Wie geht es Europa?

Michael Scherling am 2. Juni 2015

Abseits von den übli­chen Nach­rich­ten aus den Medi­en, die sich umso bes­ser ver­kau­fen je extre­me­re Mel­dun­gen sie ver­öf­fent­li­chen, möch­te ich ein paar Fac­ts zur öko­no­mi­schen Situa­ti­on in Euro­pa zusam­men­fas­sen:

+ seit 2013 sin­ken die Arbeits­lo­sen­ra­ten in Spa­ni­en und Grie­chen­land

+ Das Kon­junk­tur­kli­ma in Spa­ni­en ist so gut wie seit 2007 nicht mehr

+ Die KFZ-Neu­zu­las­sun­gen stei­gen euro­pa­weit seit 2 Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich

+ Die Kre­dit­ver­ga­be­stan­dards der Ban­ken wer­den locke­rer (erst­mals seit 2007!)

+ Die Ein­zel­han­dels­um­sät­ze stei­gen so stark wie seit 10 Jah­ren nicht mehr

+ Immo­bi­li­en- und Unter­neh­mens­kre­di­te wer­den wie­der ver­stärkt nach­ge­fragt

+ Es gibt kaum Infla­ti­on, aber auch Defla­ti­on ist nicht in Sicht

+ Das Ver­brau­cher­ver­trau­en ist auf 10-Jah­res-Höchst­stand

Selbst­ver­ständ­lich gibt es noch genü­gend Bau­stel­len im Euro­raum, aber gera­de 2015 schaut aus heu­ti­ger Sicht öko­no­misch erfreu­lich aus. Selbst Ereig­nis­se wie ein mög­li­cher Grie­chen­land-Aus­tritt soll­ten nur kurz­fris­ti­ge Wel­len schla­gen. Genie­ßen wir also die Erho­lung — in den nächs­ten Jah­ren kom­men genü­gend Her­aus­for­de­run­gen auf uns zu.

Fazit: Die erfreu­li­che Kom­bi­na­ti­on von tie­fem Ölpreis, nied­ri­gem Euro und Null­zins­po­li­tik der Zen­tral­bank zeigt Wir­kung. Hof­fen wir, dass auch 2016 etwas davon übrig­bleibt.

Kommt jetzt doch die Rezession?

Michael Scherling am 5. November 2014

Kaum hat­ten wir uns an eine Art von wirt­schaft­li­cher “Nor­ma­li­sie­rung” im ers­ten Halb­jahr die­ses Jah­res gewöhnt, sind die Medi­en-Schlag­zei­len schon wie­der voll von Befürch­tun­gen zu Rezes­si­on, Defla­ti­on und Kri­sen ganz gene­rell.

Was ist davon zu hal­ten?

Nun, wahr ist natür­lich dass in vie­len Berei­chen nichts wei­ter­ge­gan­gen ist: Die fran­zö­si­schen Poli­ti­ker häu­fen wei­ter Schul­den an und refor­mie­ren nicht, die deut­schen freu­en sich, dass die Ren­te mit 63 (statt 67) bei den kurz­sich­ti­gen Wäh­lern so gut ankommt (obwohl bereits Fach­kräf­te feh­len und die Deut­schen die schlech­tes­ten demo­gra­fi­schen Vor­aus­set­zun­gen Euro­pas haben)  und in Öster­reich wur­de wie­der ein­mal fest­ge­stellt dass ein Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem mit 22 unter­schied­li­chen Vari­an­ten ide­al ist (die Herr­schaf­ten soll­te ein­mal jemand fra­gen ob sie bei Neu­ein­füh­rung einer Sozi­al­ver­si­che­rung auch 22 For­men schaf­fen wür­den).

Eini­ge öko­no­mi­sche Daten zeu­gen zusätz­lich von einer rück­läu­fi­gen Dyna­mik (Ein­kaufs­ma­na­ger­index etc.). Man­che Bör­sen haben 10 – 15% ver­lo­ren (der Gross­teil ist aller­dings schon wie­der auf­ge­holt).

Über­se­hen wird dabei Fol­gen­des:

1. Medi­en leben von Nega­tiv­schlag­zei­len (Nega­ti­ves wird ja von unse­rem Hirn 3 mal so stark wahr­ge­nom­men wie Posi­ti­ves). Über­trei­bun­gen sind also sys­tem­be­dingt.

2. Der Ölpreis ist um rund 25% gesun­ken

3. Die Zin­sen sind wei­ter rekord­tief

Span­nend ist die his­to­ri­sche Betrach­tung der letz­ten bei­den Punk­te: Rezes­sio­nen wur­den in der Ver­gan­gen­heit so gut wie immer ent­we­der von stei­gen­den Zin­sen (zur Infla­ti­ons­be­kämp­fung von den Zen­tral­ban­ken gewollt) oder durch stark stei­gen­de Ölpreise/Rohstoffpreise aus­ge­löst (2008: Ölpreis 140$ im Ver­gleich zu 80$ der­zeit).

