Das Kernproblem Europas

Michael Scherling am 12. April 2013

Die Volks­wirt­schaf­ten in Spa­ni­en, Grie­chen­land und auch Öster­reich hän­gen sehr stark vom Erfolg klei­ner und mitt­le­rer Unter­neh­men ab. Die­se sichern den Groß­teil der Arbeits­plät­ze und des Wirt­schafts­wachs­tums und sor­gen so für Wohl­stand. Gera­de sie lei­den aber ganz beson­ders unter der schlech­ten Situa­ti­on der Ban­ken.

Groß­un­ter­neh­men hin­ge­gen pro­fi­tie­ren von den Nied­rig­zin­sen: frü­her zahl­ten Sie­mens und Co. 6%, wenn sie Anlei­hen zur Finan­zie­rung neu­er Vor­ha­ben aus­ga­ben. Heu­te sind es 2%. Kein Wun­der also wenn deren Akti­en­kur­se stei­gen.

Klei­ne­ren Fir­men steht die­ser Weg nicht offen, er ist zu teu­er und es gibt zu weni­ge Käu­fer sol­cher Anlei­hen. Sie sind auf Bank­kre­di­te ange­wie­sen. Dum­mer­wei­se lei­den die Kre­dit­in­sti­tu­te aber selbst an ver­schie­dens­ten Pro­ble­men und sind nicht in der Lage, aus­rei­chend Dar­le­hen zu ver­ge­ben.

Ein spa­ni­scher Unter­neh­mer, der eine wun­der­ba­ren Idee oder Erfin­dung hat und damit für neue Arbeits­plät­ze und Wachs­tum sor­gen könn­te, kommt nicht an das Geld, das er für den Start braucht oder zahlt 15% Zin­sen. Somit steckt das gan­ze Land in der Fal­le. Dies trifft für fast alle Kri­sen­staa­ten zu.

War­um haben die USA die­ses Pro­blem nicht in die­sem Aus­maß? Weil es dort auch für mit­tel­gro­ße Fir­men mög­lich ist, Anlei­hen zu bege­ben. Es gibt auch Käu­fer dafür. In Euro­pa nicht.

War­um ver­gibt die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) kei­ne Kre­di­te? Lei­der ist sie dazu nicht in der Lage. Sie hat weder die Kom­pe­tenz, noch das Wis­sen oder aus­rei­chen­des Per­so­nal für so eine Mam­mut­auf­ga­be, die ja die Kern­kom­pe­tenz der regio­na­len Ban­ken ist.

Trotz­dem soll­te die EZB aktiv wer­den. Bis­her hat sie den Ban­ken ange­bo­ten, auch Kre­di­te an klei­ne­re Fir­men als Sicher­hei­ten zu akzep­tie­ren. Damit erhal­ten die Ban­ken im Gegen­zug fri­sches Geld von der Zen­tral­bank, wenn sie es an Klein- und Mit­tel­be­trie­be ver­ge­ben. Das war aber nur in weni­gen Län­dern erfolg­reich. EZB-Prä­si­dent Draghi hat ange­kün­digt, sol­che Pro­gram­me effi­zi­en­ter zu gestal­ten. Es ist wich­tig, dass hier etwas geschieht.

Fazit: Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hat das Pro­blem der Unter­ver­sor­gung der klei­nen und mitt­le­ren Fir­men mit Kre­di­ten erkannt, hat aber kei­ne schnel­le Lösung dafür. Wird eine sol­che gefun­den, ist der Grund­stein für die Erho­lung der Euro­zo­ne gelegt, weil wie­der Wachs­tum und Arbeits­plät­ze ent­ste­hen.

Der sichere Konkurs Japans

Michael Scherling am 1. März 2013

Eine der schlimms­ten Unsit­ten in der Wirt­schafts­welt ist das Kurz­frist­den­ken. Mana­ger und Mit­ar­bei­ter wer­den nach Quar­tals­zah­len beur­teilt, egal ob deren Ursa­chen dem län­ger­fris­ti­gen Wohl­erge­hen des Unter­neh­mens scha­den oder nicht.

Öko­no­men den­ken zumeist auf Sicht von 1 Jahr, was immer noch nicht beson­ders vor­aus­schau­end ist. Begrün­det wird das mit der man­geln­den Vor­her­seh­bar­keit der Zukunft. In vie­len Fäl­len ist das gerecht­fer­tigt, nicht aber im Fall Japans. Dem Land steht der siche­re Bank­rott bevor, aber noch nicht im nächs­ten Jahr, son­dern erst in 5 – 10 Jah­ren.

Jetzt zur Erklä­rung:

Stel­len Sie sich vor, Sie haben monat­li­che Aus­ga­ben von 4.000 Euro, ver­die­nen aber nur 2.000 Euro. Als Lösung neh­men Sie 2.000 Euro p.m. zusätz­li­chen Kre­dit auf, obwohl Sie schon mehr als das dop­pel­te Jah­res­ein­kom­men an Schul­den haben.

Klingt nicht gut, oder? Genau in die­ser Situa­ti­on ist Japan.

Grie­chen­land ist mit 140% der jähr­li­chen Wirt­schafts­leis­tung ver­schul­det und wird als unrett­bar bezeich­net. Die Asia­ten wei­sen 240% auf und müs­sen nur 1% für die Staats­schul­den bezah­len. Selt­sam, oder?

