Der August-Crash

Michael Scherling am 29. August 2011

Von Sommerflaute kann in diesem Jahr in ökonomischer Hinsicht nicht die Rede sein. Was hat sich getan?
  1. Bör­sen­ein­bruch: Vie­le Bör­sen (wie auch die deut­sche und öster­rei­chi­sche) sind um 20 – 25% ein­ge­bro­chen, was wirk­lich erstaun­lich ist: wenn Sie in den Super­markt gehen, wer­den Sie kaum Arti­kel fin­den, die bil­li­ger sind als vor 10 Jah­ren. Die welt­weit füh­ren­den Unter­neh­men aus Deutsch­land hin­ge­gen sind um 30% bil­li­ger als 2001 oder auch als 2007. Zusätz­lich sind die Gewin­ne die­ser Fir­men inzwi­schen viel höher als damals und die Aus­sich­ten wun­der­bar, weil genau das her­ge­stellt wird, was die auf­stre­ben­den Län­der die­ser Welt brau­chen.
    Lus­tig ist auch das Inves­to­ren­ver­hal­ten bei Immo­bi­li­en: Für Woh­nun­gen wer­den 20% mehr bezahlt als vor kur­zer Zeit. Ande­re Immo­bi­li­en­ver­an­la­gun­gen hin­ge­gen fin­den sogar mit 30% Abschlag zum Immo­bi­li­en­wert kaum Käu­fer. Das gilt auch für Wohn­im­mo­bi­li­en-Invest­ments, die sogar weni­ger ris­kant sind als Ein­zel­woh­nun­gen, weil das Risi­ko auf vie­le Objek­te gestreut ist.
  2. Wäh­rungs­tur­bu­len­zen: Spe­zi­ell der Schwei­zer Fran­ken erreich­te als “siche­rer Hafen” neue Rekord­stän­de. An die­ser Stel­le ein spe­zi­el­ler Dank an die Finanz­markt­auf­sicht: Bei einem Kurs von 1,67 wur­den Fremd­wäh­rungs­fi­nan­zie­run­gen zuge­las­sen. Aktu­ell könn­te man um mehr als 40% güns­ti­ger ein­stei­gen, was die FMA uns aber ver­bie­tet. Tol­le Leis­tung, bra­vo.
    Ein klei­ner Trost für Fremd­wäh­rungs­kre­dit­neh­mer: Ohne Finanzkrise/Staatsschuldenkrise wür­den Sie in Fran­ken rund 4 – 5% Zin­sen zah­len, also 3% p.a. mehr als jetzt. Geht das ins­ge­samt 10 Jah­re lang so wei­ter (3 Jah­re haben wir ja schon), erspa­ren Sie sich 30% des Kre­dits, die Sie den Kurs­ver­lus­ten gegen­rech­nen kön­nen. Wich­tig ist, daß Sie die Zins­er­spar­nis zur Sei­te legen und nicht “ver­kon­su­mie­ren”.
  3. Gold­preis­an­stieg: Bereits Anfang des Jah­res hat­te ich geschrie­ben, daß der Gold­preis erst fällt, wenn die Real­zin­sen stei­gen. Nach­dem die US-Zen­tral­bank jetzt kom­mu­ni­ziert hat, daß die Zin­sen für wei­te­re 2 Jah­re bei Null blei­ben, wird wohl auch der Gold­preis nicht so bald fal­len. Wie weit er noch steigt, wird nur von Spe­ku­lan­ten bestimmt. Als “Nicht-Spe­ku­lant” kann ich Ihnen also lei­der kei­ne Pro­gno­se bie­ten.
    Span­nend ist, daß Gold ja schon sehr stark gestie­gen ist, Gold­mi­nen­ak­ti­en hin­ge­gen nicht, obwohl sich bei­des jahr­zehn­te­lang aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den sehr ähn­lich ent­wi­ckelt hat. Die Unter­be­wer­tung der gold­pro­du­zie­ren­den Unter­neh­men liegt bei etwa 30%.