Wir haben im Moment eine Kom­bi­na­ti­on von Nied­rigst-Zin­sen und sehr tie­fen Roh­stoff­prei­sen. Die­se Kon­stel­la­ti­on macht einen wirk­li­chen Wirt­schafts­ein­bruch fast unmög­lich.

Fazit: Genie­ßen Sie den Herbst und fürch­ten Sie sich nicht vor einer Rezes­si­on!

 

 

Kommt die Inflation nun doch?

Michael Scherling am 22. September 2014

In den Jah­ren 2008 bis 2012 war ich ziem­lich allei­ne mit der Vor­her­sa­ge nied­ri­ger Infla­ti­ons­ra­ten.

http://www.deroekonom.at/2011/02/wird-es-in-osterreich-zu-hohen-inflationsraten-kommen/

Sogar “Die Pres­se” mit einem sehr kom­pe­ten­ten Chef­re­dak­teur mach­te mit. Aktu­ell ist es umge­kehrt und die Medi­en über­bie­ten sich mit Defla­ti­ons­pro­gno­sen.

Dabei gibt es ers­te Anzei­chen, dass die Zei­ten sta­gnie­ren­der Prei­se zu Ende sind — aller­dings nur in den USA. Hier ist die Arbeits­lo­sig­keit von 10% auf 6% gefal­len. Zusätz­lich gehen die star­ken Gebur­ten­jahr­gän­ge ver­stärkt in Pen­si­on und ein Fach­ar­bei­ter­kräf­te­man­gel eta­bliert sich. Die Fol­ge: Arbeit­neh­mer kön­nen wie­der höhe­re Löh­ne ver­lan­gen. In den letz­ten Jahr­zehn­ten gab es bei Errei­chen der 6%-Schwelle immer stär­ke­re Lohn­an­stie­ge.

Die­se sehr posi­ti­ve Ent­wick­lung ist der Aus­gangs­punkt für Infla­ti­on: Wegen höhe­rer Lohn­kos­ten müs­sen die Unter­neh­men die Prei­se erhö­hen, wes­halb im nächs­ten Jahr die Lohn­for­de­run­gen anstei­gen. Ein Kreis­lauf beginnt.

In der Fol­ge sind ab 2015/2016 stei­gen­de Infla­ti­ons­ra­ten und Zin­sen zu erwar­ten.

Das gilt aber nur für die USA, in Euro­pa sinkt zwar das Arbeits­kräf­te­an­ge­bot eben­falls, spe­zi­ell Deutsch­land klagt über Fach­ar­bei­ter­man­gel. Den­noch sind die Erho­lungs­ten­den­zen zu schwach, um Infla­ti­on aus­zu­lö­sen.

Aber: Eine aktu­el­le Sta­tis­tik zeigt, dass der Anteil der Ban­ken, die wach­sen­de Kre­dit­nach­fra­ge erken­nen, so hoch ist wie seit 2007 nicht mehr. Zusätz­lich lockern die Ban­ken die Kre­dit­ver­ga­be­stan­dards auf brei­ter Basis. Ers­te, aber deut­li­che Zei­chen, dass die von den Zen­tral­ban­ken geschaf­fe­nen Gel­der auch in der Wirt­schaft ankom­men.

Fazit: In den USA schei­nen stei­gen­de Infla­ti­ons­ra­ten unaus­weich­lich, in Euro­pa wird man wohl noch 2 Jah­re in der Zei­tung mehr von Defla­ti­on als von Infla­ti­on lesen.

Ist die Krise vorbei?

Michael Scherling am 17. Juni 2014

Hier gleich die über­ra­schen­de Ant­wort:

JA!

Finanz­kri­se und Euro­kri­se sind in ihren aku­ten Aus­prä­gun­gen vor­bei. Hier ein paar Bei­spie­le und Grün­de für mei­ne Ein­schät­zung:

+ In Por­tu­gal sinkt die Arbeits­lo­sig­keit

+ In Eng­land sind die Immo­bi­li­en­prei­se über dem alten Rekord­stand von 2007

+ Die Ban­ken in den USA sind saniert

+ Spa­ni­en hat gro­ße Refor­men umge­setzt

+ Meh­re­re Bör­sen sind auf All­zeit­hoch (USA, Deutsch­land, …)

+ Die Zin­sen für die Staats­schul­den der Euro-Süd­län­der sind tie­fer als die der USA und auch nied­ri­ger als vor der Finanz­kri­se

+ Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank garan­tiert den Euro-Erhalt und hat durch das Geld-Mono­pol auch für vie­le Jah­re die Mög­lich­keit dazu

Ist also alles in Ord­nung? Der­zeit scheint es so, aber in eini­gen Jah­ren wer­den fol­gen­de Ent­wick­lun­gen Aus­lö­ser neu­er Tur­bu­len­zen sein:

- Die Staats­schul­den sind in vie­len Län­dern auf einem Niveau, auf dem die Rück­zahl­bar­keit ange­zwei­felt wer­den muss. Das allei­ne führt zu kei­ner Kri­se in den nächs­ten 5 Jah­ren. Nur in Japan ist mit 250% Staats­ver­schul­dung eine Schul­den­strei­chung wahr­schein­lich.

