wird, nur regio­na­le Bio­pro­duk­te kauft, kei­ne Fern­rei­sen macht und mit dem Zug ins Büro fährt, schre­cke ich mich doch immer wie­der, wie sehr die fal­schen The­men in den Medi­en dis­ku­tiert wer­den.

Bes­tes Bei­spiel: CO2-Steu­ern: Schwe­den wird als Vor­bild für CO2-Reduk­ti­on genannt. In den ers­ten 18 Jah­ren nach Ein­füh­rung der Steu­er stie­gen die Emis­sio­nen aber kräf­tig wei­ter. Erst der Ein­satz von Bio­die­sel stopp­te den Trend. Dum­mer­wei­se kommt der Roh­stoff dafür (Palm­öl­pro­duk­te!!!) größ­ten­teils aus Malay­sia und Indo­ne­si­en und rich­tet dort wohl viel mehr Scha­den für unser Kli­ma an als die Schwe­den Vor­tei­le haben.

Der wirk­sams­te Kli­ma­schutz ist Bevöl­ke­rungs­kon­trol­le. Die im Schnitt 1,5 Gebur­ten pro Frau in Euro­pa füh­ren mit­tel­fris­tig auto­ma­tisch zu weni­ger Men­schen und damit weni­ger CO2. Lei­der wer­den Indi­en mit 2,5 Kin­dern pro Frau oder Nige­ria mit 7 Kin­dern unse­ren Pla­ne­ten enorm belas­ten.

Ver­zicht ist Unsinn: so erfreu­lich die Initia­ti­ve jun­ger Men­schen ist, so naiv sind die Lösungs­vor­schlä­ge. 90% der CO2-Belas­tun­gen kom­men nicht aus der EU. Es wäre also sinn­vol­ler, für Bevöl­ke­rungs­kon­trol­le in Afri­ka und Asi­en zu demons­trie­ren, als für CO2-Reduk­ti­on in Öster­reich.

Ver­trei­ben wir die Pro­duk­ti­on mit hohen CO2-Abga­ben aus Öster­reich, ver­nich­ten wir nicht nur Arbeits­plät­ze, son­dern schä­di­gen das Kli­ma: Der öko­lo­gi­sche Fuß­ab­druck ver­dop­pelt sich bei Ver­la­ge­rung ins Aus­land. Wir haben die sau­bers­ten Indus­tri­en welt­weit: die che­mi­sche Indus­trie etwa ver­ur­sacht nur halb so viel Emis­sio­nen wir im EU-Schnitt. Für jede zusätz­li­che Ton­ne CO2 in Öster­reich könn­ten glo­bal 1,9 Ton­nen CO2 ein­ge­spart wer­den.

Wohl­stand ist der bes­te Kli­ma­schutz: die Men­schen, die sich gera­de so viel Koh­le leis­ten kön­nen, um nicht frie­ren zu müs­sen, kön­nen sich nicht den “Luxus” leis­ten, über kli­ma­scho­nen­de Alter­na­ti­ven nach­zu­den­ken. Wir wohl­ha­ben­den Län­der kön­nen das, sind aber in Euro­pa nur für 10% der Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich. Wirt­schafts­wachs­tum und die damit ver­bun­de­ne Wohl­stands­ver­meh­rung sind die ein­zi­ge Mög­lich­keit, den Pla­ne­ten zu ret­ten.

Tech­no­lo­gie ist die Lösung: es gibt bereits Algen, die idea­ler Kero­sin­er­satz sind (nur die groß-indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on dau­ert noch). Genau wie das Ozon­loch durch Tech­no­lo­gie geschlos­sen wur­de (Ersatz der Flu­or­chlor­koh­len­was­ser­stof­fe), ist auch das Welt­kli­ma nur mit moderns­ter Tech­nik zu ret­ten. Ob das die CO2-Ein­la­ge­rung im Gestein, das Auf­fors­ten der Wäl­der oder Algen­tech­no­lo­gie ist – wir soll­ten die Mil­li­ar­den, die wir durch Wirt­schafts­wachs­tum gene­riert haben, in For­schung ste­cken und den Grün-Popu­lis­ten Ein­halt gebie­ten.