Fazit: Die mensch­li­che Psy­che ist def­in­tiv nicht dafür geeig­net, gewinn­brin­gen­de Ver­an­la­gun­gen zu wäh­len. Men­schen, die die­se Zusam­men­hän­ge ver­ste­hen, fin­den aktu­ell so gross­ar­ti­ge Anla­ge­mög­lich­kei­ten wie schon lan­ge nicht mehr. Ein paar Jah­re Geduld muss man aller­dings mit­brin­gen.

Eine Bank, der man vertrauen kann?

Michael Scherling am 29. Juni 2011

Ja, es gibt sie! Allerdings ist es eine, mit der man als Privatkunde nicht in Kontakt treten kann: die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Sie ver­fügt über Daten aller wesent­li­chen Ban­ken der Welt und hat schon vor der Finanz­kri­se auf sämt­li­che Ungleich­ge­wich­te hin­ge­wie­sen. Auch Mit­te 2010 hat sie die Ent­wick­lun­gen bis heu­te sehr gut ana­ly­siert und gute Pro­gno­sen abge­ge­ben. Die all­ge­mein bekann­ten Ban­ken schaf­fen das sel­ten, weil sie ent­we­der zu kurz­fris­tig den­ken oder Geschäfts­in­ter­es­sen hin­ter den Pro­gno­sen ste­hen.

Was sagt die BIZ nun aktuell?

  1. Die Haus­halts­de­fi­zi­te waren in Frie­dens­zei­ten noch nie so hoch. Öffent­li­che und pri­va­te Finan­zen müs­sen kon­so­li­diert wer­den, bevor die gro­ßen Belas­tun­gen durch die altern­de Bevöl­ke­rung und nicht finan­zier­ba­re Sozi­al­leis­tun­gen spür­bar wer­den. Zusätz­lich ist finan­zi­el­ler Spiel­raum nötig, um in künf­ti­gen Krisen/Naturkatastrophen reagie­ren zu kön­nen.
  2. Ungleich­ge­wich­te im Welt­han­del: Deutsch­land und Chi­na expor­tie­ren und die USA kon­su­mie­ren. Die Fra­ge ist nicht ob, son­dern nur wann die­se Ent­wick­lung kor­ri­giert wird. Die größ­te Gefahr ist eine unkon­trol­lier­te Abwer­tung des Dol­lars, die schreck­li­che Fol­gen für die Welt­wirt­schaft hät­te.
  3. Chi­na soll­te die Wäh­rung auf­wer­ten und die USA Zin­sen und Steu­ern erhö­hen und weni­ger kon­su­mie­ren (was lei­der nur geht, wenn die wirt­schaft­li­che Erho­lung stark genug ist). Das Modell des schul­den­fi­nan­zier­ten Wachs­tums muss auf­ge­ge­ben wer­den – nur dann kann die Welt­wirt­schaft wie­der ins Gleich­ge­wicht kom­men. In vie­len Län­dern wer­den immer noch die Spa­rer bestraft und die Kre­dit­neh­mer belohnt (z.B. durch Steu­er­ab­setz­bar­keit der Kre­di­te).
    Nah­rungs- und Roh­stoff­prei­se könn­ten auf erhöh­tem Niveau ver­har­ren oder sogar stei­gen, wenn das glo­ba­le Wirt­schafts­wachs­tum hoch bleibt.
  4. Infla­ti­on: Die gros­sen von den Zen­tral­ban­ken geschaf­fe­nen Geld­men­gen lösen kei­ne Infla­ti­on aus!!! Ent­schul­dung auch durch über­ra­schen­de Infla­ti­on funk­tio­niert nicht. Den­noch ist wegen stei­gen­der Löh­ne und hoher Roh­stoff­prei­se ein Infla­ti­ons­an­stieg v.a. in den auf­stre­ben­den Län­dern Asi­ens und Süd­ame­ri­kas (Emer­ging Mar­kets) zu befürch­ten.
    Stark anschwel­len­de Kapi­tal­strö­me in die­se Emer­ging Mar­kets kön­nen zu Spe­ku­la­ti­ons­bla­sen füh­ren (z.B. Immo­bi­li­en­prei­se, anstei­gen­de Ver­schul­dung der Haus­hal­te).
  5. Zu nied­ri­ge Zin­sen bedro­hen die Preis­sta­bi­li­tät und begüns­ti­gen Risi­ken. Tie­fe Zin­sen kön­nen zu einer Ver­zö­ge­rung des Schul­den­ab­baus füh­ren (Poli­ti­ker haben weni­ger Spar­druck). Lang­sa­me Zins­er­hö­hun­gen wer­den erwar­tet.