- Frank­reich ist reform­un­fä­hig und wird von Poli­ti­kern und Gewerk­schaf­tern an die Wand gefah­ren. Falls die durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank erkauf­te Zeit auch in den nächs­ten 5 – 10 Jah­ren nicht für Sys­tem­ver­bes­se­run­gen genutzt wird, kann der Euro auf Dau­er nicht wei­ter­be­stehen.

- Ein zwei­ter Schul­den­schnitt in Grie­chen­land ist uner­läss­lich. Ich glau­be aller­dings nicht, dass das zu einer Rie­sen-Kri­se führt. Bereits erwar­te­te Kata­stro­phen blei­ben meis­tens aus oder haben kaum Aus­wir­kun­gen.

- Vie­le euro­päi­sche Ban­ken sind Zom­bies. Ohne Unter­stüt­zung durch die Staa­ten und die Zen­tral­bank wären eini­ge nicht über­le­bens­fä­hig. Eine gesun­de Markt­be­rei­ni­gung wur­de ver­hin­dert, weil man Kon­kur­se nicht tole­rier­te (im Gegen­satz zu den USA). Dadurch erfül­len die Ban­ken nicht ihren Zweck der Dar­le­hens­ver­ga­be an Unter­neh­men. Die Zen­tral­bank kann Bank­zu­sam­men­brü­che aller­dings sehr lan­ge ver­hin­dern.
Die alte Pro­ble­me wie zu wenig Eigen­ka­pi­tal, Inter­es­sens­kon­flik­te und fal­sche Anrei­ze sowie Macht­miss­brauch sind nicht besei­tigt und kön­nen unser Finanz­sys­tem gefähr­den.

Fazit: Spe­zi­ell für Öster­reich und Deutsch­land ste­hen sta­bi­le Zei­ten bevor. Die öko­no­mi­schen Daten sind brauch­bar und die dau­er­haft nied­ri­gen Zin­sen sor­gen für Wachs­tums­im­pul­se. Aber klar ist: die nächs­te von außen kom­men­de Kri­se ist nur auf­ge­scho­ben, aber sie kommt!

 

 

Wo die Deutschen irren

Michael Scherling am 7. November 2013

Eines gleich vor­weg: mit “die Deut­schen” mei­ne ich die deut­schen Mit­glie­der der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und wei­te­re Öko­no­men die­ses Lan­des. War­um irren die?

Weit ver­brei­tet ist in unse­rem Nach­bar­land die Angst vor Infla­ti­on. Was meist unbe­rück­sich­tigt bleibt, ist dass es ein viel schlim­me­res Übel gibt: DEFLATION!

Wie­so das?

In eini­gen Staa­ten Euro­pas sowie in den USA sind die Bür­ger über­schul­det, weil sie zu hohe Kre­di­te für Immo­bi­li­en auf­ge­nom­men haben. Seit 2008 sin­ken aber die Prei­se die­ser Woh­nun­gen und Häu­ser. Die Men­schen müs­sen ihre Schul­den redu­zie­ren.

Dadurch haben sie weni­ger Geld für den Kon­sum ande­rer Güter, wes­halb die Unter­neh­men weni­ger ver­kau­fen kön­nen und mit Ent­las­sun­gen reagie­ren. Fol­ge: die Arbeits­lo­sig­keit steigt. Noch weni­ger Bür­ger kön­nen ihre Kre­di­te bezah­len und müs­sen Immo­bi­li­en ver­kau­fen.

Damit sinkt aber wie­der der Preis der Eigen­hei­me und das Gan­ze beginnt von vor­ne. Eine Spi­ra­le nach unten. Prei­se und Löh­ne hören nicht mehr auf zu sin­ken. Die­se Situa­ti­on wird Defla­ti­on genannt. Genau da sind wir in Spa­ni­en oder Grie­chen­land und genau das ist 1932 pas­siert. Das fol­gen­de Elend war der Nähr­bo­den für die radi­ka­len Ide­en des Natio­nal­so­zia­lis­mus.