Der Grund für die Dif­fe­renz ist fol­gen­der: Die Japa­ner sind reich und kau­fen der Regie­rung die neu­en Staats­an­lei­hen zu einem nied­ri­gen Zins ab. Dadurch besteht (noch) kei­ne Abhän­gig­keit vom inter­na­tio­na­len Kapi­tal­markt, der im Fall Grie­chen­lands ver­siegt ist.

Der japa­ni­sche Pen­si­ons­fonds ist der größ­te der Welt und inves­tiert vor allem in die Anlei­hen des eige­nen Staa­tes. Aktu­ell wird dort über­legt, wegen der aggres­si­ven Geld­ver­meh­rungs­stra­te­gie der Zen­tral­bank weni­ger die­ser Titel zu erwer­ben. Mit­tel­fris­tig geht es aber ohne­hin nicht anders: Japan hat die ältes­te Bevöl­ke­rung der Welt und die am schnells­ten altern­de. Somit wird immer mehr vom Pen­si­ons­fonds abge­zo­gen und immer weni­ger ein­ge­zahlt.

Die Fol­ge: Die Japa­ner kön­nen in Zukunft nicht mehr so vie­le eige­ne Staats­ti­tel kau­fen und sind auf Aus­län­der ange­wie­sen. Die­se aber wer­den erken­nen, dass die rie­si­gen Schul­den nie­mals zurück­ge­zahlt wer­den kön­nen. Das hat in die­sem Umfang in der Mensch­heits­ge­schich­te noch nie ein Land geschafft.

Aus die­sem Grund wer­den die aus­län­di­schen Gläu­bi­ger mit­tel­fris­tig höhe­re Zin­sen ver­lan­gen, z.B. 4% statt der aktu­el­len 1%. Dum­mer­wei­se gibt Japan schon jetzt 25% des Bud­gets für Zins­zah­lun­gen aus. Sie kön­nen leicht aus­rech­nen, dass bei die­sem Zins­an­stieg nichts mehr von den Ein­nah­men übrig­bleibt und das Land plei­te ist.

Opti­mis­ten wen­den ein, dass das rei­che Land ja nur die Mehr­wert­steu­er erhö­hen müss­te und schon sei alles saniert. Eine Erhö­hung im nöti­gen Aus­maß wür­de aber die Wirt­schaft und damit auch die Steu­er­ein­nah­men stark ein­bre­chen las­sen und die Mise­re nicht wesent­lich ver­bes­sern.

Der neue Pre­mier­mi­nis­ter hat sich nun eine “genia­le” Idee ein­fal­len las­sen. Er ver­sucht die Infla­ti­on zu erhö­hen, lässt die Zen­tral­bank fast unbe­grenzt Yen dru­cken und senkt damit den Außen­wert der Wäh­rung. Dadurch machen die Expor­teu­re höhe­re Gewin­ne und etwa die Auto­bau­er wer­den die deut­sche Kon­kur­renz ins Schwit­zen brin­gen. Ein künst­li­cher Boom wird erzeugt, die Akti­en des Insel­staa­tes stei­gen bereits mas­siv. Lei­der ist das eine kurz­fris­ti­ge, kre­dit­fi­nan­zier­te Bla­sé, die in weni­gen Jah­ren plat­zen wird. Las­sen Sie sich also nicht von posi­ti­ven Schlag­zei­len in den Medi­en der nächs­ten 1 – 2 Jah­re beir­ren.

Fazit: Ein Land mit schrump­fen­der Bevöl­ke­rung und 240% Schul­den hat genau 2 Mög­lich­kei­ten: a) Staats­bank­rott und Schul­den­schnitt oder b) Hyper­in­fla­ti­on. Es wird span­nend, wofür sich die Japa­ner ent­schei­den wer­den.

Ausblick 2013

Michael Scherling am 2. Januar 2013

Der 2.Jänner eig­net sich wun­der­bar, um öko­no­mi­sche Pro­gno­sen für die­ses Jahr zu erstel­len.

Begin­nen wir mit den Berei­chen, die aus mei­ner Sicht sicher sind:

1. Spar- und Kre­dit­zin­sen blei­ben tief. Hier fällt mir nicht ein­mal ein Sze­na­rio ein, das zu einer ande­ren Ent­wick­lung füh­ren könn­te. Die Ent­schul­dung Euro­pas funk­tio­niert nur mit dem aktu­el­len Zins­ni­veau, es ist alter­na­tiv­los.

2. Die Infla­ti­on bleibt tief. Auch hier exis­tiert kein Mecha­nis­mus, der 2013 zu hohen Raten füh­ren könn­te. Wie schon mehr­fach beschrie­ben ist zwar die Geld­men­ge, die zwi­schen den Ban­ken und der Zen­tral­bank bzw. den Staa­ten im Umlauf ist, stark gestie­gen, die im Wirt­schafts­kreis­lauf befind­li­che Geld­men­ge ist aber kon­stant. Erst wenn wie­der mas­siv mehr Kre­di­te an Unter­neh­men und Haus­hal­te ver­ge­ben wer­den, droht Infla­ti­on. Davon sind wir sehr weit ent­fernt!