Buch-Tipp: Paul Haw­ken, Draw­down Der Plan

Noch eine Ergän­zung zur Idee des Ver­zichts (Quel­le: Bert Floss­bach, 15.11.2019, www.flossbachvonstorch.at/de/news):

Kann erzwungener Verzicht die Lösung sein?

Abge­se­hen davon, dass es kei­ne legi­ti­mier­te und akzep­tier­te Instanz gibt, die bestim­men kann, was im Ein­zel­fall kon­kret als unver­zicht­bar gilt, mag dies für all jene, die weder auf einen Job noch die Seg­nun­gen der sozia­len Siche­rungs­sys­te­me ange­wie­sen sind, als gang­ba­rer Weg erschei­nen.

Wer aber einen Arbeits­platz braucht, Leis­tun­gen der Kran­ken­kas­se in Anspruch neh­men möch­te und im Alter auf eine Ren­te ange­wie­sen ist, wird einen Schrump­fungs­kurs der Wirt­schaft mit aller Här­te am eige­nen Lei­be zu spü­ren bekom­men. Eine mas­si­ve Schrumpf­kur führt zu Arbeits­lo­sig­keit, implo­die­ren­den Steu­er­ein­nah­men und – auf­grund der demo­gra­phi­schen Ent­wick­lung – zu einem Kol­laps der sozia­len Siche­rungs­sys­te­me. Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit, Armut und har­te gesell­schaft­li­che Kon­flik­te wären die Fol­gen. Auch das Kli­ma wür­de lei­den, denn Kli­ma­schutz wäre dann wohl kaum noch auf der Agen­da einer um ihre Exis­tenz kämp­fen­den Bevöl­ke­rung. Die Inno­va­tions- und Inves­ti­ti­ons­dy­na­mik wür­de erlah­men und damit wären sowohl die öko­no­mi­sche als auch die öko­lo­gi­sche Basis heu­ti­ger und zukünf­ti­ger Genera­tio­nen zer­stört.

Spä­tes­tens dann frisst die Revo­lu­ti­on ihre Kin­der, und die heu­te Ankla­gen­den säßen selbst auf der Ankla­ge­bank und müss­ten sich wohl fol­gen­den Vor­wurf anhö­ren: „Wohl­mei­nend habt ihr die Umwelt ret­ten wol­len, doch wie konn­tet ihr nur glau­ben, dass mit der Abschaf­fung der SUVs, ein paar Euro Umwelt­ab­ga­be fürs Flie­gen und Las­ten­rä­dern für den Stadt­ver­kehr der Kli­ma­wan­del zu stop­pen sei? War­um habt ihr euch kon­struk­ti­ven Lösun­gen ver­wei­gert, war­um die Markt­wirt­schaft ver­teu­felt und damit unse­re öko­no­mi­sche Zukunft ver­spielt?“

Der Niedergang des Euro

Michael Scherling am 13. Juli 2019

Die schlech­ten Aus­sich­ten für den Euro las­sen sich in einem Satz zusam­men­fas­sen:

Eine fran­zö­si­sche Juris­tin und Ex-Poli­ti­ke­rin wird Che­fin der Euro­päi­schen Zen­tral­bank!