Deut­sche Öko­no­men argu­men­tie­ren aus lau­ter Infla­ti­ons­angst dass die Geld­men­ge nicht zu stark stei­gen darf und die Zin­sen nicht zu tief sein soll­ten. Lei­der ist das Unsinn, weil in einer so gefähr­li­chen Situa­ti­on alles unter­nom­men wer­den muss, um eine Defla­ti­ons­spi­ra­le zu ver­hin­dern.

Die Euro­päi­sche und die US-Zen­tral­bank machen genau das Rich­ti­ge: Sie ver­bil­li­gen Kre­di­te durch Zins­sen­kun­gen und eine Aus­wei­tung der Geld­men­ge. Damit müs­sen vie­le Bür­ger ihre Woh­nun­gen und Häu­ser nicht ver­kau­fen und die Prei­se sin­ken lang­sa­mer. Die Chan­cen ste­hen gut, dass damit die brand­ge­fähr­li­che Defla­ti­on über­wun­den wer­den kann.

 

Fazit: unge­wöhn­li­che Zei­ten erfor­dern auch in der Öko­no­mie unge­wöhn­li­che Maß­nah­men. Das soll­ten auch mei­ne deut­schen Kol­le­gen lang­sam ver­ste­hen.

Wo Erfahrungswerte nicht helfen

Michael Scherling am 14. Oktober 2013

Erfolg­reich Geld anle­gen kann man nur dann, wenn man sich ein wenig mit Psy­cho­lo­gie und da vor allem mit den Irra­tio­na­li­tä­ten des mensch­li­chen Gehirns aus­ein­an­der­setzt.

Dabei erkennt man sehr schnell, dass unser Hirn defi­ni­tiv nicht für Geld­ver­meh­rung geschaf­fen ist.

War­um?

Einer der Grün­de ist, dass wir dar­auf pro­gram­miert sind, “aus Erfah­run­gen” zu ler­nen. Die­se Vor­ge­hens­wei­se hat sich seit Jahr­tau­sen­den sehr bewährt: Die Art wie in den letz­ten 5 Jah­ren Bisons erlegt wur­den, war wohl auch für die nächs­ten 5 Jah­re rele­vant.

Auch heu­te noch ist die Stra­te­gie in den meis­ten Berei­chen effi­zi­ent. Wenn ich beim Auto­fah­ren alle erleb­ten Situa­tio­nen berück­sich­ti­ge, wer­de ich ver­mut­lich auch in Zukunft unfall­frei unter­wegs sein.

Lei­der gilt das so ganz und gar nicht bei der Geld­an­la­ge.

Wir ori­en­tie­ren uns dabei näm­lich auto­ma­tisch an den letz­ten 3 – 5 Jah­ren, selek­tie­ren die erfolg­reichs­ten Stra­te­gi­en und mei­nen, dass die­se auch in den kom­men­den 3 – 5 Jah­ren funk­tio­nie­ren wer­den. Genau das ist aber nicht der Fall, lei­der trifft meist genau das Gegen­teil zu!

Bei­spie­le: Im Jahr 2000 kauf­ten vie­le Men­schen Akti­en, weil sie ab 1995 stark gestie­gen waren. Bis 2003 gab es dann an den meis­ten Märk­ten 50% Kurs­ver­lust. 2007 erwar­ben vie­le Öster­rei­cher Immo­bi­li­en­ak­ti­en, weil sie lan­ge Zeit 5 – 8% pro Jahr abwar­fen. 2012 wie­der­um war Gold die Anla­ge im Fokus.

Alles ging schief. Was ler­nen wir dar­aus?

Ein wenig Nach­den­ken ist schon nötig. Beim Spar­buch sind die Zusam­men­hän­ge noch ein­fach: die Ver­zin­sung war  in der Ver­gan­gen­heit brauch­bar, es ist aber leicht erkenn­bar, dass die Zin­sen so nied­rig sind, dass nach Infla­ti­on nichts übrig blei­ben wird.

Bei Immo­bi­li­en, Fonds, Anlei­hen etc. ist das viel kom­pli­zier­ter. Der ers­te Schritt zum Erfolg ist den Grund zu ken­nen, war­um eine Geld­an­la­ge in den letz­ten Jah­ren ertrag brin­gend war. Schritt 2 ist dann, genau zu über­le­gen, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen für die nächs­ten Jah­re wei­ter­hin zutref­fen.

Mit die­ser Vor­ge­hens­wei­se kann man etwa Fol­gen­des erken­nen: Die Wie­ner Immo­bi­li­en­prei­se sind von 2008 bis 2012 um 6% pro Jahr gestie­gen, weil vie­le Öster­rei­cher aus Kri­sen­angst Woh­nun­gen gekauft hat­ten. Die, die das woll­ten und konn­ten, haben aber bereits gekauft und die Angst vor wirt­schaft­li­chen Zusam­men­brü­chen wird immer gerin­ger. Somit kann man die Ver­gan­gen­heits-Wert­ent­wick­lung nicht in die Zukunft pro­ji­zie­ren.