Die BIZ deckt auch graus­li­che Din­ge auf: Die Geld­flüs­se von US-Dol­lar in Rich­tung kari­bi­sche Steu­er­pa­ra­die­se sind höher als die von Dol­lar zu Euro und Pfund zusam­men!!! Zwi­schen Euro und der Kari­bik gibt es kaum Ver­flech­tun­gen.

Eini­ge pos­ti­ti­ve BIZ-Ana­ly­sen möch­te ich Ihnen aber auch nicht vor­ent­hal­ten:

  • Die Bilan­zen der Finanz­in­sti­tu­te haben sich wei­ter ver­bes­sert (so haben etwa die US-Ban­ken 300 Mil­li­ar­den Dol­lar zusätz­li­ches Eigen­ka­pi­tal auf­ge­baut)
  • Das Risi­ko ist gerin­ger gewor­den, dass Spar­maß­nah­men das Wirt­schafts­wachs­tum abwür­gen.
  • Die Welt­wirt­schaft ist auf dem Weg zu gesun­dem, sta­bi­lem und selbst­tra­gen­dem Wachs­tum.

Fazit: Den USA und Euro­pa ste­hen vie­le wachs­tums­schwa­che Jah­re bevor, weil die Schul­den zu hoch sind. Die Welt wird des­halb aber nicht unter­ge­hen. Bit­te wäh­len Sie kei­ne Poli­ti­ker, die sich aus popu­lis­ti­schen Grün­den gegen sinn­vol­le Spar­mass­nah­men wen­den!

Wie geht es mit dem Euro weiter?

Michael Scherling am 1. Januar 2011

Zuerst eine Feststellung: ja, es wird ihn weiter geben, den Euro. Politisch ist er gewollt und ökonomisch ist ein Eurozerfall in jedem Fall teurer als ein Weiterbestehen.

Nach­dem Sie genug Nega­ti­ves über den Euro in den Medi­en lesen, hier zwei sehr posi­ti­ve Fak­to­ren:

  1. Ohne die „Kon­kurs­ge­fahr“ hät­ten die tol­len Poli­ti­ker der Euro-Staa­ten wei­ter­hin alle Pro­ble­me künf­ti­gen Genera­tio­nen über­las­sen. So wur­den sie durch die Markt­kräf­te gezwun­gen, Refor­men ein­zu­lei­ten, die seit 20 Jah­ren über­fäl­lig waren. Hof­fen wir also, daß die Kri­se nicht so schnell zu Ende geht.
  2. Obwohl es noch kei­ne Lösung gibt und gera­de 2011 sehr kri­tisch ist, weil Staa­ten und Ban­ken enorm viel neu­es Geld brau­chen und frag­lich ist, woher das kom­men soll, muss man doch eines fest­stel­len: die Euro­kri­se ist schon sehr weit fort­ge­schrit­ten. Die Hälf­te des Lei­dens­we­ges haben wir sicher schon hin­ter uns!

Fazit: Den Euro wird es wei­ter geben.