Das durch einen poli­ti­schen Kuh­han­del ent­stan­de­ne Desas­ter besteht aus genau die­sen drei Tei­len:

  • Frank­reich steht nicht nur für mehr Schul­den, son­dern auch für eine Ver­ge­mein­schaf­tung der Schul­den. Staats­an­lei­hen sol­len aus­ge­ge­ben wer­den, für die alle Staa­ten haf­ten. Auf lan­ge Frist zah­len dann die sta­bi­len Nord-Län­der für die Schul­den­po­li­tik der Süd-Län­der.
  • Als Poli­ti­ke­rin in Frank­reich ist Frau Lagar­de nicht durch beson­de­re öko­no­mi­sche Kom­pe­tenz auf­ge­fal­len.
  • Ein Zen­tral­bank­chef soll­te den Poli­ti­kern die kom­ple­xen Zusam­men­hän­ge der Geld­po­li­tik erklä­ren und sach­lich han­deln. Mit der beruf­li­chen Erfah­rung aus einer US-Anwalts­kanz­lei wird das nicht gelin­gen. Für Ihren aktu­el­len Job als Che­fin des Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds war sie eben­falls nicht qua­li­fi­ziert. Ihre Aus­sa­gen stan­den immer wie­der im Wider­spruch zu den Über­zeu­gun­gen der Exper­ten die­ser Insti­tu­ti­on.

Für uns in Öster­reich bedeu­tet Frau Lagar­de, dass die Zin­sen für lan­ge Zeit bei Null blei­ben und sogar Nega­tiv­zin­sen auf Kon­ten und Spar­bü­chern denk­bar wer­den. Der Euro kann sich ohne Zin­sen kaum auf­wer­ten. Das hilft zwar kurz­fris­tig den export­ori­en­tier­ten Fir­men, scha­det aber unse­rem Wohl­stand: Wir zah­len mehr für Ben­zin, Urlaubs­rei­sen und sämt­li­che impor­tier­te Waren.

Fazit: Der Nie­der­gang Euro­pas hat ohne­hin schon begon­nen, weil die arbeits­fä­hi­ge Bevöl­ke­rung sta­gniert und wir den Chi­ne­sen und Ame­ri­ka­nern auch durch die poli­ti­sche Zer­split­te­rung der EU nichts mehr ent­ge­gen­hal­ten kön­nen. Eine unqua­li­fi­zier­te Prä­si­den­tin der euro­päi­schen Zen­tral­bank wird den Ver­fall zusätz­lich ver­stär­ken.

Rezession oder doch nicht?

Michael Scherling am 6. Juni 2019

Noch vor einem Jahr herrsch­te Hoch­kon­junk­tur — in Deutsch­land waren die Holz­pa­let­ten so knapp, dass es War­te­zei­ten gab, bis die Fir­men Ihre Waren trans­por­tie­ren konn­ten.

Durch Han­dels­krieg und das natür­lich Auf und Ab der Kon­junk­tur hat sich das Bild sehr schnell gewan­delt. Die Zah­len bekommt man erst im Nach­hin­ein, aber es wür­de mich nicht wun­dern, wenn die Unter­neh­men (spe­zi­ell in Euro­pa) bereits in einer Rezes­si­on steck­ten.

Unsi­cher­heit hält Fir­men von Inves­ti­tio­nen ab und inter­na­tio­na­le Waren­strö­me sind durch die Han­dels­kon­flik­te gestört.

Den­noch ist eine gro­ße Kri­se wie 2008 weit und breit nicht zu sehen. Es gibt auch einen ein­fa­chen Grund dafür:

Wirk­lich schlim­me Kri­sen gehen immer von einer Über­schul­dung der Pri­vat­haus­hal­te aus. Das war in den 30er Jah­ren so und auch 2008, als über­schul­de­te Immo­bi­li­en­be­sit­zer in USA, Spa­ni­en, Irland etc. kein Geld mehr für den Kon­sum hat­ten und die Abwärts­spi­ra­le schwer zu durch­bre­chen war.

Aktu­ell sind nicht nur in USA die Lohn­stei­ge­run­gen mit rund 3% so hoch wie schon vie­le Jah­re nicht mehr, son­dern auch in vie­len Län­dern Euro­pas. Mehr Ein­kom­men der Pri­va­ten ver­hin­dert eine schlim­me Kri­se, weil dadurch die Fir­men mehr ver­kau­fen kön­nen und der Staat wei­ter­hin schö­ne Steu­er­ein­nah­men hat.