Ein zwei­ter Grund für stei­gen­de Prei­se waren die nied­ri­gen Kre­dit­zin­sen. Wie schon in meh­re­ren Arti­keln beschrie­ben wer­den die­se noch sehr lan­ge tief blei­ben. Die­ser Antriebs­fak­tor für Immo­bi­li­en­prei­se bleibt also genau­so erhal­ten wie die (noch) wach­sen­de Bevöl­ke­rung. Somit sind zwar 6% jähr­lich nicht mehr mög­lich, aber 3% schon.

Ein ande­res Bei­spiel: Vie­le Ban­ken emp­feh­len immer noch Pro­duk­te, die nur des­halb gut waren, weil Anlei­hen (Staats- und Unter­neh­mens­an­lei­hen) sta­bi­le Erträ­ge abwar­fen. Das wird künf­tig nicht mehr in die­ser Form mög­lich sein, weil das Zins­ni­veau dafür viel zu tief ist. Vor­sicht also bei die­ser Anla­ge­klas­se! Die Erträ­ge wer­den sich nicht wie­der­ho­len.

Fazit: Einen guten Bera­ter in Geld­an­ge­le­gen­hei­ten erken­nen Sie dar­an, dass er Ihnen nicht ein­fach nur gut gelau­fe­ne Pro­duk­te emp­fiehlt, son­dern erklä­ren kann, war­um sie toll waren und ob bzw. war­um die Vor­aus­set­zun­gen dafür auch in Zukunft gege­ben sind.

Sichere Geldanlagen?

Michael Scherling am 5. September 2013

Hät­te man vor eini­gen Jah­ren Öster­rei­cher befragt, was für sie siche­re Geld­an­la­gen sind, wäre die Wahl sicher­lich auf Spar­bü­cher, Bau­spar­ver­trä­ge, Lebens­ver­si­che­run­gen und Immo­bi­li­en gefal­len. Eini­ge weni­ge hät­ten noch Gold und Staats­an­lei­hen genannt.

Seit der Finanz­kri­se hat sich eini­ges geän­dert und zwar nicht nur kurz­fris­tig, son­dern für die nächs­ten 5 bis 10 Jah­re.

Zwei Kern­pro­ble­me sind zu iden­ti­fi­zie­ren:

1. Die Sicher­heit von Spar­bü­chern etc. wird gene­rell in Fra­ge gestellt, weil man in Zypern gese­hen hat, wie schnell eine Ent­eig­nung gehen kann. Kommt Öster­reich irgend­wann in eine ähn­li­che Kri­se, wird genau das Glei­che pas­sie­ren. Glück­li­cher­wei­se zeich­net sich das in kei­ner Wei­se ab, unse­re Öko­no­mie ist in brauch­ba­rem Zustand.

2. Die “schlei­chen­de Ent­eig­nung”: Stel­len wir fol­gen­de Rech­nung an:

Sie bekom­men am Spar­buch rund 2% Zin­sen. Davon sind 25% Kapi­tal­ertrags­steu­er abzu­zie­hen, blei­ben 1,5%.

Klingt o.k., ist es aber nicht: In den nächs­ten Jah­ren ist eine Infla­ti­ons­ra­te von 2 — 3% zu erwar­ten. Dadurch machen Sie ein jähr­li­ches Minus von bis zu 1,5%.

Legen Sie also 100.000 Euro auf 10 Jah­re an, ver­lie­ren Sie 14.000 Euro an Kauf­kraft.

SICHER ist also nur eines — näm­lich dass Ihr Geld weni­ger wird!

Was sind die Alter­na­ti­ven?

Immo­bi­li­en hal­te ich wei­ter­hin für siche­re Anla­gen. Lei­der ist aber mei­ne Jän­ner-Pro­gno­se ein­ge­trof­fen: die Prei­se sta­gnie­ren auf hohem Niveau und die Zei­ten mit 5% jähr­li­chem Anstieg sind defi­ni­tiv vor­bei. Wenn Sie eine Woh­nung zu den hohen aktu­el­len Prei­sen kau­fen, sie ver­mie­ten wol­len und eini­ge Mona­te kei­nen Mie­ter fin­den, ist ein Gesamt­ver­lust sehr schnell mög­lich.

Gold hat wie im letz­ten Arti­kel beschrie­ben eben­falls Tücken.

Betei­li­gun­gen in Solar­ener­gie etc. wer­den in Kür­ze ver­bo­ten, weil der Gesetz­ge­ber uns Bür­ger nicht für mün­dig genug hält, sol­che Anla­gen zu ver­ste­hen.