Die zwei­te Kate­go­rie umfasst Pro­gno­sen mit immer noch hoher Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit:

3. Es wird wei­ter­hin kei­ne Lösung für Grie­chen­land geben. Auf Drän­gen der EU-Part­ner kam es zu Spar­maß­nah­men, aber die Vor­aus­set­zun­gen für Wachs­tum wur­den nicht geschaf­fen. Lei­der haben auch die euro­päi­schen Gläu­bi­ger der Hel­le­nen nicht dar­auf bestan­den, dass Refor­men in Berei­chen wie Büro­kra­tie, Gesund­heits­we­sen, Steu­er- und Pen­si­ons­sys­tem umge­setzt wer­den. Ohne Wachs­tum ist ein Ent­kom­men aus der Schul­den­spi­ra­le unmög­lich.

4. Die Immo­bi­li­en­prei­se in Öster­reich stei­gen 2013 kaum noch. Seit 2008 sind die Anle­ger mas­siv in Immo­bi­li­en geflo­hen, was ver­stärkt durch nied­ri­ge Zin­sen bei der Kre­dit­auf­nah­me jähr­li­che Preis­stei­ge­run­gen von über 5% ermög­licht hat. Wer aber hat jetzt noch Kapi­tal und kauft zu den hohen Prei­sen? Die ers­ten Anle­ger wer­den Gewin­ne von fast 50% rea­li­sie­ren und ver­kau­fen. Ein Preis­ein­bruch am öster­rei­chi­schen Immo­bi­li­en­markt ist aller­dings nicht vor­stell­bar.

Kate­go­rie 3 ist für Pro­gno­sen, deren Ein­tritt zwar fast sicher ist, durch Zen­tral­ban­ken und Poli­ti­ker aber ver­scho­ben wer­den kann:

5. Frank­reich rückt in den Mit­tel­punkt der euro­päi­schen Schul­den­kri­se. Wäh­rend Irland, Ita­li­en und Spa­ni­en Fort­schrit­te machen, glau­ben die Fran­zo­sen immer noch nicht nur, dass sie die Chefs in Euro­pa sind, son­dern auch dass sie es nicht nötig haben, Refor­men umzu­set­zen. Die Gesamt­schul­den sind höher als die der Ita­lie­ner, der Staats­ap­pa­rat gigan­tisch und unfi­nan­zier­bar und alle Defi­zi­te ver­grö­ßern sich. Zen­tral­bank und Poli­tik wer­den die Aus­wir­kun­gen der Frank­reich-Kri­se zumin­dest im Jahr 2013 aber noch in Gren­zen hal­ten kön­nen.

6. Den USA steht ein sehr har­tes Jahr bevor. Bis­her wur­den die Alt­las­ten durch neue Schul­den zuge­deckt, aber 2013 ist Zahl­tag. Die anste­hen­den Spar­maß­nah­men wer­den kaum Wachs­tum erlau­ben. In die­sem Zusam­men­hang ist erstaun­lich, dass die Akti­en­märk­te rund 30% teu­rer sind als in Euro­pa.

Fazit: Fro­hes neu­es Jahr!!!

Die Wende in der Eurokrise?

Michael Scherling am 22. Oktober 2012

Wer­fen wir zuerst einen Blick auf das Nicht-Euro-Land Gross­bri­tan­ni­en: Öko­no­misch steht es viel schlech­ter da, als Öster­reich, Deutsch­land oder auch Ita­li­en. Mit der Situa­ti­on in Spa­ni­en gibt es star­ke Ähn­lich­kei­ten (z.B. die vor­an­ge­gan­ge­ne Immo­bi­li­en­bla­se).

Wie oft haben Sie von der schlech­ten Lage in Eng­land gehört? Sicher nicht so oft wie von Spa­ni­en und Ita­li­en. Der eine Grund dafür ist, dass die Bri­ten eine ande­re Wäh­rung haben, die sie abwer­ten kön­nen, um die Expor­te zu ver­bil­li­gen. Viel wesent­li­cher ist aber die ande­re Ursa­che: die Zen­tral­bank!

Die­se hat in unfass­ba­rem Umfang Staats­an­lei­hen gekauft und die Zin­sen künst­lich nied­rig gehal­ten und wird das auch noch wei­te­re Jah­re tun.

Und jetzt zur Erklä­rung der Über­schrift die­ses Arti­kels: Genau das was die Bri­ten seit 2008 machen, wird nun im Euro­raum gestar­tet. Sowohl die Zen­tral­bank als auch die Staa­ten haben kom­mu­ni­ziert, den Euro in jedem Fall zu erhal­ten, kos­te es was es wol­le. Und glau­ben Sie mir: die Zen­tral­bank ist dazu sehr vie­le Jah­re in der Lage, sie hat ja das Mono­pol über den Euro.

Vie­le Pro­ble­me sind noch unge­löst: Die Lage in Frank­reich schaut wie schon vor 2 Mona­ten beschrie­ben, sehr düs­ter aus, die Ban­ken ste­hen auf wacke­li­gen Bei­nen und weder in Spa­ni­en noch in Grie­chen­land ist ein Auf­wärts­trend zu erken­nen.

Den­noch bin ich deut­lich opti­mis­ti­scher, dass ein Wen­de­punkt in der Euro­kri­se erreicht ist. End­lich gibt es ein beherz­tes und prag­ma­ti­sches Ein­grei­fen aller Ent­schei­dungs­trä­ger. Staats­an­lei­he­käu­fe, Ret­tungs­fonds und tie­fe Dau­er­zin­sen ver­schaf­fen den Poli­ti­kern die nöti­ge Zeit, Refor­men umzu­set­zen.