Wenn 2 von 3 Akteu­ren einer Volks­wirt­schaft (Pri­va­te, Staat und Unter­neh­men) in guter Ver­fas­sung sind, sinkt das Risi­ko einer Kri­se.

Zusätz­lich sind durch die nied­ri­gen Zin­sen auch die bestehen­den Schul­den sehr gut trag­bar. Der Anteil der Kre­dit­zah­lun­gen am ver­füg­ba­ren Ein­kom­men ist in den meis­ten Län­dern auf einem Rekord­tief.

Fazit: Auch wenn es den Unter­neh­men der­zeit schlecht geht, ist eine schlim­me Kri­se nicht abseh­bar.

Die schlechtesten Geldanleger der Welt

Michael Scherling am 5. Mai 2019

Ein bis zwei Mal jähr­lich wer­den Stu­di­en zum Anla­ge­er­folg ver­schie­de­ner Natio­nen ver­öf­fent­licht. Die Ergeb­nis­se vari­ie­ren je nach unter­such­tem Zeit­raum, aber das Gesamt­bild ist immer das glei­che:

Öster­rei­cher erzie­len etwa 2% p.a. mit ihren Ver­an­la­gun­gen, wäh­rend Skan­di­na­vi­er bei etwa 4% lie­gen und US- und aus­tra­li­sche Bür­ger bei rund 6%.

War­um sind wir die schlech­tes­ten Geld­an­le­ger der Welt?

  • Es fehlt an Finanz­bil­dung: Dass ein Matu­rant in sei­ner gan­zen Schul­zeit kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen über Geld­an­la­ge bekom­men hat, ist schon schlimm genug. Aber es geht noch bes­ser: zu mei­ner Stu­di­en­zeit an der Wirt­schafts­uni muss­te man sich auf Finanz­märk­te spe­zia­li­sie­ren (was weni­ge taten), um gut infor­miert zu sein. Der durch­schnitt­li­che Wirt­schafts­aka­de­mi­ker war beim The­ma Geld­an­la­ge weit­ge­hend ahnungs­los. Und wie wir wei­ter unten sehen wer­den: „Halb­wis­sen“ ist am Schlimms­ten.
  • Schlech­te Bera­tung kann natür­lich auch eine der Ursa­chen für die kata­stro­pha­len Ergeb­nis­se sein. Qua­li­fi­zier­te Bank­be­ra­ter sind kaum zu fin­den, weil der Job unat­trak­tiv ist. Gute Mit­ar­bei­ter suchen sich intern ande­re Jobs.

Es geht aber noch extre­mer: Prof. Thors­ten Hens (Uni­ver­si­tät Zürich) hat erho­ben, wie erfolg­reich Anle­ger sind, die ohne Bera­tung Geld inves­tie­ren. Das Ergeb­nis ist fas­zi­nie­rend:

Minus 5% jähr­lich!

Das Schlimms­te, was man tun kann, ist also, ohne Bera­tung Invest­ments zu täti­gen.

Die Wis­sen­schaft des Beha­viou­ral Finan­ce kennt die Ursa­chen: spe­zi­ell Män­ner über­schät­zen ihr Wis­sen und Kön­nen sys­te­ma­tisch und tap­pen auch sonst in sämt­li­che Fal­len.

Die Öster­rei­cher könn­ten lang­fris­tig um Mil­li­ar­den Euro rei­cher sein, wenn sie von exzel­len­ten Bera­tern unter­stützt wür­den. Lei­der ist der Ruf der Bran­che durch unqua­li­fi­zier­te Selb­st­op­ti­mie­rer unter den Ver­mö­gens­be­ra­tern rui­niert.