Blei­ben wie­der ein­mal Akti­en. Ein­zel­ak­ti­en haben mit “sicher” wenig zu tun. Ein breit gestreu­ter Korb von Top-Unter­neh­men aus der gan­zen Welt bie­tet hin­ge­gen Sicher­heit. Aller­dings nur lang­fris­tig.

Fazit: Sie müs­sen sich ent­schei­den: ent­we­der ein “siche­res” Minus mit Spar­buch und Co. oder lang­fris­ti­ge Sicher­heit, aber dafür mit höhe­ren Schwan­kun­gen. Kei­ne ein­fa­chen Zei­ten für Geld­an­le­ger…

 

 

Der sichere Konkurs Japans

Michael Scherling am 1. März 2013

Eine der schlimms­ten Unsit­ten in der Wirt­schafts­welt ist das Kurz­frist­den­ken. Mana­ger und Mit­ar­bei­ter wer­den nach Quar­tals­zah­len beur­teilt, egal ob deren Ursa­chen dem län­ger­fris­ti­gen Wohl­erge­hen des Unter­neh­mens scha­den oder nicht.

Öko­no­men den­ken zumeist auf Sicht von 1 Jahr, was immer noch nicht beson­ders vor­aus­schau­end ist. Begrün­det wird das mit der man­geln­den Vor­her­seh­bar­keit der Zukunft. In vie­len Fäl­len ist das gerecht­fer­tigt, nicht aber im Fall Japans. Dem Land steht der siche­re Bank­rott bevor, aber noch nicht im nächs­ten Jahr, son­dern erst in 5 – 10 Jah­ren.

Jetzt zur Erklä­rung:

Stel­len Sie sich vor, Sie haben monat­li­che Aus­ga­ben von 4.000 Euro, ver­die­nen aber nur 2.000 Euro. Als Lösung neh­men Sie 2.000 Euro p.m. zusätz­li­chen Kre­dit auf, obwohl Sie schon mehr als das dop­pel­te Jah­res­ein­kom­men an Schul­den haben.

Klingt nicht gut, oder? Genau in die­ser Situa­ti­on ist Japan.

Grie­chen­land ist mit 140% der jähr­li­chen Wirt­schafts­leis­tung ver­schul­det und wird als unrett­bar bezeich­net. Die Asia­ten wei­sen 240% auf und müs­sen nur 1% für die Staats­schul­den bezah­len. Selt­sam, oder?

Der Grund für die Dif­fe­renz ist fol­gen­der: Die Japa­ner sind reich und kau­fen der Regie­rung die neu­en Staats­an­lei­hen zu einem nied­ri­gen Zins ab. Dadurch besteht (noch) kei­ne Abhän­gig­keit vom inter­na­tio­na­len Kapi­tal­markt, der im Fall Grie­chen­lands ver­siegt ist.

Der japa­ni­sche Pen­si­ons­fonds ist der größ­te der Welt und inves­tiert vor allem in die Anlei­hen des eige­nen Staa­tes. Aktu­ell wird dort über­legt, wegen der aggres­si­ven Geld­ver­meh­rungs­stra­te­gie der Zen­tral­bank weni­ger die­ser Titel zu erwer­ben. Mit­tel­fris­tig geht es aber ohne­hin nicht anders: Japan hat die ältes­te Bevöl­ke­rung der Welt und die am schnells­ten altern­de. Somit wird immer mehr vom Pen­si­ons­fonds abge­zo­gen und immer weni­ger ein­ge­zahlt.

Die Fol­ge: Die Japa­ner kön­nen in Zukunft nicht mehr so vie­le eige­ne Staats­ti­tel kau­fen und sind auf Aus­län­der ange­wie­sen. Die­se aber wer­den erken­nen, dass die rie­si­gen Schul­den nie­mals zurück­ge­zahlt wer­den kön­nen. Das hat in die­sem Umfang in der Mensch­heits­ge­schich­te noch nie ein Land geschafft.

Aus die­sem Grund wer­den die aus­län­di­schen Gläu­bi­ger mit­tel­fris­tig höhe­re Zin­sen ver­lan­gen, z.B. 4% statt der aktu­el­len 1%. Dum­mer­wei­se gibt Japan schon jetzt 25% des Bud­gets für Zins­zah­lun­gen aus. Sie kön­nen leicht aus­rech­nen, dass bei die­sem Zins­an­stieg nichts mehr von den Ein­nah­men übrig­bleibt und das Land plei­te ist.