Was bedeu­tet das für Sie?

1. Glau­ben Sie kei­nen Euro-Unter­gangs­pro­phe­ten (mehr)!

2. Die neu­en Ent­wick­lun­gen brin­gen in den nächs­ten 3 Jah­ren noch kei­ne höhe­ren Infla­ti­ons­ra­ten, aber danach müs­sen wir wach­sa­mer als bis­her sein.

3. Wenn Sie Ihr Geld am Spar­buch las­sen, wird die Kauf­kraft stän­dig sin­ken, weil die Zin­sen künst­lich unter der Infla­ti­ons­ra­te gehal­ten wer­den.

Fazit: Die Ent­schei­dung ist gefal­len: Sie als Spa­rer wer­den die auf­ge­bau­ten Schul­den zah­len müs­sen. Dafür brau­chen Sie sich vor einem Euro­zer­fall nicht mehr zu fürch­ten!

Wie werden sich die Zinsen entwickeln?

Michael Scherling am 1. Oktober 2012

Für jeden von uns spielen Zinsen eine große Rolle, sei es als Spar- oder als Kreditzins. Es lohnt sich also, dieser Frage nachzugehen. Erfreulicherweise ist eine Prognose so einfach wie noch nie.

Wir befin­den uns mit­ten in einer Pha­se der Ent­schul­dung. Staa­ten und pri­va­te Haus­hal­te haben in den letz­ten Jahr­zehn­ten zu vie­le Kre­di­te auf­ge­nom­men und müs­sen die­se, weil sie kein neu­es Geld mehr zu leist­ba­ren Kon­di­tio­nen bekom­men, redu­zie­ren. Genau das ist ja der Grund für die aktu­el­le Kri­se.

In die­sem Umfeld bleibt der Euro­päi­schen Zen­tral­bank nichts übrig, als die Zin­sen ganz tief zu belas­sen. Ansons­ten wären Staats­bank­rot­te unver­meid­lich und ein Zusam­men­bruch des Euro sehr wahr­schein­lich. Die Fra­ge ist also nicht, ob die Zin­sen tief blei­ben, son­dern nur wie lan­ge!

Auch die­se Ant­wort ist grund­sätz­lich ein­fach zu geben: Bis die wesent­lichs­ten Sym­pto­me der Schul­den­kri­se über­wun­den sind!

Was hat das nun für Aus­wir­kun­gen?

1. Sie müs­sen sich damit abfin­den, auf Spar­bü­chern, Bau­spar­ver­trä­gen etc. wei­ter­hin einen sehr nied­ri­gen Ertrag zu bekom­men. Nach Abzug von Infla­ti­on  und Steu­ern wird die Ver­zin­sung nega­tiv blei­ben, Sie ver­lie­ren also lau­fend Geld, weil die Kauf­kraft Ihres Ver­mö­gens redu­ziert wird.

2. Als Kre­dit­neh­mer dür­fen Sie sich freu­en: wenn Sie ein varia­bel ver­zins­ten Dar­le­hen haben, wer­den Sie noch eini­ge Zeit lang nur  1 – 2% bezah­len. So neben­bei: Kre­di­te sind ein guter Infla­ti­ons­schutz — der­zeit haben Sie die Mög­lich­keit, einen Fix­zins um etwa 3,5% auf 10 Jah­re gesi­chert zu bekom­men. Soll­te die Infla­ti­on auf 5% stei­gen, sinkt Ihr Schul­den­stand auch ohne Til­gung jähr­lich um 1,5%.

Die Kern­fra­ge ist aber, wann die Zin­sen wie­der stei­gen. In den nächs­ten 3 Jah­ren ist das aus den obi­gen Grün­den bei­na­he aus­zu­schlie­ßen. Ob wir wie in Japan eine jahr­zehn­te­lan­ge Nied­rig­zins­pha­se bekom­men, ist noch nicht klar zu beant­wor­ten. Soll­te sich die Situa­ti­on in Euro­pa z.B. nach 5 Jah­ren wie­der nor­ma­li­sie­ren, das Wirt­schafts­wachs­tum anzie­hen und gro­ße Erfol­ge in der Schul­den­be­kämp­fung erzielt wor­den sein, muss die Euro­päi­sche Zen­tral­bank die Geld­men­ge redu­zie­ren, um nicht hohe Infla­ti­ons­ra­ten zu pro­vo­zie­ren. Das tut sie unter ande­rem, indem sie die Zin­sen anhebt.

Fazit: Noch gibt es kei­ner­lei Anzei­chen für Zins­er­hö­hun­gen. Sobald die­se erkenn­bar wer­den, infor­mie­re ich Sie schnellst­mög­lich, weil es mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf Kre­di­te, Geld­an­la­gen und Pen­sio­nen gibt!