Wie fin­det man einen wirk­lich guten Ver­mö­gens­be­ra­ter:

Ide­al ist fol­gen­de Kom­bi­na­ti­on:

+ Aka­de­mi­ker

+ Zusatz­aus­bil­dun­gen (v.a. Cer­ti­fied Finan­ci­al Plan­ner, cfp.at)

+ Lang­jäh­ri­ge Berufs­er­fah­rung

+ Ein soli­des Unter­neh­men im Hin­ter­grund

Fazit: Öster­rei­che­rin­nen und vor allem Öster­rei­cher bräuch­ten drin­gend hoch­qua­li­fi­zier­te Ver­mö­gens­be­ra­tung. Der Zeit­auf­wand für die Suche lohnt sich!

Räuber-Kapitalismus in den USA

Michael Scherling am 15. März 2019

Rund um das Jahr 1900 hat­ten „US-Kapi­ta­lis­ten“ wie Rocke­fel­ler, Car­ne­gie oder Mor­gan rie­si­ge Ver­mö­gen durch exzes­si­ve Aus­übung von Macht ange­häuft. Ihre Mit­tel waren die Schaf­fung von Mono­po­len, Aus­beu­tung von Arbei­tern und Beein­flus­sung von Poli­ti­kern. Theo­do­re Roo­se­velt mach­te damit Schluss, indem er Anti-Mono­pol-Geset­zes durch­set­ze.

In den letz­ten 2 Jahr­zehn­ten ist wie­der eine Kon­zen­tra­ti­ons­ten­denz in den USA zu bemer­ken. Nicht nur Goog­le, Ama­zon und Face­book sind einem Mono­pol­sta­tus sehr nahe. Auch bei den Flug­li­ni­en domi­nie­ren 4 Unter­neh­men den Markt und hal­ten die Prei­se hoch. Der Gesund­heits­sek­tor ist unter ande­rem des­halb so teu­er, weil weni­ge Fir­men den Markt domi­nie­ren.

Die Behör­den unter­neh­men im Wesent­li­chen nichts dage­gen. 90% der Zusam­men­schlüs­se wer­den umge­setzt. Fol­ge sind über­höh­te Prei­se, wenig Inno­va­ti­on und schlech­tes Kun­den­ser­vice.

Die ent­stan­de­ne Unzu­frie­den­heit in der Bevöl­ke­rung nut­zen Poli­ti­ker wie Trump und San­ders. Trump aller­dings för­dert die Kon­zer­ne zusätz­lich mit Steu­er­ge­schen­ken und unter­nimmt nichts gegen volks­wirt­schaft­lich nach­tei­li­ge Zusam­men­schlüs­se.

Das Gegen­teil pas­siert in Euro­pa:

Die Fusi­on von Sie­mens und Alstom wur­de von der EU-Wett­be­werbs­be­hör­de unter­sagt. Die bei­den Kon­zer­ne woll­ten ihre Eisen­bahn-Spar­ten zusam­men­schlie­ßen, um inter­na­tio­nal gegen die über­mäch­ti­ge chi­ne­si­sche Kon­kur­renz auf­tre­ten zu kön­nen.

Was ist nun die bes­se­re Lösung?

Ide­al wäre ein Tausch: Die USA könn­ten von einer Anwen­dung der EU-Nor­men pro­fi­tie­ren. Wir hin­ge­gen soll­ten dafür sor­gen, dass unse­re Unter­neh­men nicht von Über-Regu­lie­rung behin­dert und damit ihrer Zukunfts-Chan­cen beraubt wer­den.

Geld anlegen in Zeiten der politischen Unsicherheit

Michael Scherling am 21. Januar 2019

Immer wie­der höre ich Aus­sa­gen von Anle­gern wie “Ich war­te mit der Geld­an­la­ge noch auf den Aus­gang des Bre­x­it“.

Muss man poli­ti­sche Ent­wick­lun­gen in der Geld­an­la­ge wirk­lich berück­sich­ti­gen?