Opti­mis­ten wen­den ein, dass das rei­che Land ja nur die Mehr­wert­steu­er erhö­hen müss­te und schon sei alles saniert. Eine Erhö­hung im nöti­gen Aus­maß wür­de aber die Wirt­schaft und damit auch die Steu­er­ein­nah­men stark ein­bre­chen las­sen und die Mise­re nicht wesent­lich ver­bes­sern.

Der neue Pre­mier­mi­nis­ter hat sich nun eine “genia­le” Idee ein­fal­len las­sen. Er ver­sucht die Infla­ti­on zu erhö­hen, lässt die Zen­tral­bank fast unbe­grenzt Yen dru­cken und senkt damit den Außen­wert der Wäh­rung. Dadurch machen die Expor­teu­re höhe­re Gewin­ne und etwa die Auto­bau­er wer­den die deut­sche Kon­kur­renz ins Schwit­zen brin­gen. Ein künst­li­cher Boom wird erzeugt, die Akti­en des Insel­staa­tes stei­gen bereits mas­siv. Lei­der ist das eine kurz­fris­ti­ge, kre­dit­fi­nan­zier­te Bla­sé, die in weni­gen Jah­ren plat­zen wird. Las­sen Sie sich also nicht von posi­ti­ven Schlag­zei­len in den Medi­en der nächs­ten 1 – 2 Jah­re beir­ren.

Fazit: Ein Land mit schrump­fen­der Bevöl­ke­rung und 240% Schul­den hat genau 2 Mög­lich­kei­ten: a) Staats­bank­rott und Schul­den­schnitt oder b) Hyper­in­fla­ti­on. Es wird span­nend, wofür sich die Japa­ner ent­schei­den wer­den.

Ausblick 2013

Michael Scherling am 2. Januar 2013

Der 2.Jänner eig­net sich wun­der­bar, um öko­no­mi­sche Pro­gno­sen für die­ses Jahr zu erstel­len.

Begin­nen wir mit den Berei­chen, die aus mei­ner Sicht sicher sind:

1. Spar- und Kre­dit­zin­sen blei­ben tief. Hier fällt mir nicht ein­mal ein Sze­na­rio ein, das zu einer ande­ren Ent­wick­lung füh­ren könn­te. Die Ent­schul­dung Euro­pas funk­tio­niert nur mit dem aktu­el­len Zins­ni­veau, es ist alter­na­tiv­los.

2. Die Infla­ti­on bleibt tief. Auch hier exis­tiert kein Mecha­nis­mus, der 2013 zu hohen Raten füh­ren könn­te. Wie schon mehr­fach beschrie­ben ist zwar die Geld­men­ge, die zwi­schen den Ban­ken und der Zen­tral­bank bzw. den Staa­ten im Umlauf ist, stark gestie­gen, die im Wirt­schafts­kreis­lauf befind­li­che Geld­men­ge ist aber kon­stant. Erst wenn wie­der mas­siv mehr Kre­di­te an Unter­neh­men und Haus­hal­te ver­ge­ben wer­den, droht Infla­ti­on. Davon sind wir sehr weit ent­fernt!

Die zwei­te Kate­go­rie umfasst Pro­gno­sen mit immer noch hoher Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit:

3. Es wird wei­ter­hin kei­ne Lösung für Grie­chen­land geben. Auf Drän­gen der EU-Part­ner kam es zu Spar­maß­nah­men, aber die Vor­aus­set­zun­gen für Wachs­tum wur­den nicht geschaf­fen. Lei­der haben auch die euro­päi­schen Gläu­bi­ger der Hel­le­nen nicht dar­auf bestan­den, dass Refor­men in Berei­chen wie Büro­kra­tie, Gesund­heits­we­sen, Steu­er- und Pen­si­ons­sys­tem umge­setzt wer­den. Ohne Wachs­tum ist ein Ent­kom­men aus der Schul­den­spi­ra­le unmög­lich.

4. Die Immo­bi­li­en­prei­se in Öster­reich stei­gen 2013 kaum noch. Seit 2008 sind die Anle­ger mas­siv in Immo­bi­li­en geflo­hen, was ver­stärkt durch nied­ri­ge Zin­sen bei der Kre­dit­auf­nah­me jähr­li­che Preis­stei­ge­run­gen von über 5% ermög­licht hat. Wer aber hat jetzt noch Kapi­tal und kauft zu den hohen Prei­sen? Die ers­ten Anle­ger wer­den Gewin­ne von fast 50% rea­li­sie­ren und ver­kau­fen. Ein Preis­ein­bruch am öster­rei­chi­schen Immo­bi­li­en­markt ist aller­dings nicht vor­stell­bar.