Die verrückten Franzosen

Michael Scherling am 31. August 2012

Schon unter Sar­ko­zy waren die Fran­zo­sen nicht für Refor­men und Spar­sam­keit bekannt, son­dern viel­mehr für die För­de­rung des Geld­dru­ckens durch die Euro­päi­sche Zen­tral­bank und das Ver­schie­ben (v.a. deut­scher) Gel­der nach Grie­chen­land. Kein Wun­der: ohne die­se Hil­fen wären wohl meh­re­re fran­zö­si­sche Ban­ken zusam­men­ge­bro­chen, die zu vie­le Kre­di­te an die Hel­le­nen ver­ge­ben hat­ten.

Was aber jetzt im Gan­ge ist, kann nur als “ver­rückt” bezeich­net wer­den, vor allem aber ist es gefähr­lich für den gesam­ten Euro-Raum.

Zählt man die Schul­den von Unter­neh­men, Ban­ken, Staat und den Pri­va­ten zusam­men, hat Frank­reich schon jetzt weit höhe­re Ver­bind­lich­kei­ten als Ita­li­en. Wäh­rend in Por­tu­gal, Spa­ni­en und Ita­li­en die ers­ten Reform­maß­nah­men bereits zu wir­ken begin­nen, geht in Frank­reich alles in die fal­sche Rich­tung.

Prä­si­dent Hol­lan­de hat gleich nach Amts­an­tritt das Ver­rin­gern der Schul­den ver­scho­ben. Das Kün­di­gungs­recht wur­de ver­schärft, was wie im August-Arti­kel beschrie­ben zu höhe­rer Arbeits­lo­sig­keit, nied­ri­ge­ren Staats­ein­nah­men und weni­ger Wirt­schafts­wachs­tum führt.

Fas­sungs­los macht, dass das Ren­ten­ein­tritts­al­ter von 62 auf 60 vor­ver­legt wur­de. Das führt län­ger­fris­tig in den siche­ren Staats­bank­rott und lässt die jun­ge Genera­ti­on noch chan­cen­lo­ser wer­den.

Inzwi­schen ver­schlech­tern sich fast alle öko­no­mi­schen Zah­len in Frank­reich. Das erklärt auch, war­um Hol­lan­de so drin­gend Euro­bonds haben will, die von uns allen bezahlt wer­den: Wenn sich nichts ändert, ist Frank­reich näm­lich das nächs­te Grie­chen­land!

War­um ist das für uns gefähr­lich?

  • Frank­reich hat gemein­sam mit den Mit­tel­meer­län­dern eine Mehr­heit in der Euro­päi­schen Zen­tral­bank und kann hier Übles anrich­ten.
  • Frank­reich ist zu groß, um auf­ge­fan­gen zu wer­den: ohne Ände­rung des aktu­el­len Kur­ses ist es mit dem Euro in der der­zei­ti­gen Form vor­bei.

Fazit: Kommt es in Frank­reich nicht zu einem radi­ka­len Kurs­wech­sel, der unter den Sozia­lis­ten schwer vor­stell­bar ist, müs­sen wir uns ernst­haf­te Sor­gen um unser Ver­mö­gen machen. Ein Zusam­men­bruch steht zwar nicht unmit­tel­bar bevor, weil die Euro­päi­sche Zen­tral­bank die­sen eini­ge Zeit auf­hal­ten kann. Den­noch ist es nötig, die Lage in Frank­reich genau zu beob­ach­ten.

Die wahren Verursacher der Schuldenkrise!

Michael Scherling am 31. Juli 2012

Erfreu­li­cher­wei­se ist inzwi­schen unbe­strit­ten, daß Wirt­schafts­wachs­tum einer der wich­tigs­ten Wege ist, um die schwie­ri­ge Situa­ti­on in Euro­pa und den USA zu über­win­den. Lei­der ist die Schluss­fol­ge­rung dar­aus fast immer falsch:

Zusätz­li­che Staats­aus­ga­ben sol­len die Kon­junk­tur ankur­beln.

Aus Sicht der Poli­ti­ker ist das ver­ständ­lich: sie erhal­ten durch eine sol­che Aus­wei­tung des Staats­ap­pa­rats mehr Macht und Recht­fer­ti­gung und kön­nen dem ein­fa­chen Bür­ger ein­re­den, daß sie ja ohne­hin so viel getan hät­ten. Lei­der erhöht die­se Vor­ge­hens­wei­se nur die Schul­den und bringt kein nach­hal­ti­ges Wachs­tum. Japan macht es seit 20 Jah­ren vor: Brü­cken wer­den auf unbe­wohn­te Inseln gebaut und die Japa­ner sind inzwi­schen das am stärks­ten über­schul­de­te Volk der Welt.

Was bringt also nach­hal­ti­ges Wachs­tum?

Ganz ein­fach: Ent­we­der es wird in glei­cher Zeit mehr her­ge­stellt (Erhö­hung der Pro­duk­ti­vi­tät) oder mehr Men­schen arbei­ten!

Über­all wird über die Arbeits­lo­sen­quo­ten geschrie­ben, inter­es­san­ter sind die Erwerbs­quo­ten: In der Schweiz gehen 80% der erwerbs­fä­hi­gen Bevöl­ke­rung einer bezahl­ten Beschäf­ti­gung nach. In Spa­ni­en 58,8% und in Grie­chen­land nur 55,6%.

Wer ist dafür ver­ant­wort­lich?

Lang­jäh­ri­ge For­schungs­ar­bei­ten zei­gen, daß die Regu­lie­rung des Arbeits­mark­tes die Haupt­ur­sa­che für die­se Unter­schie­de ist. Dabei geht es immer um die Fra­ge, wie inter­es­sant es für Unter­neh­men ist, jeman­den anzu­stel­len.