Wich­tig ist zu unter­schei­den:

Groß­ereig­nis­se wie ein Korea-Atom­krieg: sol­che Ent­wick­lun­gen sind wie ein Meteo­ri­ten­ein­schlag zu wer­ten – sie kön­nen jeder­zeit pas­sie­ren und sind kaum pro­gnos­ti­zier­bar. Eine Berück­sich­ti­gung in der Geld­an­la­ge ist sinn­los. Man dürf­te sonst nie­mals Geld anle­gen.

Wah­len, Han­dels­krieg, Bre­x­it etc.: wir Men­schen mögen Unsi­cher­heit nicht – des­halb sin­ken vor diver­sen Ereig­nis­sen fast immer die Wert­pa­pier­kur­se. Tritt das Ereig­nis ein, pas­siert meis­tens nicht mehr viel – dann haben wir ja mehr Sicher­heit (selbst wenn der Aus­gang nega­tiv ist). Der Aus­blick in die Zukunft ist wie­der ein­fa­cher und die Unsi­cher­heit gerin­ger.

Umbrü­che: Jeden­falls aktiv wer­den muss man, wenn es zu Umbrü­chen im poli­ti­schen Sys­tem kommt. Bes­tes Bei­spiel ist Vene­zue­la: bald nach der Macht­über­nah­me des sozia­lis­ti­schen Dik­ta­tors Hugo Cha­vez war abseh­bar, dass das Land rui­niert wür­de. Die Gefahr eines Total­ver­lus­tes bei den dor­ti­gen Staats­an­lei­hen und Akti­en war ab die­sem Zeit­punkt zu groß. Schwie­ri­ger ist eine schlei­chen­de Ent­wick­lung wie in der Tür­kei zu beur­tei­len. Im Zwei­fels­fall soll­te man Anla­gen in sol­chen Län­dern mei­den.

Die häu­figs­ten Ereig­nis­se fal­len aber unter Punkt 2. Weil wir von den Medi­en stän­dig damit kon­fron­tiert wer­den, wid­men wir ihnen viel zu viel Auf­merk­sam­keit und ver­ges­sen Fol­gen­des:

In Zei­ten des Null­zin­ses ist Geld­an­la­ge erst ab 4 bis 5 Jah­ren Anla­ge­ho­ri­zont sinn­voll. In die­ser Zeit kön­nen sich alle Betei­lig­ten anpas­sen.

Bes­tes Bei­spiel: Ein har­ter Bre­x­it kann kurz­fris­tig die bri­ti­sche (und wohl auch die deut­sche und fran­zö­si­sche) Wirt­schaft in eine Rezes­si­on stür­zen und die Wert­pa­pier­kur­se sin­ken las­sen. 5 Jah­re spä­ter ist das aber kein The­ma mehr, weil sich die Unter­neh­men neu aus­ge­rich­tet haben und neue Rege­lun­gen zwi­schen den Staa­ten ent­stan­den sind. Anla­ge­tech­nisch han­delt es sich also um ein irrele­van­tes Ereig­nis.

Fazit: poli­ti­sche Bör­sen haben kur­ze Bei­ne. Län­ger­fris­ti­ges Den­ken ist bei der Geld­an­la­ge viel ent­schei­den­der als poli­ti­sche Ereig­nis­se.

Was Zölle wirklich bringen

Michael Scherling am 22. November 2018

Wir sehen der­zeit anhand der US-Stahl­zöl­le ein wun­der­ba­res Bei­spiel wie Zöl­le funk­tio­nie­ren. Ein­ge­führt ohne sach­li­che Recht­fer­ti­gung (nur 3% des Stahl­ver­brauchs in den USA ent­fal­len auf die ame­ri­ka­ni­sche Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie und ledig­lich 2% der Stahl­im­por­te in die USA stam­men aus Chi­na) ent­fal­ten sich fol­gen­de Wir­kun­gen:

+ Der admi­nis­tra­ti­ve Auf­wand ist enorm: es gibt bereits 32.000 Aus­nah­me­an­trä­ge und 15.000 Ein­wän­de von hei­mi­schen Stahl­pro­du­zen­ten. Vie­le (letzt­lich unpro­duk­ti­ve Mit­ar­bei­ter) wur­den dafür ein­ge­stellt.