Kate­go­rie 3 ist für Pro­gno­sen, deren Ein­tritt zwar fast sicher ist, durch Zen­tral­ban­ken und Poli­ti­ker aber ver­scho­ben wer­den kann:

5. Frank­reich rückt in den Mit­tel­punkt der euro­päi­schen Schul­den­kri­se. Wäh­rend Irland, Ita­li­en und Spa­ni­en Fort­schrit­te machen, glau­ben die Fran­zo­sen immer noch nicht nur, dass sie die Chefs in Euro­pa sind, son­dern auch dass sie es nicht nötig haben, Refor­men umzu­set­zen. Die Gesamt­schul­den sind höher als die der Ita­lie­ner, der Staats­ap­pa­rat gigan­tisch und unfi­nan­zier­bar und alle Defi­zi­te ver­grö­ßern sich. Zen­tral­bank und Poli­tik wer­den die Aus­wir­kun­gen der Frank­reich-Kri­se zumin­dest im Jahr 2013 aber noch in Gren­zen hal­ten kön­nen.

6. Den USA steht ein sehr har­tes Jahr bevor. Bis­her wur­den die Alt­las­ten durch neue Schul­den zuge­deckt, aber 2013 ist Zahl­tag. Die anste­hen­den Spar­maß­nah­men wer­den kaum Wachs­tum erlau­ben. In die­sem Zusam­men­hang ist erstaun­lich, dass die Akti­en­märk­te rund 30% teu­rer sind als in Euro­pa.

Fazit: Fro­hes neu­es Jahr!!!

Die Wende in der Eurokrise?

Michael Scherling am 22. Oktober 2012

Wer­fen wir zuerst einen Blick auf das Nicht-Euro-Land Gross­bri­tan­ni­en: Öko­no­misch steht es viel schlech­ter da, als Öster­reich, Deutsch­land oder auch Ita­li­en. Mit der Situa­ti­on in Spa­ni­en gibt es star­ke Ähn­lich­kei­ten (z.B. die vor­an­ge­gan­ge­ne Immo­bi­li­en­bla­se).

Wie oft haben Sie von der schlech­ten Lage in Eng­land gehört? Sicher nicht so oft wie von Spa­ni­en und Ita­li­en. Der eine Grund dafür ist, dass die Bri­ten eine ande­re Wäh­rung haben, die sie abwer­ten kön­nen, um die Expor­te zu ver­bil­li­gen. Viel wesent­li­cher ist aber die ande­re Ursa­che: die Zen­tral­bank!

Die­se hat in unfass­ba­rem Umfang Staats­an­lei­hen gekauft und die Zin­sen künst­lich nied­rig gehal­ten und wird das auch noch wei­te­re Jah­re tun.

Und jetzt zur Erklä­rung der Über­schrift die­ses Arti­kels: Genau das was die Bri­ten seit 2008 machen, wird nun im Euro­raum gestar­tet. Sowohl die Zen­tral­bank als auch die Staa­ten haben kom­mu­ni­ziert, den Euro in jedem Fall zu erhal­ten, kos­te es was es wol­le. Und glau­ben Sie mir: die Zen­tral­bank ist dazu sehr vie­le Jah­re in der Lage, sie hat ja das Mono­pol über den Euro.

Vie­le Pro­ble­me sind noch unge­löst: Die Lage in Frank­reich schaut wie schon vor 2 Mona­ten beschrie­ben, sehr düs­ter aus, die Ban­ken ste­hen auf wacke­li­gen Bei­nen und weder in Spa­ni­en noch in Grie­chen­land ist ein Auf­wärts­trend zu erken­nen.

Den­noch bin ich deut­lich opti­mis­ti­scher, dass ein Wen­de­punkt in der Euro­kri­se erreicht ist. End­lich gibt es ein beherz­tes und prag­ma­ti­sches Ein­grei­fen aller Ent­schei­dungs­trä­ger. Staats­an­lei­he­käu­fe, Ret­tungs­fonds und tie­fe Dau­er­zin­sen ver­schaf­fen den Poli­ti­kern die nöti­ge Zeit, Refor­men umzu­set­zen.

Was bedeu­tet das für Sie?

1. Glau­ben Sie kei­nen Euro-Unter­gangs­pro­phe­ten (mehr)!

2. Die neu­en Ent­wick­lun­gen brin­gen in den nächs­ten 3 Jah­ren noch kei­ne höhe­ren Infla­ti­ons­ra­ten, aber danach müs­sen wir wach­sa­mer als bis­her sein.

3. Wenn Sie Ihr Geld am Spar­buch las­sen, wird die Kauf­kraft stän­dig sin­ken, weil die Zin­sen künst­lich unter der Infla­ti­ons­ra­te gehal­ten wer­den.

Fazit: Die Ent­schei­dung ist gefal­len: Sie als Spa­rer wer­den die auf­ge­bau­ten Schul­den zah­len müs­sen. Dafür brau­chen Sie sich vor einem Euro­zer­fall nicht mehr zu fürch­ten!