In den süd­li­chen Län­dern haben die Gewerk­schaf­ten durch­ge­setzt, daß ein Arbeit­neh­mer fast unkünd­bar ist. In Ita­li­en muss ein Unter­neh­men jah­re­lang vor Gericht, wenn ein Mit­ar­bei­ter­ver­trag gelöst wird, in Spa­ni­en ist nicht ein­mal das mög­lich.

Wenn ich als Unter­neh­mer aber in Kon­kurs gehen muss, bevor ich jeman­den kün­di­gen kann, dann stel­le ich erst gar nie­man­den ein!!!

Damit steigt die Arbeits­lo­sig­keit und die Erwerbs­quo­te sinkt. Weni­ger Wirt­schafts­wachs­tum und höhe­re Schul­den sind die Fol­ge.

Ver­ant­wort­lich dafür sind die Gewerk­schaf­ten, die gera­de in den süd­li­chen Län­dern sehr stark sind, und die nöti­gen Refor­men durch die engen Ban­de zur Poli­tik ver­hin­dern.

Es gibt aber ein posi­ti­ves Bei­spiel: Deutsch­land: Hier war der Kün­di­gungs­schutz sehr stark, wur­de aber unter Kanz­ler Schrö­der gelo­ckert. Die Fol­ge: Die Erwerbs­quo­te stieg von 65% auf 73%, die Arbeits­lo­sen­quo­te sank stark und das Wirt­schafts­wachs­tum stieg.

Ein gut funk­tio­nie­ren­der Arbeits­markt ohne Kün­di­gungs­schutz führt nicht zu unzu­rei­chen­dem Schutz der Arbeit­neh­mer. Oder wür­den Sie die Schweiz oder Deutsch­land als Hort der sozia­len Käl­te anse­hen? Für mich ist sozia­le Käl­te eine Arbeits­lo­sen­quo­te von 20% wie in Spa­ni­en oder Grie­chen­land. Nach­dem Arbeits­lo­se nicht von der Gewerk­schaft ver­tre­ten wer­den, sind sie die­ser offen­sicht­lich egal.

Fazit: Poli­ti­ker kau­fen das Wahl­volk mit sinn­lo­sen Staats­aus­ga­ben und Gewerk­schaf­ten rui­nie­ren die süd­li­chen Län­der mit wachs­tums­feind­li­chem Arbeits­recht. Doch die Hoff­nung stirbt zuletzt, daß die­se gros­se Kri­se zu einem Umden­ken führt. Ers­te Fort­schrit­te gibt es bereits.

Fremdwährungskredite

Michael Scherling am 26. Juni 2012

Gleich nach dem Thema “Inflation” bekomme ich die zweitmeisten Anfragen zu Finanzierungen in Schweizer Franken. Aus diesem Grund möchte ich eine Zusammenfassung aus aktueller Sicht bieten.

Man muss ins Jahr 1978 zurück­ge­hen, um einen Kurs­an­stieg des Schwei­zer Fran­kens zur D‑Mark um 25% zu sehen. Wegen der engen Ver­flech­tung der Wirt­schafts­räu­me ging man davon aus, daß ein von Euro­staa­ten umrun­de­tes Land eine eng kor­re­lie­ren­de Wäh­rung hat.

Weit nach Aus­bruch der Finanz­kri­se, näm­lich Mit­te 2009, wur­den die renom­mier­tes­ten Exper­ten aller gros­sen Schwei­zer Ban­ken nach einer Kurs­pro­gno­se für 2010 gefragt. Ergeb­nis: alle Schät­zun­gen beweg­ten sich zwi­schen 1,45 und 1,55. Tat­säch­lich war der Tief­punkt 2010 bei 1,25 und 2011 bei fast 1,0!

Das “worst case” — Sze­na­rio ist also tat­säch­lich ein­ge­tre­ten. Also star­ten wir gleich mit einer eben­sol­chen Zukunft:

Zer­fall der Euro­zo­ne:

Fällt die Euro­zo­ne aus­ein­an­der, wird Öster­reich zu einem neu­en Wäh­rungs­raum mit star­ken Län­dern gehö­ren (Deutsch­land, Finn­land, Nie­der­lan­de ‚..). Dann sind sogar Kur­se um 1,6 wie­der denk­bar. Das Extrem­sze­na­rio ist also für Kre­dit­neh­mer in Fran­ken nicht wirk­lich erschre­ckend. Zwi­schen­zeit­li­che Tur­bu­len­zen kön­nen natür­lich auf­tre­ten.