+ Prei­se stei­gen: Der Preis für Stahl in den USA ist um 33% höher als im Vor­jahr. Stahl­ver­brau­chen­de Unter­neh­men (wie etwa Her­stel­ler von Autos, Werk­zeug- und Land­ma­schi­nen) sind wegen der höhe­ren Prei­se gegen­über ihren aus­län­di­schen Wett­be­wer­bern  benach­tei­ligt.

+ Schlech­te Erfah­run­gen: 2002 über­zeug­te die US-Stahl­in­dus­trie Prä­si­dent Geor­ge Bush, Ein­fuhr­zöl­le von 8 bis 30% auf impor­tier­ten Stahl zu erhe­ben. Damals wur­den 6.000 Arbeits­plät­ze in der US-Stahl­in­dus­trie geschaf­fen, aber in den stahl­ver­brau­chen­den Indus­tri­en gin­gen rund 200.000 Arbeits­plät­ze ver­lo­ren. Die Regie­rung Bush schaff­te die Zöl­le des­halb nach acht­zehn Mona­ten wie­der ab.

+ Schät­zun­gen sagen, dass die Stahl- und Alu­mi­ni­um­zöl­le von Trump rund 30.000 zusätz­li­che Arbeits­plät­ze im Metall­sek­tor schaf­fen könn­ten, aber 180.000 Arbeits­plät­ze in der übri­gen Wirt­schaft ver­nich­ten.

+ Ein­fuhr­zöl­le in Höhe von 25% auf Autos aus der EU könn­ten die Kos­ten für ein neu­es Auto in den USA bis zu 7000 $ stei­gen las­sen. Bis zu 40.000 Arbeits­plät­ze sind in der ame­ri­ka­ni­schen Auto­in­dus­trie infol­ge von Kos­ten­stei­ge­run­gen auf­grund der Stahl­zöl­le bereits gefähr­det.

Zöl­le haben also nur für ganz klei­ne Grup­pen Vor­tei­le und für alle ande­ren enor­me Nach­tei­le. Aller­dings: so lan­ge Euro­pa wenig betrof­fen ist, könn­ten wir sogar ein wenig pro­fi­tie­ren — unse­re Expor­te in die USA wer­den bil­li­ger als die chi­ne­si­schen und unse­re Expor­te nach Asi­en eben­so (weil US-Expor­te dort­hin durch Gegen­maß­nah­men eben­falls teu­rer wer­den).

In Sum­me wirkt sich aber vor allem die Pla­nungs-Unsi­cher­heit auch für unse­re Unter­neh­men sehr nega­tiv aus.

Fazit: Zoll­ab­bau hat dazu bei­getra­gen, dass wir ein hal­bes Jahr­hun­dert des schnells­ten Wirt­schafts­wachs­tums in der Geschich­te der Mensch­heit erle­ben durf­ten. Hof­fen wir, dass es nicht zu einer wei­te­ren Eska­la­ti­on von Han­dels­krie­gen kommt.

Energieverbrauch von Zahlungsmitteln

Michael Scherling am 24. Mai 2018

Aus­nahms­wei­se möch­te ich einen Arti­kel nicht selbst schrei­ben, son­dern auf einen Blog­ar­ti­kel der Secu­ri­ty KAG ver­wei­sen. Er ist bes­ser als ich es schaf­fen wür­de!

https://www.securitykag.at/news/blogdetails/?no_cache=1&tx_news_pi1%5Bnews%5D=638&cHash=a6a87501d876c373a0a7059d8a1f6520 (https://www NULL.secu­ri­ty­kag NULL.at/news/blogdetails/?no_cache=1&tx_news_pi1%5Bnews%5D=638&cHash=a6a87501d876c373a0a7059d8a1f6520)