Unver­än­der­te Euro­kon­stel­la­ti­on:

Viel schlim­mer ist ein “Wei­ter­wurs­teln” wie bis­her. Die Poli­ti­ker haben durch 30 Jah­re Schul­den­ma­chen die aktu­el­le Kri­se aus­ge­löst (und schie­ben es “bösen Spe­ku­lan­ten” in die Schu­he, was wirk­lich Unsinn ist). Der­zeit sehe ich kei­ne Ten­denz, daß Poli­ti­ker ein­sich­tig gewor­den sind. In Frank­reich etwa geht alles in die kom­plett fal­sche Rich­tung: Die Schul­den wer­den nicht redu­ziert und Refor­men sogar zurück­ge­nom­men! Es lebe der kurz­sich­ti­ge Popu­lis­mus .…

Gut, daß es eine Schwei­zer Natio­nal­bank gibt. Jede Zen­tral­bank lebt aus­schliess­lich davon, daß ihr ver­traut wird. Wenn sich die Eid­ge­nos­sen vom Min­dest­kurs von 1,2 abbrin­gen las­sen, wäre für die nächs­ten 50 Jah­re jedes Ver­trau­en weg. Des­halb gehen alle Fach­leu­te davon aus, daß die­se Gren­ze hält. Tech­nisch ist das kaum ein Pro­blem: Die Natio­nal­bank hat ja das Mono­pol auf Fran­ken und kann theo­re­tisch unbe­grenzt Fran­ken aus­ge­ben und ihn damit abschwä­chen.

Was tun?

Ohne Finanz­kri­se wür­den Kre­dit­neh­mer gegen 4% Zin­sen zah­len, der­zeit nur rund 1%. Mei­ne drin­gen­de Emp­feh­lung: Legen Sie die 3% Erspar­nis an!!! Wenn Sie also 100.000 Euro Fremd­wäh­rung­kre­dit haben, legen Sie zusätz­lich zu den aktu­el­len Zah­lun­gen 3.000 Euro pro Jahr zur Sei­te (ohne Finanz­kri­se müss­ten Sie die ja auch zah­len kön­nen).

Dann haben Sie nach z.B. 15 Jah­ren rund 55.000 Euro bei­sam­men und stei­gen viel­leicht sogar mit Gewinn aus. Zwi­schen­zeit­li­che Son­der­til­gun­gen bei gutem Kurs sind natür­lich zusätz­lich sinn­voll.

Fazit: 100%ige Sicher­heit gibt es bei Wäh­run­gen nie. Den­noch soll­ten Fran­ken-Kre­dit­neh­mer aktiv wer­den.

Die armen Spanier

Michael Scherling am 3. Mai 2012

Trotz einiger positiver Entwicklungen, die der Euro gebracht hat, gibt es auch sehr negative Konsequenzen. Eine davon sieht man in Spanien:

Vor der Euro­ein­füh­rung zahl­ten die Spa­ni­er zwi­schen 6 und 10% für Kre­di­te, danach 3 – 5%, was zu einer über­mäs­si­gen Ver­schul­dung führ­te. Immo­bi­li­en auf Pump zu kau­fen ent­wi­ckel­te sich zum Volks­sport. Der Zement­ver­brauch stieg um 250% (um jetzt wie­der um 80% zu sin­ken).

Die Immo­bi­li­en­prei­se sind seit dem Höhe­punkt um rund 30% gefal­len, was zwar schon schlimm ist, aber es kommt noch ärger: egal mit wel­chen Exper­ten man spricht, jeder geht von einem wei­te­ren Preis­ver­fall von rund 20 – 30% aus. Vie­le Spa­ni­er konn­ten ihre Woh­nun­gen und Häu­ser bis­her nicht ver­kau­fen, weil sie ille­gal errich­tet oder mit Schwarz­geld finan­ziert wur­den oder weil weit und breit kein Käu­fer zu fin­den ist. Schrumpft die Wirt­schaft wei­ter, müs­sen auch die­se Immo­bi­li­en (zwangs-)verkauft wer­den, was die Prei­se wei­ter sin­ken lässt.

So wie auch Gross­bri­tan­ni­en hat Spa­ni­en kein funk­tio­nie­ren­des Wirt­schafts­mo­dell mehr. 25% der Bevöl­ke­rung ist arbeits­los (50% der Jugend­li­chen!).

Weil eine Abwer­tung der Wäh­rung als Aus­weg nicht offen­steht, müs­sen Prei­se und Löh­ne um rund 20% fal­len, um wie­der inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig zu wer­den. Wie man in Grie­chen­land sieht, funk­tio­niert das in der Pra­xis nicht.

Ohne mutige Schritte ist Spanien in spätestens 3 Jahren bankrott und gefährdet unsere gemeinsame Währung.

In den nächs­ten Jah­ren wer­den vie­le Spa­ni­er aus­wan­dern, weil die Per­spek­ti­ve im eige­nen Land fehlt. Das ist aller­dings kei­ne neue Ent­wick­lung: Im 19.Jahrhundert wan­der­ten jahr­zehn­te­lang 10% der Bevöl­ke­rung aus vie­len Län­dern aus (Irland, Schwe­den, Deu­sch­land, …).

Posi­tiv zu ver­mer­ken ist:

1. vor der Kri­se hat­ten die Spa­ni­er fast kei­ne Staats­schul­den

2. die Euro­päi­sche Zen­tral­bank hat viel Geld zur Ver­fü­gung gestellt und damit Zeit erkauft

Aber: Anders als Ita­li­en oder Japan ist Spa­ni­en nicht vor­ran­gig bei den eige­nen Bür­gern ver­schul­det, son­dern im Aus­land:

Die private und öffentliche Auslandsverschuldung ist grösser als die von Griechenland, Portugal, Irland und Italien zusammen!

Die Lösung des Dilem­mas besteht aus 2 Aktio­nen:

1. Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank muss mas­siv spa­ni­sche Staats­an­lei­hen kau­fen, um den Spa­ni­ern die not­wen­di­ge Zeit zu geben, um ein zukunft­fä­hi­ges Wirt­schafts­mo­dell auf­zu­bau­en.

2. Ein gewal­ti­ges euro­päi­sches Inves­ti­ti­ons­pro­gramm muss schnellst­mög­lich gestar­tet wer­den. So wie Grie­chen­land in sei­ne Häfen, Land­wirt­schaft und Tou­ris­mus inves­tie­ren soll­te, so müss­te man auch in Spa­ni­en vor­ge­hen: in die Stär­ken des Lan­des inves­tie­ren!

Woher soll das Geld kom­men? Im Wesent­li­chen aus EU-Kre­di­ten, egal wie das zustän­di­ge Instru­ment genannt wird. Öko­no­mi­sche Stu­di­en zei­gen, daß Kre­di­te in die­sem Fall nicht nur der ein­zi­ge Weg sind, son­dern auch lang­fris­ti­gen Nut­zen für ganz Euro­pa schaf­fen.

Fazit: Die euro­päi­schen Poli­ti­ker und Zen­tral­ban­ker müs­sen visio­när und ent­schlos­sen han­deln, um ein Zusam­men­bre­chen Spa­ni­ens zu ver­hin­dern. Wenn Men­schen vor dem Abgrund ste­hen, sind sie zu gewal­ti­gen Taten bereit — die Ret­tung Spa­ni­ens ist mög­lich!

Die konkrete Lösung der Eurokrise

Michael Scherling am 1. Januar 2012

Schon meine Geschichte-Professorin in der AHS hat richtig festgehalten, daß die Menschheit immer erst dann Lösungen findet, wenn sie vor dem Abgrund steht. Genau dort befinden wir uns derzeit.

Obwohl es in den letz­ten Mona­ten bereits gros­se Fort­schrit­te gab (v.a. die neu­en öko­no­misch ver­nüf­ti­gen Regie­run­gen in den Pro­blem­staa­ten), scheint eine Lösung der Kri­se ja noch nicht in Sicht zu sein. Ich bin ande­rer Mei­nung, denn “nur” die fol­gen­den drei Din­ge müs­sen gemacht wer­den:

A: Staats­aus­ga­ben sen­ken

B: Wachs­tum för­dern

C: Ver­stärk­tes Ein­grei­fen der Euro­päi­sche Zen­tral­bank

Klingt alles viel zu einfach, deshalb hier die Erklärungen:

A: Mit Aus­nah­me von Extre­mis­ten­par­tei­en haben sogar die Poli­ti­ker erkannt, daß Spa­ren not­wen­dig ist.

B: Viel zu wenig wird das The­ma “Wachs­tum för­dern”  berücksichtigt,was scha­de ist, denn in Grie­chen­land ist zu erken­nen, daß Spa­ren allei­ne zu wenig ist. Dadurch ent­steht näm­lich eine gefähr­li­che Abwärts­spi­ra­le (mehr Arbeits­lo­se, weni­ger Ein­kom­men, mehr Kon­kur­se — damit sin­ken­de Steu­er­ein­nah­men), die schwer zu stop­pen ist. Aus Mit­teln der EU müss­ten Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen geför­dert wer­den, in Grie­chen­land etwa Bil­dung, Land­wirt­schaft, See­hä­fen und Tou­ris­mus­in­fra­struk­tur.

C: Gross­bri­tan­ni­en steht genau­so schlecht da wie Spa­ni­en, zahlt aber nur halb so hohe Zin­sen für die Staats­schul­den. War­um? Ganz ein­fach, die bri­ti­sche Natio­nal­bank kauft so vie­le Anlei­hen wie nötig und hat dabei einen simp­len Deal mit der Regie­rung gemacht: “Ihr spart und wir ver­schaf­fen euch Zeit, indem wir euch das Defi­zit finan­zie­ren”.

Die Euro­päi­sche Zen­tral­bank kann eben­so mit einer ein­zi­gen Ankün­di­gung die Eska­la­ti­on der Euro­kri­se sofort lösen: “Fixie­rung der Staats­an­lei­hen­zin­sen auf maxi­mal 4 – 5%”.

War­um tut sie das nicht? Weil sie genau weiss daß dann die Sar­ko­zys und Ber­lus­co­nis die­ser Welt die Ober­hand gewin­nen, alle Spar­an­stren­gun­gen stop­pen und uns damit wirk­lich in den Ruin trei­ben. Des­halb rei­chen nicht die Ankün­di­gun­gen von Refor­men und Spar­mass­nah­men, son­dern sie müs­sen auch umge­setzt sein.

Lei­der sind die­se Mass­nah­men (Erhö­hung des Pen­si­ons­al­ters, Kün­di­gungs­schutz lockern, Aus­bil­dung ver­bes­sern, Büro­kra­tie abbau­en etc.) sehr zeit­auf­wän­dig. Das Jahr 2012 wird wohl zur Gän­ze dafür ver­wen­det wer­den müs­sen.

Fazit: Ende 2012 wird die kon­kre­te Lösung der Euro­kri­se klar sein, rech­nen Sie bis dahin mit Unru­he, aber las­sen Sie sich von den zahl­rei­chen Unter­gangs­pro­phe­ten nichts ein­re­den. Die­se lie­gen wie immer falsch.